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Streckenrundgang GP Mexiko 2015

Die besten Zuschauerplätze der Welt

Streckenrundgang - Autodromo Hermanos Rodriguez - GP Mexio 2015 Foto: ams 75 Bilder

Der Streckenrundgang von auto motor und sport hat Tradition. Auf neuen Rennstrecken. Oder renovierten alten. Wir sind die 4.304 Meter in 2.250 Meter Höhe abgelaufen. Und haben die längste Zielgerade und die besten Zuschauerplätze der Welt vorgefunden.

28.10.2015 Michael Schmidt

Neue Rennstrecken oder renovierte alte sind für uns ein Befehl. Der Streckenrundgang ist für auto motor und sport Pflicht. Ich kenne den Kurs schon von früher. 1987, 1990, 1991 und 1992 habe ich erlebt, wie Nigel Mansell, Alain Prost, Riccardo Patrese und Nigel Mansell gewonnen haben. Schon damals zählte das Autodrom zu den spektakulärsten im Kalender.

Die elend lange Zielgerade, die S-Kurven und natürlich die überhöhte Peraltada-Kurve sind mir genauso im Gedächtnis geblieben wie Verkehrschaos, Smog und zusammenbrechende Telefonverbindungen.

Kollege Tobias Grüner erlebt den ganz normalen Wahnsinn von Mexico-City zum ersten Mal. Nach 40 Minuten U-Bahn mit zwei Mal Umsteigen kommen wir am Autodromo Hermanos Rodriguez an. Als wir die Zugstation verlassen, sehen wir das Schildkrötenförmige Velodrom, das hinter der berühmten Peraltada-Kurve liegt. Es war ein Wahrzeichen der alten Strecke. Heute wird es von dem riesigen Baseball-Stadion überragt, das die Autos am Ende der Runde passieren.

Neue Mexiko-Strecke ist 696 Meter kürzer als Ur-Version

Es ist eine Rennstrecke mit Geschichte. Von 1963 bis 1970 und von 1986 bis 1992 gab es hier 15 Grand Prix. Der Kurs, der ursprünglich Magdalena-Mixhuca hieß, ist heute nach den Gebrüdern Rodriguez benannt, die beide im Rennsport tödlich verunglückt sind. Ricardo Rodriguez tragischerweise auf seiner Heimstrecke. 1962 im Training zum GP Mexiko, der damals noch nicht zum WM-Kalender zählte.

Mit so viel Historie im Kopf starten wir um 11.30 Uhr bei bewölktem Himmel und schwüler Luft unsere Tour, die 4.304 Meter lang wäre, würden wir die Ideallinie nehmen. 117 Meter kürzer als in beim letzten Auftritt der Formel 1 und 696 Meter kürzer als bei der Streckenvariante der sechziger Jahre. Das erste, was auffällt: Die Zielgerade ist unheimlich lang. Man sieht bei Start und Ziel das Ende nicht.

Der zweite Eindruck: der Asphalt ist schwarz, rutschig und eben. Kein bunter Fleckenteppich, keine Buckelpiste wie früher. Aber abwarten. Im nächsten Jahr werden sich die Fahrer über die Bodenwellen beklagen. Mexico-City ist auf dem Grund eines ausgetrockneten Sees errichtet. Der Boden bewegt sich ständig. Nichts in der Stadt scheint eine glatte Fläche zu sein. Selbst die Gebäude sind zum Teil windschief.

113 Meter Sturzraum in der ersten Kurve

Nach 1,2 Kilometern kommen wir in der ersten Kurve an. Mercedes und Lotus prophezeien wegen der dünnen Luft und den gleichzeitig fast ungedrosselten Turbo-Motoren Top-Speeds bis 360 km/h. McLaren-Honda kündigt nur 320 km/h an. Trauen die ihrem Honda-Motor so wenig zu, oder haben sie sich einfach nur verrechnet? Wahrscheinlich das zweite.

