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Streit um Formel 1-Kosten: Teams wollen Aufschub der Turbomotoren

Es rumort hinter den Kulissen der Formel 1. Nicht nur wegen des neuen Concorde-Abkommens und des geplanten Börsengangs. Zehn Teams wollen, dass die FIA die Kosten kontrolliert. Neun davon sind für eine Budgetobergrenze. Die meisten von ihnen fordern auch, dass die neuen Turbomotoren nicht 2014 sondern später kommen.

Die Formel 1 steht am Scheideweg. Bernie Ecclestone und CVC-Chef Donald Mackenzie wollen sie mit dem neuen Concorde Abkommen und dem geplanten Börsengang fit für die Zeit bis 2020 machen. Ob mit oder ohne Mercedes, das wird bald entschieden sein. Ob mit oder ohne die FIA, das kann dauern.

Die FIA muss nicht im Paket sein, aber sie kann. FIA-Präsident Jean Todt wird von den Rechteinhabern eine höhere Apanage fordern, doch auf dem Ohr ist Ecclestone taub. Wenn die FIA das Concorde Abkommen nicht unterschreiben würde, hätte sie bei der Regelfindung freie Hand. Das wollen weder Ecclestone, noch die Teams.

Bernie Ecclestone war schon immer der Meinung, dass man den Verband zum Schreiben der Regeln nicht braucht. Höchstens zum Kontrollieren. Da wird er aber auf Widerstand bei der FIA und einigen großen Teams stoßen, die kein Interesse an einer Piratenserie haben. Mercedes gehört zu diesem Kreis, was für einen Teil der Verständigungsprobleme zwischen Ecclestone und Mercedes verantwortlich war.

Briatore arbeitet an neuem Formel 1-Reglement

Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 12/2012) exklusiv enthüllt, gehen Gerüchte um, dass Flavio Briatore gerade an einem GP1-Reglement arbeitet. Das könnte schnell zur Vorlage der Formel 1 werden, sollte man sich mit der FIA nicht einigen. Briatore will angeblich den Schlüssel gefunden haben, die Kosten zu senken.

Der ehemalige Renault-Teamchef hat auch schon einen ersten Fan: Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Da kann man sich vorstellen, wie dieses Reglement aussehen wird. Möglichst viele Einheitsteile, vor allem auf dem Gebiet der Aerodynamik, die Montezemolo aufgrund der Defizite im eigenen Haus schon lange ein Dorn im Auge ist. Ob da Red Bull mitspielt?

Die Teams planen aktuell noch mit der FIA. Zehn haben an Präsident Jean Todt den Wunsch herangetragen, den Kostenreduzierungs-Plan (Ressource Restriction Agreement) in das Sportgesetz aufzunehmen. Das würde bedeuten: Die FIA kontrolliert die Grenzwerte beim Personal, den Werkzeugen und den Testfahrten und kann die Teams bei Zuwiderhandlung auch bestrafen. Red Bull und Toro Rosso lehnen das ab.

Sparplan gegen den Widerstand von Red Bull?

Obwohl der FIA eine Dreiviertelmehrheit bis zum 13. Juli ausreicht, das Anliegen der Teams für 2013 im Sportgesetz zu verankern, wartet Jean Todt noch ab. Er will, dass alle Teams zustimmen. Da kann er lange warten. "Wir sollten es tun, egal ob Red Bull mitmacht oder nicht", sagt einer der Teamchefs. "Die wären dann so gegen die Wand genagelt, dass sie entweder auch mitmachen oder aufhören müssen."

In einem ersten Schritt sollen ab 2013 die Windkanalstunden von 60 auf 40 pro Woche gesenkt werden. Die maximale Computerkapazität bleibt bei 40 Teraflops bestehen. An die Rennstrecke sollen pro Team 55 statt 47 Leute zugelassen werden, allerdings nach einem anderen Zählsystem. Die Fahrer und deren Physiotherapeuten und IT-Leute von Lieferanten sind dann Teil der Belegschaft.

Neun Teams fordern Ausgaben-Obergrenze

Neun der zehn Befürworter für die FIA als Kostenkontrolleur gehen noch einen Schritt weiter. Sie fordern die Einführung einer alten Max Mosley-Idee. "Wir sind für eine Budgetobergrenze", bestätigt Sauber-Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn. "Sie ist einfacher kontrollierbar und gerechter, weil dann jeder im Rahmen des erlaubten Budgets auf seine eigenen Stärken bauen kann."

Ferrari könnte wieder regelmäßig in Fiorano testen, Sauber seinen Super-Windkanal voll auslasten und Red Bull seine Piloten Tag und Nacht im Simulator fahren lassen. Die neun Teams pro Budgetobergrenze plädieren auf einen Startwert von 170 Millionen Euro. Der soll schrittweise bis auf 120, vielleicht sogar 100 Millionen pro Jahr gesenkt werden.

Nur Ferrari lässt sich dafür nicht begeistern. Budgetdeckelung ja, Kontrolle aber nur auf Vertrauensbasis. Maranello will keine Zahlen an die FIA preisgeben. Die Gestione sportiva ist Teil des Autokonzerns. Offenbar ist die Offenlegung dieser Zahlen Ferrari zu heikel. "Das wäre ganz einfach lösbar", sagt ein Teamchef. "Ferrari könnte die Rennabteilung juristisch aus dem Konzern herauslösen und in eine Tochterfirma umwandeln. Mercedes macht das mit seinem Formel 1-Team ja auch."

V6-Turbo erst nach 2014?

Die kleinen Teams wollen außerdem auch noch einen Aufschub der Einführung der Sechszylinder-Turbos. Der Motorenwechsel ist für 2014 geplant. Doch bereits jetzt sickert aus Kreisen von Mercedes, Ferrari und Renault durch, dass die Entwicklung der V6-Turbos mit Direkteinspritzung und integriertem Hybridantrieb teurer wird als erwartet. Da noch keine Obergrenze für das Motorenleasing ab 2014 festgelegt ist, befürchten die Teams, dass sie die Mehrkosten tragen müssen.

Im Moment bezahlen sie acht Millionen Euro für 16 Motoren und ein paar Testtriebwerke. Für jeden zusätzlichen Prüfstandslauf für spezielle Auspuffentwicklungen wird extra abkassiert. Beim KERS-Leasing schwanken die Preise zwischen zwei und fünf Millionen Euro. Teams wie Sauber, Force India, Caterham, Williams, Marussia und HRT sind jetzt schon am Limit. Höhere Motorenkosten können und wollen sie nicht akzeptieren. Die V8-Motoren der Gegenwart würden sie weiter nur acht Millionen pro Jahr kosten.

Dazu kommen technische Probleme. Die neuen Motoren werden 25 Kilogramm schwerer als geplant. Damit würden die Autos viel zu langsam. Das Reglement wurde auf eine bestimmte Rundenzeit hin gezimmert. Motorleistung, Benzinverbrauch, Gewicht und Abtrieb folgen einer Formel, die eine Rundenzeit als Ziel vorgibt. Diese darf höchstens fünf Sekunden langsamer als die aktuellen Werte sein. Wenn der Parameter Gewicht nun so stark aus dem Rahmen fällt, stimmt die Gleichung nicht mehr.

Wegen des geplanten Verbrauchslimits von 130 Liter Benzin für eine Renndistanz gibt es keine Korrekturfaktoren. Für die Motorenhersteller sind das schlechte Nachrichten. Sollten sich die Teams durchsetzen, haben sie mit ihrer Vorentwicklung viel Geld in den Sand gesetzt.

Michael Schmidt

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xpb

Datum

18. Mai 2012
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