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Strategie-Chaos bei Williams

Erst Stallregie, dann freie Fahrt

Nico Rosberg - Mercedes - Felipe Massa - Williams - GP England - Silverstone - Rennen - Sonntag - 5.7.2015 Foto: xpb 22 Bilder

Der Regen und eine verpatzte Strategie brachten Williams beim GP England 2015 um ein besseres Ergebnis als die Positionen vier und fünf. Nach dem Rennen fragte man sich im Fahrerlager, warum das Team so konservativ handelte. Williams versuchte aufzuklären.

07.07.2015 Andreas Haupt

Die Funksprüche erinnerten an den GP Malaysia 2014. Damals sollte Felipe Massa den mit frischeren Reifen heranstürmenden Valtteri Bottas vorbeilassen. Damit der Finne noch Jenson Button auf Platz sechs abfangen hätte können. Doch Massa stellte sich taub und ignorierte die Stallorder.

Bottas hält sich an Teamanweisung

15 Monate später griff Williams wieder zur Stallregie. Diesmal aber mit umgekehrten Vorzeichen. Bottas bekam beim GP England vom Team die Anweisung, Massa nach der Startphase nicht anzugreifen. "Du fährst nicht gegen deinen Teamkollegen. Lass uns zusammen vorne wegziehen." Die Idee dahinter: Die Teamspitze wollte nicht, dass ihre Piloten sich in einem Zweikampf aufreiben und Mercedes davon profitieren würde. Experten krazten sich am Kopf: Wie soll man Mercedes überhaupt davon fahren?

Bottas hörte auf sein Team. Obwohl er nach eigener Aussagen an Massa hätte vorbeiziehen können, wie er nach dem Rennen mitteilte: "Ich respektiere die Entscheidung, auch wenn es enttäuschend war. Ich hätte ihn überholen können. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich bei freier Fahrt eine halbe Sekunde schneller fahren können."

Über Funk stimmte der 25-Jährige seine Mannschaft um. "Ich habe gefragt: Können wir Rennen fahren?" Die TV-Weltregie spielte noch folgende Aussage aus: "Ich kann ihn auf der Gegengeraden überholen." Die Antwort: "Es muss ein klares Manöver sein und dann musst du wegfahren können." Bottas bestätigte: "Verstanden."

Zu später erster Boxenstopp

Hinter Massa beanspruchte er allerdings die Reifen zu stark. Als er die Überholerlaubnis bekam, war in den Mediums nicht mehr genug Saft, um sich in Maggots, Beckets und Chapel in eine perfekte Ausgangsposition für die Hangar-Gerade zu manövrieren. Selbst DRS-Unterstützung brachte nichts. Massa spielte seine Routine von 218 GP-Starts aus. "Ich habe die Innenseite abgedeckt und ihn außen verhungern lassen", erklärte der Brasilianer.

Mercedes stellte für Williams bis zu den Reifenwechseln keine Gefahr dar. "Wir waren überrascht über ihre Pace. Vor allem, dass wir gar keine Chance hatten, sie zu überholen", berichtete Toto Wolff.

Beim ersten Boxenstopp verlor Massa die Führung. Nicht an Bottas. Sondern an Hamilton. Weil der Brite mit einem früheren sowie schnelleren Boxenstopp in der 19. Runde, und einer Outlap auf frischen harten Gummis die entscheidenden Sekunden gewann.

Das Boxenduell beim Reifenservice gewann die Mercedes-Crew mit 2,4 zu 3,8 Sekunden. "Meine Inlap war einfach nicht gut genug", übte Massa etwas Selbstkritik. Dann nahm er sein Team in die Pflicht. "Ich war in Führung und konnte Lewis Strategie nicht kopieren. Wir hätten sie antizipieren müssen und vorher reinkommen."

Warum splittete Williams die Strategie nicht?

Im Fahrerlager wunderte man sich, wieso die Williams-Strategen die Taktik nicht splitteten, und nicht wenigstens einen der Fahrer vor den Mercedes reinholte. Den gleichen Fehler beging man schon im letzten Jahr in Österreich. "Wir waren besorgt darüber, wie viele Runden wir den harten Reifen zumuten können", verteidigte Bottas seine Strategen.

"Wir wussten, dass wir mit den harten Reifen länger fahren können. Ende der 18. Runde haben wir gesagt: Wir probieren es", gibt Wolff Einblicke in die Mercedes-Strategie. "Ich denke, Williams war von der Gesamtsituation überrascht. Eigentlich hätten sie Bottas an Massa vorbeilotsen müssen." Auf einen vorgetäuschten Stopp ein paar Runden zuvor fiel Williams nicht rein.

Nach der Serie der ersten Stopps lagen Massa und Bottas auf den Positionen zwei und drei. Dort wären sie wohö auch ins Ziel gekommen. Massa: "Ich hatte eine sehr gute Pace. Auf den Mediums hatte ich zu viel Frontflügel, das haben wir korrigiert. Danach war das Auto fantastisch. Ich habe nur ein bis zwei Zehntel im Schnitt auf Lewis verloren und Valtteri und Nico abgehängt."

Bis der erste Regen in Runde 35 kam, lag Massa über fünf Sekunden hinter Hamilton. Dann ging es für Williams zurück. Nico Rosberg schnappte sich innerhalb von zwei Umläufen (39, 41) die beiden Piloten. "Wir müssen richtig kämpfen, sobald die Geschwindigkeiten langsamer werden", erklärte Bottas.

Williams im Regen viel zu langsam

Den nächsten Strategie-Fehler beging Williams in der zweiten Regenphase. "Das war unser größter Schnitzer. Ich habe über Funk zwei Runden zuvor gesagt, dass es zu schwierig wird", sagte Massa. Während Hamilton in die Box kam, blieben Massa und Bottas draußen. "Das war Pech", befand der Finne. "Gerade als wir an der Einfahrt vorbei waren, wurde der Regen schlimmer." Massa rechnete vor, dass er durch die zusätzliche Runde mit Trockenreifen im Nassen etwa zehn Sekunden verlor.

Zum Unglück von Williams reagierte Ferrari richtig und holte Vettel wie Hamilton im 43. Umlauf rein. Am Kommandostand der Scuderia hatte man auch ein paar Sekunden mehr Zeit, die Entscheidung zu treffen. Vettel spülte es an Williams vorbei aufs Podest.

Erschreckend war das, was in den letzten Runden folgte. Die nassen Bedingungen ließen die Williams zu Schnecken werden. "Das Auto ist im Regen so langsam. Auf Ferrari fehlen uns da zwei Sekunden", beklagte Massa. "Selbst wenn ich vor Vettel aus der Box gekommen wäre, hätte er mich überholt."

Das Problem im Regen schleppt Williams schon zwei Jahre mit sich herum. Die Ingenieure können es nicht lösen. "Wir wissen einfach nicht, was los ist. Wir verlieren einfach überproportional viel Grip."

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