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Vettel Gelbe Flaggen GP Brasilien 2012 11 Bilder Zoom

Streit um gelbe Flaggen beim GP Brasilien: FIA hält Vettels Überholmanöver für legal

Die Diskussionen um Sebastian Vettels Überholmanöver unter gelber Flagge nehmen Fahrt auf. In Italien und Spanien wird bereits ein Protest gegen die Wertung gefordert. Wir decken auf, warum die Überholmanöver legal waren und warum die Sportkommissare nichts unternommen haben.

Die Aufregung ist groß. Hat Sebastian Vettel beim GP Brasilien zwei Mal unter gelber Flagge regelwidrig überholt? Legt Ferrari Protest gegen die Wertung ein und verliert Vettel womöglich sogar seinen WM-Titel? Diese Fragen stellen sich seit Dienstag (27.11.) italienische und spanische Zeitungen.

Ferrari verhält sich vorläufig noch ruhig. Fernando Alonso sprach nach dem Rennen in Brasilien kryptisch nur von "einigen komischen Entscheidungen" in Bezug auf seinen WM-Gegner Vettel. Was er damit meinte, blieb zunächst offen.

Onboard-Aufnahmen scheinen Vettel zu belasten

Der britische Pay TV-Sender Sky zeigte am Abend eine Szene, bei der Vettel in der achten Runde Kamui Kobayashi auf der Zielgeraden überholt (>> Sky-Video). Aus Vettels Bordkamera sieht man am Streckenrand gelb leuchtende Ampeln. Sky-Experte Allan McNish fragte in die Runde: "Hat Vettel hier illegal überholt?" Er entlastete Vettel dadurch, dass Kobayashi unmittelbar danach in die Boxengasse abgebogen war. Er lag richtig mit seiner Einschätzung, aber falsch mit seiner Begründung.

Auf der Internetseite der spanischen Sportzeitung Marca tauchte am Dienstag ein Video auf, das eine Szene aus der vierten Runde zeigt (>> YouTube Video). Dabei überholt Vettel den Toro Rosso-Piloten Jean-Eric Vergne auf der Gegengeraden zwischen einer gelb und einer grün leuchtenden Ampel. Selbst auf dem Lenkrad des Red Bull ist das gelbe Warnlicht zu sehen.

Auf den ersten Blick erscheint auch dieses Manöver regelwidrig. Diese Sequenz ist ebenfalls nur aus Vettels Überkopfkamera zu sehen. Da sie auf dem Weltbild nicht übertragen wurde, konnten nur Zuschauer von Pay TV-Kanälen oder die Teams diese Szene beobachten. Die Teams haben zusätzlich auf ihren Bildschirmen eine Streckenskizze, auf der die GPS-Positionen der Fahrzeuge und Flaggensignale eingetragen sind.

Weder in Spanien noch in Italien gibt es Bezahlfernsehen. Es gehen Gerüchte um, dass die entsprechenden Medien von einem Team munitioniert wurden. Von welchem, kann man sich denken.

Exklusive Streckengrafiken helfen Fall zu lösen

auto motor und sport hat sich die GPS-Streckengrafiken der entsprechenden Runden besorgt und bei FIA-Rennleiter Charlie Whiting nachgefragt, um die beiden strittigen Szenen zu analysieren. Ergebnis: Vettel hat nichts falsch gemacht.

Auf die Frage, warum die vier Sportkommissare Garry Connelly, Silvia Bellot, Felipe Giaffone und Tom Kristensen während des Rennens nichts unternommen haben, gibt es eine einfache Antwort. Weil weder von den Streckenposten noch von anderen Teams eine Meldung in die Rennleitung abgegeben wurde.

Dass Vergne sich über Vettels Überholmanöver am Funk nicht beschwert ist klar. Er gehört als Toro Rosso-Fahrer zur Red Bull-Familie. Doch hinter Vergne und Vettel fuhren Pedro de la Rosa und Charles Pic. Sie hätten sich sofort via Funk darüber aufgeregt, da sie ja durch die gleiche Zone fuhren und die gleichen Ampeln und Flaggen sahen.

Der Fall Kobayashi ist der einfachere. In seinem Fall wurden nur zwischen den Kurven 8 und 11 gelbe Flaggen gezeigt, respektive die Ampeln auf Gelb geschaltet. Danach gingen die Ampeln auf gelb-rot gestreift über. Das ist nur ein Warnsignal für die Fahrer, dass die Strecke rutschig ist. Also kein Überholverbot.

