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Problem der Startplatzstrafen

Gibt es ein besseres System?

Carlos Sainz - Toro Rosso - Formel 1 - GP Italien - Monza - 1. September 2017 Foto: sutton-images.com 20 Bilder

Neun Startplatzstrafen in Monza verfälschten die Startaufstellung. Es hagelte allenthalben Kritik. Formel 1-Chef Ross Brawn versprach das Problem zu lösen. Doch wie? Jede Form von Strafe hat seine Ungerechtigkeiten.

13.09.2017 Michael Schmidt 10 Kommentare

Eigentlich hätte man sich die Qualifikation zum GP Italien sparen können. Am Ende standen nur Lewis Hamilton und Romain Grosjean auf den Startplätzen, auf die sie aufgrund ihrer Trainingszeiten gehörten. Der Erste und der Letzte. Alle anderen starteten wild durcheinander. Schuld daran waren neun Strafen, sieben für das Überschreiten des Motorenkontingents, zwei für den Tausch des Getriebes vor Ablauf der sechs Rennen.

Es kam zu Kuriositäten wie der, dass Sergio Perez nur einen Platz zurückrutschte, obwohl er eigentlich um 5 Positionen versetzt wurde. Oder dass Carlos Sainz trotz einer Strafversetzung um 10 Positionen am Ende auf dem gleichen Platz stand, auf dem er sich aufgrund seiner Trainingszeit sowieso qualifiziert hätte. Red Bull-Teamchef Christian Horner gestand: „Wir waren uns bis kurz vor dem Rausfahren nicht sicher, in welche Positionen wir unsere Autos schieben sollten.“

Strafen bringen dem Rennen mehr Action

Der Großteil des Fahrerlagers übte Kritik. Das System ist nicht transparent, es macht die Qualifikation am Samstag zur Makulatur, und es bestraft die Falschen. Der Fahrer kann nichts dafür, wenn das Getriebe vorzeitig seinen Geist aufgibt, oder der fünfte Turbolader eingebaut werden muss. Resultat: Die Zuschauer blicken nicht mehr durch. Und das verkauft sich schlecht.

Christian Horner schimpfte: „Wir brauchen ein besseres System. Je länger die Saison dauert, desto schlimmer wird es. Weil immer mehr Motorenstrafen dazukommen.“ Niki Lauda fordert: „Wir müssen das System überdenken. Da kennst‘ dich nimmer aus. Strafen müssen sein, aber so, dass sich jeder selber ausrechnen kann, wie die Startaufstellung aussieht.“

Mercedes - V6 Hybrid - Formel 1-Motor 2015 Der Fluch der Hybrid-Technik Drei unlösbare Probleme

McLaren-Teamchef Eric Boullier geht einen Schritt weiter: Startplatzstrafen müssen weg. Es ist ja schon eine Strafe für sich, wenn etwas kaputtgeht.„ Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer widerspricht: “Wo ist das Problem? Wegen der Strafen sind einige schnelle Fahrer weiter hinten gestartet. Das hat dem Rennen mehr Action verschafft.„ Das Argument hat etwas für sich. Mit einer normalen Startaufstellung hätte es die Aufholjagd von Daniel Ricciardo nie gegeben.

Horner und Lauda fürchten, dass die Reduzierung auf drei Motoren im nächsten Jahr die Konfusion noch vergrößern wird. “Ein Fehler der Strategiegruppe. Jeder hat gesagt, dass wir die Motoren nur dann billiger für die Kunden kriegen, wenn wir weniger bauen„, urteilt Lauda. “Wir wissen längst, dass mit 3 Motoren nichts gespart ist. Weil die Entwicklung und die Prüfstandsläufe mehr kosten.„

Einer wird immer zu Unrecht bestraft

Formel 1-Chef Ross Brawn hat versprochen, dass man sich zusammen mit der FIA dem Problem der Motorstrafen annehmen will. Da suchen beiden Parteien nach der Quadratur des Kreises. Egal, was man erfindet. Einer wird immer zu Unrecht bestraft. Im Augenblick sind es die Fahrer. Sie müssen es ausbaden, wenn die Technik streikt.

Zieht man dem entsprechenden Team Konstrukteurs-Punkte ab, trifft es auch die Falschen. Die Kundenteams müssen das nehmen, was der Hersteller anliefert. Wer in diesem Jahr einen Honda- oder Renault-Motor fährt, sitzt in der Falle. Wenn man nur den Werksrennstall für den Einsatz zu vieler Motorenkomponenten bestraft, wird kein Hersteller mehr mitspielen.

Geldstrafen führen ebenfalls nicht zum Ziel. Die großen Teams würden sich den Vorteil eines frischen Motors erkaufen, ohne mit der Wimper zu zucken. Auch eine Regelung, dass der Motor nur im Schadensfall erneuert werden darf, bringt nicht viel. Man wird sich Mittel und Wege einfallen lassen, den Motor zum strategisch günstigsten Zeitpunkt so platzen zu lassen, dass es nicht wehtut. In irgendeinem freien Training. Auch hier hätte der Kunde den Nachteil. Er müsste dafür bezahlen. Dem Werksteam ist es egal.

Wie könnte man das Problem der Startplatzstrafen für Motor- und Getriebeprobleme für alle gerecht und für die Zuschauer nachvollziehbar lösen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Neuester Kommentar

Wenn die Vorgabe heißt, Anzahl x für den Komponenten y, dann soll wenn der x.te defekt ist, einfach gelten: Saison vorbei, Ende Gelände, aus die Maus.
Entweder sie halten sich an die Regelvorgabe oder nicht. ;-)

Berndili 13. September 2017, 22:31 Uhr
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