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Stoffel Vandoorne im Interview

"Habe alles für die Formel 1 getan"

Stoffel Vandoorne - McLaren - F1 Foto: xpb 51 Bilder
Interview

Stoffel Vandoorne gilt als das größte Nachwuchstalent im Formelsport. 2016 vertrat der dritte McLaren-Pilot beim GP Bahrain den verletzten Fernando Alonso und punktete. Im Interview spricht der 24-jährige Belgier über sein Verlangen, 2017 zum Stammfahrer befördert zu werden, und seine aktuellen Aufgaben im McLaren-Team.

17.07.2016 Andreas Haupt
Auf der McLaren-Homepage steht, dass sich die Frage gar nicht stellt, ob sie in die Formel 1 kommen, sondern nur wann. Wann wird es soweit sein?

Vandoorne: Es wird aktuell viel über den Fahrermarkt diskutiert. Ich will 2017 als Stammfahrer in die Formel 1. Es ist der richtige Zeitpunkt. Ich habe alles Mögliche dafür getan. In den Nachwuchsserien. Bei meinem ersten Grand Prix, als ich für McLaren den ersten Punkt der Saison geholt habe. Hoffentlich gelingt mir der Schritt mit McLaren. Mein Hauptziel ist es aber, im nächsten Jahr Stammfahrer zu sein. Wenn das aus irgendeinem Grund nicht mit McLaren klappt, gibt es andere Optionen.

Sie verhandeln also auch mit anderen Teams?

Vandoorne: Das ist doch normal. Wie ich schon sagte: McLaren ist aber immer noch der beste Platz für mich.

Wären Sie den überhaut frei? Ron Dennis warnte im Mai die anderen Teams: „Haltet euch von Stoffel fern“.

Vandoorne: Mein Vertrag läuft Ende 2016 aus. Ich wäre also potentiell frei. Alles hängt davon ab, ob ich bei McLaren befördert werde oder nicht.

Haben Sie einen Plan B, falls es nichts wird 2017 mit der Formel 1?

Vandoorne: Darüber denke ich im Moment nicht nach. Solange ich fühle, Chancen auf einen Stammsitz zu haben, konzentriere ich mich darauf. Es ist noch ein bisschen früh im Jahr. Aber klar: Man muss immer vorausschauen. Es fühlt sich für mich aber nicht so an, als dass ich viele andere Optionen vorbereiten müsste. Hoffentlich gibt es früher als später eine Entscheidung. Das wäre für mich und das Team das Beste.

Sie waren schon diese Saison knapp dran. Das Team hat sich aber für Jenson Button entschieden. War das für Sie vielleicht gar nicht schlecht. Ich meine, Sergio Perez kam 2013 in ein nicht funktionierendes Gebilde und war ein Jahr später weg.

Vandoorne: Sie fragen einen Rennfahrer, ob er fahren will oder nicht. Klar, die Formel 1 ist ein Konkurrenz-orientiertes Geschäft. Aber wenn ich hätte entscheiden können, würde ich diese Saison für McLaren fahren. Ich bin zu 100 Prozent bereit. Ich habe in Bahrain gezeigt, dass ich in dieser Welt abliefern kann. Ich habe großes Vertrauen in meine Fähigkeiten. Es hat diese Saison nicht sein sollen. Es ist dennoch ein sehr lehrreiches Jahr. Ich lerne viel von Fernando und Jenson.

Stoffel Vandoorne - McLaren MP4/6 - FoS - Goodwood 2016Foto: sutton-images.com
Stoffel Vandoorne im McLaren MP4/6 beim Goodwood Festival of Speed 2016.
Was lernen Sie von ihnen?

Vandoorne: Jenson und Fernando sind komplett verschiedene Personen. Es geht vor allem darum, wie sie mit dem Team umgehen, mit den Ingenieuren sprechen und interagieren.

Fernando, der noch bis Ende 2017 Vertrag hat oder Jenson? Wär wäre Ihnen denn lieber als Teamkollege? Wenn Sie bestimmen dürften.

Vandoorne: Die Entscheidung liegt beim Team. Solange ich einen Sitz bekomme, bin ich glücklich. Ich habe mit beiden eine gute Beziehung. Beide sind Champions. Beide wären eine echte Benchmark für mich.

Wie sieht eigentlich eine normale Woche im Leben des Stoffel Vandoorne aus?

