Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Stefano Domenicali

"Ergebnisse nur schwer zu erklären"

Stefano Domenicali Foto: Daniel Reinhard 25 Bilder

Hinter Ferrari liegt eine schwierige Saison. Ein langsames Auto, der Unfall von Felipe Massa und die politischen Querelen machten das Jahr zu einem der härtesten in der Laufbahn von Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali.

27.10.2009 Tobias Grüner, Michael Schmidt

Zu welchem Zeitpunkt der Saison haben Sie gemerkt, dass es nicht für die Meisterschaft reicht und man sich besser auf das kommende Jahr konzentriert?
Domenicali: Etwa im Mai, als wir entschieden haben, uns auf 2010 zu konzentrieren.

Platz drei in der Meisterschaft - würden Sie das als Schadensbegrenzung nach einer schwierigen Saison bezeichnen?
Domenicali: Sicherlich ist es genau das. Wenn man nicht nur die technische Seite betrachtet, sondern auch den Crash von Felipe, dann wäre das schon ein tolles Ergebnis. Wir wissen, dass das Ziel, Dritter zu bleiben, sehr ehrgeizig ist, aber wir kämpfen bis zum Ende. Man hat gesehen, dass die Rennen in diesem Jahr zu unvorhersehbar sind. Es gibt deshalb keinen Grund, warum wir nicht dafür kämpfen sollten.

Warum konnte Ferrari mit Kimi Räikkönen noch einige gute Resultate einfahren, obwohl die Saison schon abgeschrieben war?
Domenicali: Die Ergebnisse sind wirklich nur schwer zu erklären. Ich kann mich an kein Jahr erinnern, in dem es so große Schwankungen von einem zum nächsten Rennen gab. Die Techniker müssen erst einmal richtig verstehen, was da in dieser Saison passiert ist. Warum wir ausgerechnet mit dem Auto Erfolg hatten, nachdem die Entwicklung eingefroren wurde? Monte Carlo ist eine besondere Strecke. Unser Auto wurde von der Gewichtsverteilung so gebaut, dass uns der Kurs besser gepasst hat als anderen Teams. Wir wissen, dass eines der Hauptprobleme unseres diesjährigen Autos der Mangel an Abtrieb ist. Nach schwierigem Start mit KERS hat uns das System im zweiten Teil der Saison geholfen, die Probleme mit der aerodynamischen Effizienz etwas zu kaschieren.

Warum ist das Auto im Qualifying schlechter als unter Rennbedingungen?
Domenicali: Das ist eine gute Frage. Wir haben Probleme auf einer einzigen Runde. Unser Auto braucht länger um warm zu laufen wie z.B. bei den Reifen. Unserer Konkurrenten gehen auf die Strecke und knallen direkt eine gute Rundenzeit hin. Das ist der Grund warum wir dort sind, wo wir stehen. Wenn man sich das Auto von Suzuka im zweiten Stint anschaut, dann war es sehr gut mit einem guten Reifensatz - da konnten wir die drittschnellste Rennrunde fahren und waren nah an der Spitze dran.

Erwarten Sie das auch 2010 mit den Regeländerungen oder wird es ausgeglichener sein?
Domenicali: 2010 gibt es viele Herausforderungen für alle Teams. Der erste Punkt ist, dass niemand die neuen Reifen getestet hat. Wir konstruieren mit Hilfe von Simulationen. Aber Simulationen ohne Reifen sind die eine Sache, das Auto zu fahren eine andere. Ohne Tankstopps stellt sich vielleicht heraus, dass das Auto aggressiver mit den Reifen umgeht, und man muss deshalb zum anderen Zeitpunkt an die Box als eigentlich geplant. Dann könnte es auch Probleme mit den Bremsen geben.

Alle gehen mit einem komplett neuen Paket an den Start. Sind die Zeiten vorbei, in denen ein Team vorneweg fährt?
Domenicali: Das müssen wir in Betracht ziehen. Die Formel 1 versucht alles zu begrenzen. Wir bei Ferrari waren es gewohnt, 90.000 Kilometer zu testen. Es ist schwierig, das einfach so auf 15.000 Kilometer zu reduzieren. Es ist jedenfalls leichter für jemanden, der von der Arbeitsmethodik her nie etwas anderes gemacht hat.

