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Stirling Moss über Graf Berghe von Trips

"Der Tod war ein ständiger Begleiter"

Graf Berghe von Trips Porträt 1957 Foto: xpb 27 Bilder

Stirling Moss war in der Saison 1961 einer der direkten Gegner von Graf Berghe von Trips. Der Engländer trat mit einem untermotorisierten Lotus-Climax gegen die Ferrari an. Trotzdem konnte er zwei Mal gewinnen. Ein halbes Jahrhundert spätere erinnert er sich an den Weggefährten aus einer längst vergangenen Motorsport-Epoche.

10.09.2011 Michael Schmidt

"Meine beiden besten Erinnerungen an diese Saison waren meine Siege in Monte Carlo und am Nürburgring. Speziell Monaco. Wir fuhren damals 100 Runden. Der Abstand zu meinen Verfolgern betrug nie mehr als drei Sekunden. Der Durchschnitt meiner Rundenzeiten war schneller als meine Trainingsbestzeit. Es war ein unglaublich hartes Rennen. Am Nürburgring machte sich der Power-Vorteil der Ferrari, der ungefähr 40 PS betrug, stärker bemerkbar, allerdings nur auf den beiden Geraden bei Start und Ziel und der Döttinger Höhe. Sobald es ins Gelände ging, war mein Lotus besser. Der Leistungsnachteil von 40 PS war enorm, weil die absolute Leistung der Motoren aus Sicherheitsgründen stark beschränkt war. Bedenken sie, dass die Ferrari-Motoren damals etwa 190 PS abgaben. Ich hatte 151 PS."

"Das schönste Fahrgefühl hatte ich in einem Maserati 250F. Doch die Mittelmotor-Autos machten ihre Vorgänger aus den 50er Jahren überflüssig, obwohl sie viel weniger PS hatten. Die Autos wurden immer leichter und damit auch zerbrechlicher. Bedenken Sie, dass unsere Grand Prix noch über drei Stunden gingen. Kohlefaser war ein Fremdwort. Es gab auch keinerlei metallurgische Forschung oder große Berechnungen der Bauteile. Viele der Komponenten waren gar nicht für den Motorsport gemacht. Die Radnaben meines Lotus zum Beispiel kamen aus dem Ford Anglia."

Graf Berghe von Trips ein wahrer Gentleman

"Taffy Trips war ein Gentleman in des Wortes wahrster Bedeutung. Er kam aus einer guten Familie, war aber kein Snob. Er war ein sehr sauberer Fahrer, der sich nie zu unfairen Aktionen hinreißen ließ. Nie wäre es ihm eingefallen wie Jack Brabham über die Randsteine hinaus auf den Dreck zu fahren, so dass der Hintermann die Steine abbekam."

"Ich trat mit einem Privatteam an, was heute gar nicht mehr möglich wäre. Rob Walker war mein Freund und der Chef des Teams. Außer dem technischen Leiter Alf Francis hatten wir einen Mechaniker. Meistens haben wir uns noch einen zweiten von einer lokalen Autowerkstätte ausgeliehen. Es gab ja nur bescheidenes Startgeld. Wir konnten kaum davon leben. In unserem kleinen Team herrschte aber dafür eine familiäre Atmosphäre. Das gab mir Lebensqualität. Ich möchte nicht mit Lewis Hamilton tauschen, der nach einem Sieg alle Vodafone-Filialen abklappern muss, um dort halbstündige Vorträge zu halten. Ich hatte nach meinen Siegen noch Zeit, mich um die Frauen zu kümmern. Ferrari war eine ganz andere Dimension. Taffy und Phil Hill waren Angestellte mit einem festen Gehalt. Meine Abmachung mit Rob Walker sah so aus: Ich kriege 60 Prozent vom Startgeld. Ich habe mit Rob nie einen Vertrag oder eine Absichtserklärung unterschrieben. Er war ein Gentleman, dem ich hundertprozentig vertrauen konnte."

Fahrer suchten nach Ausreden gegen die Angst

"Der Tod war damals ein ständiger Begleiter. Wenn einer der Kameraden gestorben war, hat man sich Entschuldigungen zurechtgelegt, um darüber hinwegzukommen. Du hast dir gesagt, dass er bei dem Sport, den er liebte, ums Leben gekommen ist, dass du an seiner Stelle eher gebremst und früher eingelenkt hättest, so dass dir der Unfall nicht passiert wäre. Das war natürlich Unsinn, hat dir aber über die vielen Tragödien hinweggeholfen."

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