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War Strafe für Rosberg gerecht?

Wenig Chancen für Mercedes

Nico Rosberg - GP England 2016 Foto: sutton-images.com 63 Bilder

Die 10-Sekunden-Strafe für Nico Rosberg warf die Frage wieder auf, ob das Funkverbot sinnvoll ist. Unter den bestehenden Regeln konnten die Sportkommissare nicht anders entscheiden. Entsprechend klein sind die Chancen bei einer möglichen Berufung.

11.07.2016 Michael Schmidt 8 Kommentare

Machen wir uns nichts vor. Wenn das Resultat eines Rennens erst 3.40 Stunden nach dem Rennen feststeht, dann ist das nicht akzeptabel. Funkverbot hin oder her. Prinzipiell ist es richtig, dass die Fahrer ohne Hilfe von außen ihre Autos ins Ziel bringen müssen. Kein Zuschauer versteht, wenn die besten Piloten der Welt ferngesteuert werden.

Doch die Technik ist in manchen Fällen so komplex, dass sie den Mann im Cockpit vor unlösbare Aufgaben stellt, wenn etwas schiefläuft. Eigentlich sollte dies die Formel 1 vor eine Grundsatzfrage stellen. Brauchen wir einfachere Technik oder eine klarere Funkverbots-Regel?

Die Antwort steht eigentlich jetzt schon fest. Die Ingenieure werden an ihren Raumschiffen festhalten. Was in Konsequenz komplizierte Regeln bedeutet. Oft merken die Regelhüter die Fallen erst hinterher und müssen immer wieder nachbessern. Zum Schaden des Sports.

Rosberg hatte die Qual der Wahl

Silverstone war ein Grenzfall. Weil es sich bei Rosberg um ein Problem gehandelt hat, das nichts mit der komplizierten Hybrid-Technik zu tun hat. Ein feststeckender siebter Gang ist ein ganz banaler Defekt. Schnellschaltgetriebe gibt es seit 2005 in der Formel 1.

Eigentlich hätte man von dem Fahrer verlangen müssen, dass er weiß, was in so einem Fall zu tun ist. Dabei ist es völlig egal, in welchem Gang das Getriebe verharrt. Die Prozedur, aus der Nummer rauszukommen, ist immer die gleiche.

Die FIA erlaubte Mercedes immerhin, dem Fahrer mitzuteilen, dass ein Problem vorliegt. Es wurde sogar gestattet, Rosberg zu sagen, was er tun muss, um den Gang freizubekommen. Doch danach war jede weitere Information zu viel.

Rosberg musste ab dem Moment, in dem das Getriebe gerettet war, selbst entscheiden, ob er den Rest des Rennens mit den unteren sechs Gängen zu Ende fährt oder das Risiko eingeht, den siebten Gang zu überspringen. Dabei muss der Fahrer zwei Mal kurz hintereinander an der Schaltwippe ziehen, um so kurz wie möglich im 7. Gang zu bleiben.

„Vermeiden“, ist gut, „durchschalten“ problematisch

Das Team darf ihm nur dabei helfen, wie er das Auto sicher ins Ziel bringt. Nicht aber, wie er am schnellsten mit dem Problem die letzten 8 Runden fährt. Überspringen war bezogen auf die Rundenzeit schneller als auf die oberen zwei Gänge zu verzichten.

Führen wir uns noch einmal den Funkverkehr vor Augen. Rosberg an seine Box: „I have a gearbox problem.“ Box an Rosberg: „Chassis default 01, avoid 7th gear Nico, avoid 7th gear.“ Bis jetzt war alles regelkonform.

Rosberg fragt zurück: „What does that mean? Do I have to shift through it?“ Auch das ist noch erlaubt. Der Fahrer darf sagen, was er will. Der kritische Teil ist die Antwort des Kommandostandes: „You need to shift through, affirm, you need to shift through.“

Der Hinweis, dass er vermeiden soll, in die siebte Fahrstufe zu schalten war nach Ansicht der Sportkommissare ein Defekt-Vermeidungs-Befehl. Rosberg hatte mit dem Wort „vermeiden“ immer noch die Qual der Wahl, ob er den Gang überspringt oder beim sechsten Gang Schluss macht. Die spezifische Nachricht „durchzuschalten“ könnte bei einer Berufungsverhandlung zum Killer-Argument werden.

Neuester Kommentar

Früher sind ständig Autos ausgefallen. Wo ist das Problem? Eigentlich würde es ausreichen, wenn der Funk auf die Strategie und sicherheitsrelevante Probleme beschränkt wäre.

Die Rennen sind besser als letzte Saison, aber am Ende gewinnen doch immer dieselben... Wenigstens ist dieses Jahr die Verteilung der Punkte auf die Mercedes-Fahrer besser, sodass es wenigstens einen Hauch von Spannung gibt.

ploppy 12. Juli 2016, 00:54 Uhr
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