Vandoorne: Ich habe kaum reisefreie Wochen. Wenn schon, dann versuche ich, mich mit Freunden und der Familie in Belgien zu treffen. Natürlich muss ich mich fit halten. Meistens trainiere ich zweimal am Tag. Ich versuche meine Freunde ins Training zu integrieren. Das bringt Spaß. Formel 1 und das Rennfahren ist ein mentaler Sport.

Haben Sie einen Mentaltrainer?

Vandoorne: Nein. So etwas brauche ich nicht.

Wie oft sind Sie als dritter Pilot in der McLaren-Fabrik?

Vandoorne: Normalerweise bin ich vor und nach jedem Rennen in Woking. Ich widme mich vorher der Rennvorbereitung. Es geht hauptsächlich um das Setup. Wir suchen nach einer guten Basis, mit der Jenson und Fernando ins Training starten können. Im Training auf der Rennstrecke kommt das ein oder andere Problem heraus. Im Simulator widmen wir uns diesen Problemen dann wiederrum und versuchen, sie auszumerzen. Die Ingenieure wollen viele Setupänderungen ausprobieren. Manche erfordern an der Rennstrecke viel Zeit. Das kannst du in einer Session nicht machen. Sondern musst über Nacht das Auto umbauen. Im Simulator dauert es zwei Minuten, das Setup anzupassen. Die Ingenieure schicken uns nach dem Training eine lange Liste. Durch dieses Programm arbeiten wir uns im Simulator. Nach dem Grand Prix gibt schauen wir uns dann die Korrelation zwischen dem was wir im Simulator getestet haben und dem was auf der Rennstrecke herausgekommen ist an.

Sie fahren 2016 in der japanischen Super Formula: Erzählen Sie uns davon.

Vandoorne: Japan ist total anders als all das, was ich bisher gewohnt war: die Kultur, die Arbeitsweise, das Essen, die Zeitverschiebung. Die Art, wie mein Team ein Wochenende vorbereitet und es bestreitet ist verschieden. Es gibt Bereiche, wo ich sie vorantreiben muss. Aber auch einige, in denen ich von ihnen lerne. Die Kommunikation kann sehr schwierig sein. Das ist eine gute Erfahrung für mich. Zwischen McLaren und Honda gab es ähnliche Probleme am Anfang. Die Art, wie ich mit den Japanern umgehen muss, kann sich nur positiv auf meine Zukunft auswirken.

Und die Autos?

Vandoorne: Sie sind sehr schnell. Vor allem in den Kurven. Der Abtrieb ist hoch, die Rundenzeiten gut. Das ist eine sehr gute Vorbereitung für mich aufs nächste Jahr. Durch das Rennfahren in Japan halte ich meinen Denkapparat auf Touren – wie ich das Auto verbessere; wie ich das Setup weiterentwickeln muss; wie man gewisse Sachen verändern muss, um die Performance zu steigern.

Haben Sie eigentlich ein Idol?

Vandoorne: Senna war einer meiner Helden. Aber das war er für viele. Im TV habe ich gerne Mika Häkkinen und David Coulthard zugesehen. Aber es ging mir immer mehr um die Autos als die Fahrer. Ich habe diese Autos genossen. McLaren war immer mein Lieblingsteam. Und das sage ich nicht nur, weil ich für sie angestellt bin.

Sie schauten mehr auf die Autos: Wie sehr interessiert Sie die Technik unter der Verkleidung?

Vandoorne: Ich will alles wissen: über das Setup, einfach über das gesamte Auto. So war es schon in der GP2. Ich wusste immer, was abging. Ich denke, das hilft mir jetzt. Ich habe ein gutes Verständnis und kann eine präzise Meinung und präzises Feedback abgeben. Der Sport wird immer technisch bleiben. Die Technik entwickelt sich rasant weiter. Du musst dich interessieren. Du musst wissen, was du am Lenkrad machen kannst. Schauen Sie sich das Funkverbot an: Du kannst nicht wie du willst mit dem Team kommunizieren, und musst selbst wissen, was zu tun ist.

Zum Abschluss: Sie sind auf dem Goodwood Festival of Speed alte McLaren-Rennwagen gefahren. Wie war das?

Vandoorne: Es war mein viertes Mal dort. Es ist immer toll, in einem entspannten Umfeld zu fahren. Es geht vor allem um die Fans. Ich saß im MP4/2 und MP4/6. Da kannst du dir vorstellen, wie es früher gewesen sein muss. Wenn du aufs Gas steigst, ist es schön, den Lärm zu hören.

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