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Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali

Wir müssen 2011 perfekt sein

Stefano Domenicali Foto: Ferrari 37 Bilder

Bei der Ferrari-Saisoneröffnung in Madonna di Campiglio stand Teamchef Stefano Domenicali Rede und Antwort. Der Italiener sprach über das neue Auto, das Reglement, die neuen Reifen, die Erwartungen an Felipe Massa und die Lehren aus dem Debakel von Abu Dhabi.

12.01.2011 Tobias Grüner

Wann wird der 2010er Ferrari vorgestellt?
Domenicali: Wir präsentieren das neue Auto am 28. Januar in Maranello. Es wird sich bis zum Saisonstart aber noch stark verändern. Beim ersten Test in Valencia wird Fernando Alonso die ersten beiden Tage fahren, Felipe Massa die Tage drei und vier.

Was sind die Erwartungen an die neue Saison?
Domenicali: Unser Ziel sind beide Titel in der Saison 2011. Wichtig ist es, dass wir von Beginn an ein starkes und zuverlässiges Auto haben. Da müssen wir uns im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Was die Entscheidungen an der Rennstrecke betrifft, müssen wir perfekt sein. Das ist unser Ziel.

Warum haben Sie aus der Saison 2010 gelernt?
Domenicali: Wir haben die Meisterschaft nicht nur wegen Abu Dhabi verloren. Wir haben in der ersten Saisonhälfte einfach zu viele Punkte liegen lassen. Das darf nicht wieder passieren. Wir haben die Strukturen an der Rennstrecke und in der Fabrik verändert. Wir schieben die Schuld aber auf niemanden.

Wie sehen die neuen Strukturen im Team aus?
Domenicali: Pat Fry hat jetzt die Leitung an der Rennstrecke. Er wird auch verantwortlich für strategische Entscheidungen sein. Chef der Technik-Abteilung bleibt Aldo Costa. Er wird ein Team anführen, dass einen größeren Arbeitsbereich abdeckt.

Was halten Sie von dem neuen Motorreglement ab 2013?
Domenicali: Die neuen Regeln sind nicht gerade der Wunsch von Ferrari, was die Anzahl der Zylinder angeht. Ich bin der Meinung, dass es wichtiger ist, die bestehenden Motorenhersteller zu behalten bevor man nach neuen sucht. Auch die Lautstärke des Motors ist ein wichtiges Kriterium. Da müssen die Techniker arbeiten. Es ist richtig, dass die Formel 1 damit näher an die Serie heranrückt. Aber im Motorsport ist das nicht alles. Es gibt auch noch andere Werte, die berücksichtigt werden müssen.

Wie ist die Stimmung bei Ihnen und dem Team?
Domenicali: Ich fühle mich gut. Wir besitzen alle Voraussetzungen um zu erreichen, was wir verdienen. Das Team ist euphorisch. Wir müssen das Rennen in Abu Dhabi schnell vergessen und uns davon befreien. Angst ist menschlich.

Wie sah es direkt nach dem Rennen in Abu Dhabi aus?
Domenicali: Da ging es darum, cool zu bleiben und nicht in ein Loch zu fallen. Das hätte leicht passieren können. Dann ging es darum, zu verstehen, warum gewisse Entscheidungen gefällt wurden. Der zweite Schritt war es, die Motivation wieder zu finden. Es ist normal, dass man nach solch einem Erlebnis erst einmal down ist. Aber je schlechter man sich selbst macht, desto größer ist der Vorteil für die Konkurrenz. Wir haben viele positive Reaktionen von unseren Fans bekommen. Das ist fantastisch. So ist das Leben. Man kann auch mal verlieren. Das ist Teil des Spiels. Jetzt geht es darum, die Wende zum Positiven in der Zukunft hinzubekommen. Ich habe Vertrauen in die Leute, mit denen ich zusammenarbeite.

Wie ist der Stand beim beweglichen Heckflügel? Sind die Regeln klar?
Domenicali: Das müssen die Teams und die FIA noch Details ausarbeiten. Bisher haben wir das System nur im Windkanal getestet. Es muss aber noch definiert werden, wann man es benutzen darf bzw. wie groß der Abstand zwischen zwei Autos sein darf. Das wird in den nächsten Wochen passieren. Das wird darüber entscheiden, wie hilfreich das System ist. Ob es das Überholen wirklich erleichtert, wird man sehen. Da wird es sowohl bei den Teams als auch bei der FIA eine Lernkurve geben.

