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Stimmen-Mehrheit für Mercedes-Gegner

Erpressung im Motorenstreit

Ferrari - Formel 1 - GP Russland - Sochi - 9. Oktober 2014 Foto: ams 28 Bilder

Die Bandagen im Motorenstreit werden immer härter. Renault, Ferrari und auch Honda drohen Mercedes mit einer gemeinsamen Aktion, wenn sich Mercedes bei der Öffnung der Motorentwicklung nicht kompromissbereit zeigt. Mit ihrer Stimmen-Mehrheit können sie 2016 den Entwicklungsstopp ganz aufheben.

07.11.2014 Michael Schmidt

Seit Wochen streiten Mercedes, Renault und Ferrari um eine Lösung bei der Öffnung der Motorenenentwicklung. Neuzugang Honda ist aufmerksamer Zuhörer, vertritt aber im Ernstfall eher die Linie von Ferrari und Renault. Die Gegner von Mercedes haben inzwischen festgestellt, dass sie den Rückstand auf Mercedes im Winter nie aufholen können, wenn sie sich an die Vorgaben des Reglements halten. Das erlaubt, 48 Prozent der Antriebseinheit zu ändern. Die einzelnen Eingriffe werden mit Token bewertet. Bis zum 28.Februar dürfen 32 Token gezogen werden.

Renault und Ferrari wollen Bestimmungen lockern

Ein Entwicklungs-Partner von Renault und Ferrari deckt auf: "Die beiden haben so große Fehler bei ihrem Antriebskonzept gemacht, dass 48 Prozent nicht ausreichen, um auf den Stand von Mercedes zu kommen." Deshalb fordern Renault und Ferrari, die Bestimmungen zu lockern. Sie wollen zusätzlich zu den 32 Token noch 13 extra. Das würde den Umfang der Umbauten auf 67 Prozent erhöhen. Das Entwicklungsfenster soll dafür bis Juli erweitert werden.

Honda ist für diesen Vorschlag, weil sie dann zwischen Februar und Juli Kinderkranheiten ausbessern und um 19 Prozent nachrüsten können. Mercedes lehnte zunächst eine Ausweitung des Entwicklungsumfangs ab. Inzwischen hat Brixworth seine harte Aufhaltung aufgegeben und einen Kompromissvorschlag eingereicht. Er soll noch in Brasilien diskutiert werden.

Mercedes soll für 2016 überstimmt werden

Eine zusätzliche Entwicklungsstufe ja, aber nicht im Umfang von 13 Token. "Das ist zu teuer", sagen Teamchef Toto Wolff und Niki Lauda. Nach Berechnung von Mercedes je nach Eingriff zwischen 10 und 20 Millionen Euro extra. Weil die Ausbaustufe auf den Prüfständen getestet werden muss. Renault und Ferrari bestreiten das. "Die Prüfstände laufen doch sowieso. Ob mit alten oder neuen Teilen macht nichts aus", sagt Red Bull-Berater Helmut Marko.

Lauda fragt zurück: "Und wer bezahlt die neuen Teile? Wenn wir 10 Millionen mehr ausgeben, muss ich das Geld bei meinen Kunden reinholen. Das wollen wir nicht. Ferrari tut sich mit einem Kunden leicht. Auch Renault arbeitet nur für sich. Wir beliefern vier Teams, haben dementsprechend höhere Kosten."

Bei Mercedes fürchtet man, dass sich die Gegner nicht herunterhandeln lassen, und dass sich der Streit verschärft. Mercedes wird den vollen Umfang nicht absegnen. Dann bliebe für 2015 alles beim alten, weil bei kurzfristigen Reglementsänderungen Einstimmigkeit verlangt wird. Ferrari, Renault und Honda wollen in diesem Fall Mercedes erpressen. Änderungen für 2016 brauchen nur einen mehrheitlichen Beschluss. Und sie haben die Mehrheit der Teams. Die Gegner drohen Mercedes damit, für eine völlig offene Motorenentwicklung zu stimmen. Eine Stimme aus dem Fahrerlager: "Dann herrscht Krieg."

Rückkehr zum V8 durch die Hintertür?

Der Motorenzwist kommt zu einer Zeit, in der die Hälfte aller Teams ums Überleben kämpft. Höhere Motorenkosten würden die Privatteams erdrücken. Die Topteams sind auch nicht bereit, sich bei der Verteilung des großen Geldkuchens von ihren Privilegien zu trennen. "Wir haben Verträge. Warum sollen die kleinen Teams auf unsere Kosten mehr bekommen?", fragt Marko und nimmt Bernie Ecclestone in die Pflicht: "Sollen sie mehr Geld ausschütten." Ecclestone wird darauf antworten: "Auch wir haben Verträge." Also passiert gar nichts.

Das würde den Ausverkauf der Formel 1 weiter beschleunigen. Weil sich bald nur noch die Teams die Motoren leisten können, die sie auch bauen. Mercedes hofft, dass Bernie Ecclestone den gordischen Knoten löst. Doch will er das überhaupt? Vielleicht ist das Worstcase-Szenario ja auch gewünscht, um die V6-Turbos zu beerdigen. Red Bull wollte die neuen Motoren nie. Und Ferrari merkt langsam, dass man auch mit den neuen Antriebseinheiten nicht gewinnt. Da ist die Rückkehr zum alten V8 vielleicht das geringere Übel.

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