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Streckenrundgang Red Bull Ring Spielberg

Die erste Runde auf der Alpen-Achterbahn

Streckenrundgang Red Bull Ring - Spielberg - GP Österreich 2014 Foto: ams 61 Bilder

Der GP Österreich erfindet sich zum dritten Mal neu. Dem ersten Rennen 1964 auf dem Flugplatz von Zeltweg folgte von 1970 bis 1987 der atemberaubende Österreichring. Nach zehn Jahren Pause feierte das Rennen in der Steiermark am umgebauten A1-Ring ein Comeback. Der Red Bull-Ring ist wieder elf Jahre später eine modernere Version davon. Wir haben zu Fuß die erste Runde gedreht und zeigen Ihnen die Schlüsselstellen.

19.06.2014 Michael Schmidt

Der erste GP Österreich 1964 war der Stolz der Alpenrepublik. Doch er erntete viel Kritik. Gefahren wurde auf den Lande- und Startbahnen des Militärflughafens von Zeltweg. Mit Strohballen als Wegweiser durch die vier Kurven. Die Bahn war so uneben, dass die Autos reihenweise mit Aufhängungsbrüchen strandeten. Nur neun Fahrer sahen die Zielflagge. Es war ein einmaliger Auftritt. Lorenzo Bandini gewann im Ferrari. Und ein gewisser Jochen Rindt debütierte.

Screenshot - Red Bull Vorschau GP Österreich 2014
F1-Duell im 3D-Modell: Vettel rast durch Spielberg 3:46 Min.

Österreichring mit 256 km/h Schnitt

Die Drahtzieher des Grand Prix gaben nicht auf. Ziel war der Bau einer permanenten Rennstrecke. Und plötzlich waren es zwei. Der Salzburgring und der Österreichring konkurrierten um die Gunst des Weltverbandes. Der Österreichring gewann die Ausschreibung, weil er die modernere und selektivere Strecke war. Der Kurs schlängelte sich auf 5,942 Kilometer durch die sanften Hügel im Norden der Gemeinden Zeltweg und Knittelfeld.
 
Es war eine schnelle Strecke. Schon beim Debüt 1970 erreichten die Fahrer einen Rundenschnitt jenseits von 210 km/h. Bis 1975 stiegen die Durchschnittsgeschwindigkeiten auf 224,350 km/h. Nach dem tödlichen Unfall von Mark Donohue im gleichen Jahr wurde in die Vollgas-Rechtskurve am Ende der Zielgeraden eine Schikane eingebaut. Was die Autos nur kurz einbremste. 1987 stellte Nelson Piquet seinen Williams-Honda mit 256,621 km/h auf die Pole Position. Der Österreichring stritt sich mit Monza und Silverstone um das schnellste Rennen im Kalender.

1970 hatten die Fahrer noch von einer der sichersten Rennstrecken der Welt gesprochen. Obwohl die doppelstöckigen Leitplanken direkt am Streckenrand standen, auch in den superschnellen Kurven des Kurses. Aber es standen immerhin Leitplanken da. Nicht Bäume, Böschungen, Häuser, Telegrafenmasten oder Gräben. Das war für das damalige Sicherheitsverständnis ein Meilenstein. In den letzten Jahren des Österreichrings flößte die Strecke den Fahrern Angst ein. Martin Brundle erinnert sich. "Ich habe am Sonntagabend immer tief durchgeatmet und mir gesagt: Gottseidank haben wir diese Strecke wieder hinter uns."
 
1987 brauchte es drei Startversuche, bis das Feld auf die Reise ging. Zuvor musste der Grand Prix zwei Mal abgebrochen werden. Ein Mal kollidierten fünf, das andere Mal zwölf Autos. Das war das Todesurteil für eine der schönsten Strecken der Welt. Und natürlich die Gier des GP-Zirkus, der Preise aufrief, die in Österreich keiner mehr bezahlen konnte.

A1-Ring war der Österreichring light

Es dauerte zehn Jahre, bis der Zirkus in die Steiermark zurückkehrte. Der A1-Ring war nur ein Abklatsch der alten Strecke. Ein Österreichring light, auf die moderne Zeit getrimmt. Mit ähnlichem Layout, aber langsameren Kurven und viel Sturzraum drumherum. Teile der Schönberggeraden, der Zielgeraden und der Texaco-Schikane entsprachen noch der alten Streckenführung.

Obwohl der nur noch 4,326 Kilometer lange Kurs auf dem Papier relativ simpel aussah, lieferte er zumeist spannende Rennen ab. Weil die Kurven, die auf die drei langen Geraden führten, kurz waren und ein eckiges Profil hatten. Es war selbst in der Zeit aerodynamischer Auswüchse möglich, dem Vordermann zu folgen und ihn am Ende der folgenden Geraden auszubremsen.
 
Es gab viele kleine und große Skandale in den sieben Jahren der dritten Episode der GP Österreich-Story. Beim Comeback 1997 wurde Michael Schumacher bestraft, weil er bei Gelb überholt hatte. 1999 kollidierten die McLaren-Piloten Mika Häkkinen und David Coulthard in der zweiten Kurve. 2000 krachten Michael Schumacher und Giancarlo Fisichella in der Startkurve zusammen, und McLaren wurden 10 Punkte für die Konstrukteurs-WM gestrichen, weil in Häkkinens Siegerauto eine Elektronikbox kein FIA-Siegel trug.
 
2001 und 2002 machte sich Ferrari mit einer Stallregie unbeliebt. Beide Male musste Rubens Barrichello für Schumacher zurückstecken. 2002 auf den letzten Metern im Kampf um den Sieg. Die Zuschauer pfiffen Ferrari bei der Siegerehrung aus. Im gleichen Jahr torpedierte Nick Heidfelds Sauber nach einem Re-Start mit hohem Tempo den Jordan von Takuma Sato. Es war wie eine Explosion. Der Japaner kam wundersamerweise mit Prellungen davon. 2003 gewann Michael Schumacher, obwohl sein Ferrari beim Tankstopp Feuer fing.

Mateschitz bringt die Formel 1 zurück an den Red Bull-Ring in Spielberg

Dann kehrte wieder Ruhe ein rund um Zeltweg. Wieder fehlte das Geld, die Königsklasse in die Alpen zu holen. Die Strecke stand vor dem Abriss. Es brauchte erst Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz, der den ehemaligen A1-Ring wachküsste und aus ihm den Red Bull-Ring machte. Die Streckenführung ist absolut identisch mit der aus den Jahren 1997 und 2003. Aber es stehen viel mehr Tribünen um die Strecke. 90.000 Zuschauer werden erwartet. Boxengebäude und Haupttribüne sind neu, alles drumherum tiptop herausgeputzt, so als wäre die Anlage erst gestern eröffnet worden.
 
Der Red Bull-Ring ist mit 4,326 Kilometer eine der kürzesten Strecken und mit neun Kurven relativ übersichtlich. Beim letzten Auftritt 2003 fuhr Michael Schumacher mit 1:08.150 Minuten und 227,894 km/h die schnellste Runde. Auch wenn die moderne Formel 1 kaum die 70 Sekunden-Marke knacken wird, kann der Red Bull-Ring einen Rekord aufstellen. Wir erwarten die kürzeste Rundenzeit des Jahres. Kürzer als Monte Carlo und Interlagos.
 
Bevor die Autos die ersten Runden drehen, haben wir die Strecke bereits abgelaufen. Die Schlüsselstellen der Alpen-Achterbahn und die Änderungen neben der Piste zeigen wir Ihnen in der Galerie.

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