Wird die Qualifikation künftig nicht mehr so entscheidend?
Domenicali: Die Qualifikation sollte nicht mehr ganz so wichtig sein wie noch in der vergangenen Saison. Die Reifen scheinen auch etwas weicher zu sein und stärker abzubauen. Auch dadurch wird die Show besser. Sollte das nicht klappen, haben wir keinen guten Job gemacht. Von der Spannung her, war die Saison 2011 außergewöhnlich. Doch auch das Überholen ist ein fundamentaler Punkt im Rennsport.

Was erwarten Sie von den neuen Pirelli-Reifen?
Domenicali: Erst einmal müssen wir Pirelli danken. Ohne sie würden wir auf Felgen fahren. Ich bin zuversichtlich, dass sie ein gutes Produkt liefern. Der Vorderreifen ist fast definiert, hinten gibt es noch etwas Arbeit. Leider haben wir keinen Test mit den Regenreifen. Wenn es bei den anstehenden Tests nicht regnet, gibt es keine weiteren Möglichkeiten sie zu erproben. Das wird dann interessant bei der ersten Regensession an der Rennstrecke.

Gibt es schon Diskussionen über das neue Concorde Agreement für 2013?
Domenicali: Momentan ist es etwas ruhig. Ich erwarte, dass es zur Saisonmitte erste Updates gibt. Die FIA, die Teams und die Inhaber der Vermarktungsrechte müssen sich gemeinsam auf einen Weg für die Zukunft verständigen. Uns stehen sechs intensive Monate bevor.

Es gab Gerüchte, dass Red Bull gegen die Ausgaben-Beschränkung verstoßen hat. Könnten vergangenen Ergebnisse im Falle eine Überführung verändert werden?
Domenicali: Es handelt sich um ein Abkommen unter den Teams. Die FIA ist da nicht involviert. Deshalb hat ein Verstoß auch keine Auswirkungen auf die Resultate. Wenn ein Team zu viel Geld ausgegeben hat, sieht das Abkommen vor, dass es in den Folgejahren weniger ausgeben muss.

Steht Felipe Massa nach der nicht gerade positiven Saison unter besonderem Druck?
Domenicali: Felipe hatte eine schwierige Saison. Ich bin überzeugt, dass er eine Reaktion zeigt. Um den Konstrukteurstitel zu gewinnen, brauchen wir zwei starke Fahrer. Schon bei den Pirelli-Tests haben wir einen veränderten Felipe gesehen. Es wird eine wichtige Saison für ihn. Ich erwarte gute Ergebnisse.

Ist der Einfluss des Menschen im Vergleich zur Technik in der Formel 1 zu hoch?
Domenicali: Der technische Anteil ist schon sehr hoch. Im Motorradsport hat der Fahrer zum Beispiel einen größeren Einfluss. Wir müssen das ändern in dem wir zum Beispiel das Überholen erleichtern. In der Formel 1 werden zudem 90 Prozent der Investitionen in den Aerodynamik-Bereich gesteckt. In der Entwicklung von Serienautos ist es genau anders herum. Die Aerodynamik hat zu viel Einfluss.

Werden wir in diesem Jahr wieder flexible Frontflügel wie bei Red Bull sehen?
Domenicali: Da ist viel drüber diskutiert worden. Wir müssen da auf die Regelhüter vertrauen. Die FIA hat viele Checks durchgeführt und immer sind alle bestanden worden. Wenn ein Team die Grenzen besser auslotet, dann kann ich nur gratulieren. Dann haben sie einen besseren Job gemacht. Wenn es dann immer noch Zweifel gibt, dann müssen die Regeln in den technischen Arbeitsgruppen diskutiert werden.

Nach dem Wechsel von Neil Martin von Red Bull zu Ferrari hat Helmut Marko den Vorwurf geäußert, dass man Red Bull den Spirit klauen will.
Domenicali: Wechsel von Ingenieuren hat es in der Formel 1 schon immer gegeben. Viele wollen bei uns arbeiten, weil sie den Ferrari-Spirit erleben wollen. Wir wollen anderen nichts wegnehmen. Wir wollen aber ihre Performance kopieren.

Die Saison 2011 besteht aus 20 Rennen. Ist das zu viel?
Domenicali: 20 ist die richtige Anzahl. Mehr wäre schwierig. Von Mitte März bis Ende November ist es allerdings eine sehr lange Saison. Die USA ist wichtig für uns. Auch die historischen Rennen bedeuten sehr viel. Ich denke, wir können es uns in der Zukunft nicht leisten, zwei Rennen im gleichen Land zu haben. Außerdem müssen die Rennen in den Ländern gut promotet werden. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall.

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