Haben Sie Angst, dass Massa bei seinem Comeback nicht mehr der Alte sein wird?
Domenicali: Da habe ich gar keine Bedenken. Ich habe die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen gesehen und die besagen alle, dass alles in die richtige Richtung geht.

Warum will Ferrari nicht, dass er in Abu Dhabi fährt?
Domenicali: Wir haben das mit Felipe diskutiert - er versteht unsere Sichtweise. Es ist gut, dass er wieder fahren will. Doch man muss die Chancen und Risiken abwägen.

Auch wenn es bis Februar keine Testfahrten mehr gibt?
Domenicali: Ja, denn das Rennen ist ja nicht gleich eine Woche später.

Ist er von einem medizinischen Standpunkt schon bereit?
Domenicali: Ja. Er ist 100 Prozent in Ordnung. Mit einer Gehirnverletzung muss man besonders vorsichtig sein, denn es kann mehr dahinter stecken, als man von außen sieht. Man muss dem Körper genug Zeit geben, alles zu heilen.

Ferrari hat stets die Verträge der Fahrer respektiert. Warum hat das Team entschieden, den Vertrag mit Kimi Räikkönen aufzulösen?
Domenicali: Es war eine Entscheidung des Teams. Wir haben die Dinge betrachtet und gehandelt, wie wir es für richtig hielten.

Kann sich Ferrari leisten, im dritten Jahr in Folge keinen Titel zu gewinnen?
Domenicali: Der Druck ist der gleiche. Das ist Teil unseres Lebens. Wenn man so ein schwieriges Jahr hat wie wir, dann erwartet jeder, dass man danach zurückkommt und wieder gewinnt. Wenn man nicht mit dem Druck leben kann, verliert man schnell den Job.

Sind Sie als Teamchef zu nett?
Domenicali: Ich werde meine Art nicht ändern, nur weil ich in der Formel 1 arbeite. Man muss seine Persönlichkeit nicht ändern und sich eine Maske aufsetzen. Die größte Herausforderung ist der Prozess der Veränderung, den die Formel 1 gehen wird. Da will ich dran teilhaben. Wir müssen mit einer anderen Mentalität nach vorn blicken.

Als Sie als Teamchef ihre Arbeit aufnahmen, hat Luca di Montezemolo gesagt, dass man neun Titel in zehn Jahren gewinnen will. Muss man das neu überdenken?
Domenicali: Wir haben respektiert, was unserer Präsident gesagt hat - letztes Jahr haben wir ja auch einen Titel gewonnen. Mir scheint es unmöglich, dass wir ein Team über mehrere Jahre gewinnen sehen.

Luca Badoer und Giancarlo Fisichella hatten Mühe, mit diesem Auto gute Leistungen zu zeigen. Können Sie sich vorstellen, dass es Michael Schumacher anders gegangen wäre?
Domenicali: Wenn der Abtrieb nicht da ist, fehlt es den Fahrern auch an Vertrauen ins Auto. Wenn man dann noch die engen Zeitabstände betrachtet, wird klar, warum es so schwer ist, gute Ergebnisse einzufahren. Man kann nicht sagen, dass es mit Michael besser oder schlechter gewesen wäre. Das erste Rennen wäre auch für ihn sehr schwierig gewesen.

War es das schwierigste Jahr, seitdem Sie bei Ferrari sind - nicht nur als Teamchef?
Domenicali: Man muss jeden Moment einzeln betrachten. In meiner Karriere, in anderen Positionen, hatte ich schon viele schwierige Situationen. Es gab viele Momente wo es auch hätte anders laufen können. Wenn man es im Ganzen betrachtet, war es sicher eines der härtesten Jahre - aus verschiedenen Gründen: Das Auto, die Politik, die Fahrer, unsere Leistung und natürlich der Unfall selbst. Das war auch für mich persönlich ein sehr schwieriger Moment. An diesem Samstag sah es nicht gut aus. Gott sei Dank ist alles in Ordnung.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden