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Strategie später Boxenstopp

Eine gute Taktik für Risikospieler

Michael schumacher Mercedes GP Valencia 2012 Europa Boxengasse Foto: Wolfgang Wilhelm 47 Bilder

Bei Sebastian Vettel in Montreal hat es funktioniert. Bei Michael Schumacher in Valencia auch. Beide haben spät Reifen gewechselt und das Feld von hinten aufgerollt. Eine Taktik, die Schule machen könnte. Aber nicht immer, wie Mercedes-Teamchef Ross Brawn meint.

18.07.2012 Michael Schmidt

Diesmal könnte es wieder so weit sein. Hockenheim ist für Pokerspieler ein geeigneter Ort. Warum? Weil das badische Motodrom für Pirelli Neuland ist. Beim letzten Auftritt in Hockenheim vor zwei Jahren rollte die Formel 1 noch auf Bridgestone-Walzen. Pirelli hat die Reifentypen "soft" und "medium" im Gepäck. Bis jetzt weiß keiner: Sind die Mischungen zu weich oder zu hart oder gerade richtig? Das könnte am Sonntag für Überraschungen sorgen. So wie in Montreal und Valencia.


Vettel und Schumacher haben es vorgemacht

Erinnern Sie sich noch? Beim GP Kanada musste Sebastian Vettel sieben Runden vor der Zielflagge zum Reifenwechsel an die Box. Sein zweiter Reifensatz war total verschlissen. Der aus der Not heraus geborene Strategiewechsel war ein Volltreffer. Vettel rutschte zwar von Platz drei auf Rang acht ab, und der Rückstand auf den Führenden Lewis Hamilton vergrößerte sich von 0,5 auf 17,1 Sekunden, doch dann legte der Red Bull-Pilot los. Mit dem Vorteil der frischen Reifen machte Vettel innerhalb von sieben Runden vier Positionen gut und hatte im Ziel einen Rückstand von 7,2 Sekunden auf den Sieger. Fernando Alonso hielt bis zum bitteren Ende durch und sackte von Platz eins auf Rang fünf ab.

Gleiches Szenario bei Michael Schumacher in Valencia. Die geplante Einstoppstrategie wurde schon nach 19 von 57 Runden über den Haufen geworfen. Damit musste Mercedes den zweiten Boxenstopp auf Runde 41 verschieben. Schumacher fiel auf Platz elf zurück und hatte zu diesem Zeitpunkt 26,9 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Alonso. Alle Piloten vor ihm waren mit älteren Reifen bestückt. Teilweise hatten die 13 Runden mehr auf der Lauffläche. Dann startete Schumacher seine Aufholjagd. Teilweise nahm er seinen Gegnern zwei Sekunden pro Runde ab. Am Ende landete der Rekordsieger auf Platz drei. Der Abstand auf Alonso hatte sich in diesen 16 Runden auf 12,6 Sekunden reduziert.
Was zwei Mal gut gegangen ist, kann auch ein drittes Mal klappen. Wird der Coup des späten Boxenstopps Schule machen? Mercedes-Teamchef Ross Brawn glaubt an eine Wiederholung, doch nicht im Rahmen eines großen Masterplans, sondern aus der Situation heraus geboren. "Wenn du so etwas planen wolltest, müsstest du wissen, wie stark die jeweiligen Reifentypen bei der Konkurrenz abbauen. Wir tun uns ja schon schwer, das anhand der Erfahrungswerte vom Freitag für das eigene Auto hochzurechnen. Keiner schaut bei der Konkurrenz am Freitag so genau hin, als dass er wissen würde, in welchem Zustand die gebrauchten Reifen zurückkommen, und wie lange sie gehalten hätten, wären sie bis zum bitteren Ende weitergefahren. Eine Prognose, wann die Reifen der Gegner einbrechen, ist vorab schwer zu erstellen. Das merkst du erst im Rennen, wenn es so weit ist."

Brawn glaubt aber, dass die Beispiele Vettel und Schumacher die Strategen an den Kommandoständen sensibilisiert haben. "Wenn mal wieder so ein Fall eintritt, dass es während des Rennens Anzeichen für einen starken Gripabbau nach zwölf bis 15 Runden gibt, dann werden mehr Leute auf die Taktik des späten Stopps anspringen." Mark Webber differenziert selbst für diesen Fall: "Der späte Reifenwechsel ist keine Siegerstrategie. Kein GP-Sieger in diesem Jahr hat mit dieser Taktik gewonnen. Das waren durchweg traditionelle Strategien. Trotzdem kann die Taktik interessant sein. Zum Beispiel, wenn du nichts mehr zu verlieren hast und irgendwo zwischen Platz acht und zwölf herumhängst. Dann könnte es sich lohnen, alles auf die Karte Risiko zu setzen."

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