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Strategiepoker bei Mercedes

Duell auf Biegen und Brechen

Lewis Hamilton & Peter Bonnington - GP Spanien 2014 Foto: xpb 59 Bilder

Der GP Spanien erinnerte an das Rennen von Bahrain. Nico Rosberg versuchte Lewis Hamilton mit einer Alternativ-Strategie austricksen. Es gelang wieder nicht. Einziger Unterschied: Es gab kein Safety-Car. Wir klären auf, was bei Mercedes wirklich gespielt wurde.

12.05.2014 Michael Schmidt

Der Start war das Fundament. Ein Rennen, das 63 Runden lang vor sich hin dümpelte, wurde drei Umläufe vor Schluss plötzlich spannend. Weil wie beim GP Bahrain die beiden Mercedes-Piloten zum direkten Duell aufeinandertrafen. Die meiste Zeit des Rennens pendelte der Abstand zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg zwischen 2,0 und 4,5 Sekunden. Doch dann begann er im Finale plötzlich rapide zu schrumpfen. Und Rosberg hatte die weicheren Reifen in der Hinterhand.
 
Teamchef Toto Wolff gab zu: "Wir wussten, dass es sich so zuspitzen würde. Deshalb war keine Minute an der Boxenmauer entspannend." Auf dem Papier war Hamiltons Strategie mit medium-medium-hart die bessere. Der Unterschied betrug drei Sekunden. Aber nur in der Theorie. Die Simulation rechnete mit einem Aufeinandertreffen sechs Runden vor der Zielflagge. Missglückte Überrundungen sorgten dafür, dass es erst zwei Runden vor Schluss zum Zusammenschluss kam.

Rosberg wünschte sich eine Runde mehr

Rosbergs Strategie stand nach dem Start praktisch fest. Mit der gleichen Strategie hätte er gegen Hamilton trotz des schnelleren Autos praktisch keine Chance gehabt. Überholen ist in Barcelona ein Kunststück. Man muss schon einen Joker in der Hand haben, um ein nahezu gleichwertiges Auto überholen zu können. Rosbegs Joker waren die weicheren Reifen zum Schluss. Und die Hoffnung, es möge wie in bahrain ein spätes SafetyCar geben. Das hätte die Anzahl der Überholversuche erhöht.

Barcelona zeigte, was in Bahrain ohne das Safety-Car passiert wäre. Rosberg hätte erst in den letzten Runden Anschluss gefunden. Wie in Bahrain kam er auch diesmal nicht vorbei. Im Gegensatz zum dritten WM-Lauf gab es diese Chance nie. "Eine Runde mehr, und es hätte klappen können. So wäre es nur in der letzten Runde mit einer Kamikaze-Aktion möglich gewesen."

Hamilton verlor zwei Sekunden in der Box

Rosberg zog ein langes Gesicht. Diesmal hatte er nicht nur die besseren Reifen, sondern das bessere Auto. Hamilton kämpfte mit hartnäckigem Übersteuern. Und der Engländer hatte die schlechteren Boxenstopps. In der Boxengasse blieben zwei Sekunden liegen. "Beim ersten Mal ging links vorne etwas schief, beim zweiten Mal rechts hinten", erzählte Teammanager Ron Meadows.

Der Supervisor hielt die Ampel mit der Fernbedienung auf Rot. "Wir stehen lieber länger, als ein Rad zu verlieren. Die Strafe dafür ist so groß, dass du damit die WM verlieren kannst. Deshalb schenken wir auch bei einem perfekten Stopp eine halbe Sekunde her", sagt Meadows. Ein loses Rad gibt eine Zehnsekunden-Strafe und eine Platzversersetzung beim nächsten Rennen. 

Duell der Mercedes-Strategen

Aufgrund der unterschiedlichen Taktik kamen die Mercedes-Piloten versetzt an die Box. Ein Mal wartete die Mercedes-Box vergeblich auf Hamilton. "Lewis hatte die Aufforderung nicht gehört", beteuerte Meadows. Auch Rosberg rätselte, ob es nicht besser gewesen wäre, den zweiten Stopp eine Runde früher abzuwickeln.

Die beiden Piloten hinterfragen jeden Schritt ihrer Crew. Wenn es im WM-Duell mit Rosberg so eng hergeht, ist Misstrauen ein ständiger Beifahrer. Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche wunderte sich: "Sie ahnen gar nicht, was bei uns in der Garage los war. Die beiden Crews haben sich mit allen Mitteln der Kunst versucht gegenseitig auszutricksen."

Beide Fahrer mit Korrekturen beim Boxenstopp

Weil Hamilton ständig über ein hartnäckiges Übersteuern beim Einlenken jammerte, wurde beim Boxenstopp der Frontflügel flacher gestellt. Damit wird der Heckflügel besser angeströmt. Während der Fahrt gaben ihm die Ingenieure Tipps, was er an der Differentialsperre und  der Bremsbalance ändern muss, um sein Problem zu lindern. "Meine Ingenieure haben mich heute ferngesteuert", lobte Hamilton.

Auch Rosberg ließ zwei Mal Korrekturen anbringen. Dazu Meadows: "Beim ersten Stopp ging der Frontflügel eine Stufe runter, beim zweiten wieder eine rauf. Damit war das Auto so eingestellt wie im ersten Stint. Da ist Nico wie am Ende mit den weichen Reifen gefahren." In der Schlussabrechnung hat es doch nicht gereicht. Trotz DRS-Vorteil war Rosberg nur drei km/h schneller auf der Geraden.

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