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25. Todestag von Stefan Bellof

Ein schwarzer Tag in Spa-Francorchamps

Stefan Bellof Foto: xpb 15 Bilder

In der berühmt berüchtigten Eau Rouge von Spa-Francorchamps fand Stefan Bellof am 1. September 1985 den Tod. 25 Jahre danach wollen wir noch einmal an das Formel 1-Ausnahmetalent und sein verhängnisvolles letztes Rennen erinnern.

01.09.2010 Michael Schmidt

Die Bilder von damals sind einem heute noch präsent. Ein zusammengefalteter Porsche 962, der Vorderbau bis zur Windschutzscheibe zu einem Klumpen Aluminium verdichtet, die Vorderräder auf Höhe des Armaturenbretts. Ein Unfall der so, wie er passierte, nicht zu überleben war. Zurück blieb die Frage: Hätten er überhaupt passieren müssen?

Es war eine Zeit, in der Stefan Bellof seine Qualitäten in einem mittelmäßigen Formel 1-Team verschleuderte. Eine Zeit, in der er sich in der Sportwagen-WM eine Ersatzspielwiese aufbaute, um sein Talent zu zeigen. Gruppe C, das waren 1985 geschlossene Sportwagen, fast so schnell wie die Formel 1, aber nur halb so sicher.

Bellof fand 30 Zentimeter Knautschzone

Das Dach über dem Kopf war ein zweifelhafter Schutz. Wo die Formel 1 längst auf Kohlefaser setzte, da wurden die Chassis der Porsche 962 noch aus Aluminium gedengelt. Ein Sicherheitsrisiko, das sich auf der in die Jahre gekommenen Strecke von Spa-Francorchamps als lebensgefährlich herausstellte. Stefan Bellof fand 30 Zentimeter Knautschzone vor - eine kniehohe Leitplanke, die das dahinterliegende gemauerte Fundament der Eau-Rouge-Tribüne abschirmte.

Ken Tyrrell hasste die Sportwagenrennen. Der knorrige Holzhändler war Bellofs Chef. Doch verbieten konnte er seinem Fahrer die Ausflüge in die Gruppe C nicht, denn sie waren für diesen ein einträglicher Nebenverdienst. Bellof hatte sich Ende 1984 immerhin vom Porsche-Werksteam getrennt - angeblich wegen drohender Sponsorkonflikte, tatsächlich aber, weil er sich mehr auf die Formel 1 konzentrieren wollte. Trotzdem trat er am 1. September 1985 bei den 1.000 Kilometern von Spa an. In einem Porsche des Schweizer Privatiers Walter Brun.

Bellof auf dem Wunschzettel von McLaren und Ferrari

Bellof galt als Wunderkind. Der dritte Platz 1984 beim GP Monaco brachte ihn ganz oben auf die Wunschzettel von Ferrari und McLaren. Da störte es auch nicht groß, dass Bellof später alle Punkte dieser Saison wieder abgeben musste, weil Tyrrell beim Schummeln erwischt worden war. Die Autos fuhren bei einigen Grand Prix untergewichtig und wurden kurz vor dem Ziel bei einem Blitz-Boxenstopp mit Bleikugeln beschwert.

1985 war Bellof auf verlorenem Posten unterwegs. Tyrrell hatte sich als letzter Turbo-Rebell spät zum Wechsel zu den aufgeladenen Triebwerken entschlossen und trat noch die halbe Saison mit dem unterlegenen Cosworth-V8 an. Trotzdem sammelte Deutschlands größtes Motorsporttalent seit Wolfgang Graf Berghe von Trips vier WM-Punkte. Als sein Auto ab dem GP Deutschland endlich von einem Renault-Turbo befeuert wurde, besserte sich die Lage nicht. Das Auto passte nicht zum Motor. Es war für einen Cosworth gebaut und deshalb ein schlechter Kompromiss.

Das letzte Duell mit Jacky Ickx

Bei den Sportwagen war Bellof schon, was er in der Formel 1 noch werden wollte. Er trat als amtierender Weltmeister an. Einige aus der alten Garde fühlten sich durch den forschen Auftritt des damals 27-Jährigen in ihrer Rennfahrerehre gekränkt. Jacky Ickx zählte dazu. Deshalb lag in dem Duell zwischen Ickx und Bellof in Spa besondere Brisanz. Spa war das Wohnzimmer des Belgiers. Hier wollte der sechsfache Le Mans-Sieger sich nicht von einem vorführen lassen, der 13 Jahre jünger war als er.

Der Zweikampf zwischen dem Werkspiloten Ickx und dem Privatfahrer Bellof tobte drei Runden, und jeder, der dieses Kopf-an-Kopf-Rennen sah, ahnte, dass es mit einem Unfall enden würde. Hier ging es um mehr als nur die Führung. Bei beiden war der Spritverbrauch längst zu hoch. Als Bellof und Ickx Seite an Seite auf Eau Rouge zuschossen, da wollte sich keiner mit dem anderen arrangieren, so wie das 1970 Jo Siffert und Pedro Rodriguez taten, die bei einer vergleichbaren Gratwanderung am gleichen Ort auf der Strecke blieben.

Ende einer Motorsport-Ära

Ickx hatte Glück. Sein Porsche flog rückwärts in die Leitplanken, 30 Meter weiter oben am Berg, in einem günstigeren Winkel. Bellof traf die Streckenbegrenzung nach einer Pirouette frontal. Mit Stefan Bellof und dem drei Wochen zuvor verunglückten Manfred Winkelhock wurde 1985 auch der deutsche Motorsport zu Grabe getragen. Es sollte sechs Jahre dauern, bis die Autonation wieder einen Hoffnungsträger bekam. Vielleicht war es ein Wink des Schicksals, dass Michael Schumacher seine ersten großen Erfolge auf Sportwagen erzielte und dass seine Formel 1-Karriere in Spa begann.

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