Auf den ersten Blick erscheint der Sturzraum für die Kurve, die laut Mercedes-Simulation nur 95 km/h verträgt, ziemlich knapp bemessen. Wir messen nach. Es sind 113 Meter, dahinter drei Lagen Tecpro-Sicherheitsbarrieren.

Schon hier fällt auf, wie steil die Tribünen in den Himmel ragen. Die Zuschauer sehen dort eine Rechts-Links-Rechts-Kombination und vermutlich die meisten Ausbremsmanöver im Rennen. Weil die 80.000 Tickets mit Preisen zwischen 90 und 1.170 Euro schnell ausverkauft waren, haben die Mexikaner Behelfstribünen mit 20.000 Plätzen längs der beiden Geraden aufgestellt. Die Köpfe werden da hin- und herfliegen wie bei einem Tennismatch. Immerhin gibt es gegenüber eine Video-Leinwand.

Mexiko-Tribünen steil wie ein Azteken-Tempel

Nach einer weiteren 500 Meter langen Geraden kommen wir in den ersten Stadion-Bereich. Auf eine Schikane folgt eine Haarnadel. Das "Motodrom" ist umrahmt von Tribünen. Wir klettern auf eine rauf. Steil wie ein Aztekentempel. In Reihe 35 angekommen haben wir einen unglaublichen Überblick. Das beste, was ich je gesehen habe. Kollege Grüner sitzt schon mal Probe. In der Fotoshow haben wir die atemberaubende Bilder aus luftiger Höhe.

Ich suche derweil nach den Spuren der ganz alten Strecke. Von 1963 bis 1970 führte der Kurs noch gute 300 Meter weiter und mündete in eine Haarnadel, die viel enger war als die aktuelle. Hier passierte 1964 die WM entscheidende Kollision zwischen Graham Hill und Lorenzo Bandini. Sie verhalf Bandinis Ferrari-Kollege John Surtees zum Titel (>> YouTube-Video).

Mein Kollege hat wenig Sinn für Formel 1-Geschichte. Er kann nicht verstehen, warum mich ein Stück alter Asphalt als Andenken an die alte Zeit so begeistern kann. Wir setzen unsere Runde fort. Durch die S-Kurven, die immer schneller werden. Das Layout wurde etwas geändert, um Auslauf zu schaffen. Der ist in den mexikanischen Landesfarben lackiert. Überall wird fleißig geschraubt, gepinselt, gehämmert. Ein Reinigungsfahrzeug säubert die Strecke. Wir hoffen, dass es keinen Diesel verliert.

Sieger-Ehrung im Baseball-Stadion

Die Gegengerade bringt uns zum Baseball-Stadion, das nach dem Worten der Veranstalter das neue Wahrzeichen werden soll. 28.000 Zuschauer können dort die Formel 1-Fahrer in vier Kurven beobachten. Ein bisschen Mickey Mouse, aber großes Kino für die Glücklichen, die ein Ticket haben. Wir machen wieder den Tribünentest für unsere Bildergalerie.

Als wir in Reihe 34 angekommen sind, stellen wir fest, dass wir trotz dünner Luft noch gut bei Atem sind. Liegt wahrscheinlich an unserem guten Training am Abend davor. Rennfahrer gehen in die Klimakammer, wir lieber in ein Pub.

Auch hier bekommen die Zuschauer ein einmaliges Programm geboten. Wir malen uns jetzt schon aus, wie es aussehen muss, wenn sich das ganze Feld am Ende der ersten Runde durch das Nadelöhr schlängelt. Hoffentlich finden die Fotografen dort einen Platz.

Für die Zuschauer dort gibt es noch ein Extra. Die Siegerehrung findet nicht wie üblich auf dem Boxendach gegenüber der Haupttribüne statt, sondern im Stadion, etwa dort wo bei den Baseball-Spielen die Homebase liegt. Inzwischen zieht ein kleines Gewitter auf. Wir legen noch schnell die letzten Meter über den zweiten Teil der Peraltada zurück, um nach 1.25 Stunden wieder an den Boxen anzukommen. Zumindest da gibt mir Kollege Grüner Recht. Es wäre gut, wenn es die alte Peraltada noch gäbe.

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