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Strategie geht nicht auf

Hamilton traf Reifenwahl selbst

Nico Rosberg - GP Abu Dhabi 2015 Foto: xpb 59 Bilder

Lewis Hamilton ist ratlos. Das Team erlaubte dem Weltmeister zum ersten Mal eine andere Strategie als Rosberg. Und auch die führte nicht zum Ziel. Nico Rosberg feierte den dritten Sieg in Folge. Nach sechs Pole Positions in Serie.

29.11.2015 Michael Schmidt

Für einen Moment sah es so aus, als müsste Nico Rosberg um seinen sechsten Saisonsieg zittern. Den dritten in Folge. Es war am Ende des zweiten Stints, als Lewis Hamilton innerhalb von 15 Runden eine 7,1 Sekunden Lücke schloss. Rosberg kämpfte mit seinem zweiten Reifensatz mit Körnen rechts vorne. Das drückte auf die Rundenzeiten. Und Hamilton sah die Chance, endlich seinen 44. GP-Sieg perfekt zu machen.

Doch die Startnummer 44 muss weiter warten. Hamilton fragte wieder einmal um eine andere Strategie als sein Stallrivale an. Und diesmal bekam er sie. Zum ersten Mal. Das Team ließ ihm seinen Willen, um sich nicht nach dem Rennen wieder den Vorwurf anhören zu müssen, die Strategen verweigerten ihm die Chance, Rosberg zu schlagen.

Reifen-Delta zu gering zum Überholen

Während Rosberg in der 31. Runde seinen letzten Reifensatz mit auf die Reise bekam, die noch 24 Runden dauern sollte, entschieden sich Hamilton und Renningenieur Pete Bonnington fürs Draußenbleiben. Hamiltons Vorsprung betrug zu dem Zeitpunkt 20,1 Sekunden. Logischerweise holte Rosberg mit den frischeren Reifen auf. Bonnington betete seinem Fahrer die Abstände zum Gegner herunter und erklärte, wo er auf die Strecke kommen würde, wenn er an die Boxen ginge.

In Runde 33 hieß die Ansage: "Wenn du jetzt reinkommst, gehst du 6,1 Sekunden hinter Nico wieder raus." Hamilton blieb auf der Strecke. In der 36. Runde hatte Rosberg im indirekten Duell bereits 4 Sekunden gutgemacht. Doch den Strategen war das Delta zwischen den Reifen noch zu gering, damit es sich für Hamilton gelohnt hätte.

Strategiechef James Vowles erklärt warum: "Pro Runde baute der Soft-Reifen um 0,08 Sekunden ab. Bei einem Fünf-Runden-Delta hätte Lewis nach dem Boxenstopp also knapp eine halbe Sekunde pro Runde schneller fahren können als Nico. Bei der Restdistanz hätte er aber höchstens aufschließen, nie aber überholen können. Dazu ist die Differenz von einer halben Sekunde pro Runde zu gering."

Deshalb wurde Hamilton bis Runde 41 auf dem zweiten Satz im Rennen gehalten. Mit dann nur noch 9,8 Sekunden Luft auf den Teamkollegen. Doch zu dem Zeitpunkt hätte ihm ein frischer Reifensatz schon eine Sekunde Vorteil gegenüber Rosberg gebracht. Hätte er es dann geschafft aufzuschließen, wäre das ein Speedunterschied gewesen, mit dem ein Angriff auf der Strecke Erfolg hätte haben können.

Hamilton traf die letzte Reifenwahl

Rund um den zweiten Boxenstopp wurde der Weltmeister hektisch. Zwischen Cockpit und Boxenmauer gab es eine lebhafte Diskussion darüber, was zu tun sein. Hamilton fragte, ob er durchfahren dürfe. Antwort Bonnington: "Unmöglich." Hamilton insistierte: "Meine Reifen sind aber noch gut." Hinweis vom Kommandostand: "Nico fährt aber 2 Sekunden pro Runde schneller als du." Vowles verriet: "Wenn Lewis probiert hätte durchzufahren, hätte ihn Nico sieben Runden später überholt."

In der 41. Runde stand Hamilton an der Box. Zu aller Überraschung zog Mercedes die harte Reifenmischung auf. Eine Überraschung, weil Sebastian Vettel zwei Runden zuvor Supersoft-Reifen aufgezogen hatte. Skeptiker kritisierten, dass Mercedes Hamilton damit die Siegchance verbaut hätte. Tatsächlich war es eine Entscheidung von Fahrer und Renningenieur, wie Teamchef Toto Wolff zugab: "Wir haben Lewis und seinem Ingenieur erlaubt, einen eigenen Weg zu gehen."

Doch am Kommandostand herrschte Unsicherheit. Die Strategen fragten bei Hamilton zwei Mal und beim Renningenieur doppelt so oft nach, welche Reifen sie bevorzugen. Am Ende der Diskussionen kam die Mischung soft heraus. "Wir waren uns nicht ganz sicher, ob die Supersoft-Reifen 15 Runden lang überleben", räumte Wolff ein. Vowles fügt hinzu: "Im Vergleich mit Vettel auf Supersoft war Lewis auf Soft genauso schnell."

Der Champion verlor das Rennen wieder einmal, weil er zu langsam war. Auch eine andere Strategie brachte ihn nicht an Rosberg vorbei. Der Abu Dhabi-Sieger demonstrierte seine Stärke im dritten Stint. Im Gegensatz zum zweiten haben die Reifen nicht gekörnt. Das Geheimnis? "Nico hat seinen Fahrstil umgestellt", verraten die Ingenieure.

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