Gelbes Dauerlicht heißt Überholen erlaubt

Auf dem TV-Bild ist schwer zu erkennen, auf welcher Farbe die Ampel steht. "Nicht nur auf dem TV-Bild", sagt Sauber-Teammanager Beat Zehnder. "Auch für die Fahrer sind die gelb-roten Ampeln von den gelben schwer zu unterscheiden." Zur Erklärung. Will die Ampel gelb anzeigen, blinkt sie. Bei gelb-rot ist das Licht durchgängig. Die GPS-Streckengrafik aber beweist eindeutig, dass schon vor Kurve 14 auf gelb-rot geschaltet wurde. Vettel hat Kobayashi nach Kurve 14 überholt. Also regelkonform.

Der Fall Vergne ist komplizierter. Hier gewinnt man anhand von Vettels Bordkamera den Eindruck, dass der Red Bull-Pilot Vergne zwischen den Kurven 3 und 4 nach einer gelben Ampel, aber klar vor der darauf folgenden grünen Ampel überholt. Auch die GPS-Grafik der vierten Runde spricht dafür. Dort beginnt die Gelbzone in der Bremszone von Kurve 1 und hört 200 Meter vor Kurve 4 wieder auf.

Auf den Fernsehbildern kann man nicht sehen, warum überhaupt Gelb angezeigt wurde. Whiting klärt auf. "In Kurve 3, exakt an der Grenze zu dem Sektor in dem das Überholmanöver passierte, stand ein Streckenfahrzeug neben der Bahn." Pastor Maldonado war hier kurz zuvor mit seinem Williams abgeflogen.

Vettel überholt nach grüner Flagge

Deshalb war die Ampel ausgangs Kurve 3 noch auf Gelb programmiert, obwohl die Gefahrenzone bereits knapp davor lag. Auf der Geraden Richtung Kurve 4 sind die Ampeln und die Streckenposten an unterschiedlichen Stellen postiert. Dem ersten Gelblicht folgte ein zweites. Erst dann kam Grün. Dazwischen aber schwenkte ein Streckenposten die grüne Flagge. Das ist auf dem TV-Bild kaum zu erkennen. Vettel hat sie natürlich bemerkt.

Hierzu sagen laut Whiting die Regeln: "Wenn die Ampeln nicht an den Flaggenposten installiert sind, dann gilt für den Fahrer das erste Signal, das gezeigt wird. Wird also eine gelbe Flagge geschwenkt und etwas später blinkt die Ampel gelb, dann beginnt das Überholverbot bereits bei der Flagge. Umgekehrt gilt das auch für grünes Licht. In Vettels Fall wurde zwischen der letzten gelben Ampel und der grünen Ampel eine grüne Flagge geschwenkt. Der Abstand beträgt hier 350 Meter. Vettel hat auf die Flagge reagiert und alles richtig gemacht."

Dass die GPS-Streckengrafik gelb bis zu dem Überholpunkt zeigt, liegt daran, dass sie auf die Ampeln reagiert und nicht auf die Flaggen. Die grüne Ampel stand dort, wo in der Streckenskizze die Gelbzone endet.

Ferrari hat mittlerweile offiziell mitgeteilt, dass man der FIA einen Brief geschrieben hat, in dem eine Erklärung für das Vettel/Vergne-Mänöver verlangt wird. Die Scuderia hat noch bis zum 30. November Zeit, gegen Vettel Protest einzulegen. Man wird sich in Maranello aber zwei Mal überlegen, das zu tun. Nach dieser Sachlage hätte ein Protest wenig Aussicht auf Erfolg. Und Ferrari will unter keinen Umständen als schlechter Verlierer dastehen.

Ferrari-Protest nicht aussichtslos

Hätte Vettel regelwidrig überholt, könnte er aber tatsächlich Schwierigkeiten bekommen. Dieser Fall zählt nicht wie ein Frühstart zu einer Tatsachenentscheidung, wäre also anfechtbar. Hier macht das FIA-Reglement allerdings einen Denkfehler. Vettel nachträglich 20 Sekunden aufzubrummen, wäre ungerecht.

Bei einem Vergehen in Runde 4 oder Runde 8 wäre es unter normalen Umständen wenig später zu einer Durchfahrtstrafe gekommen. Sicher vor der 24. Runde, in der das Safety-Car ausgerückt ist. Vettel hätte also nach einer Durchfahrtsstrafe dank des Safety-Cars wieder zum Feld aufgeschlossen und hätte immer noch die Möglichkeit gehabt, den rettenden siebten Platz zu erreichen. Eine nachträgliche 20-Sekunden-Strafe würde ihn aber auf Rang acht verbannen.

Es gibt übrigens einen Präzedenzfall. 2001 in Melbourne kam Kimi Räikkönen auf diese Weise zu seinem ersten WM-Punkt. Sauber-Stallgefährte Nick Heidfeld hatte nach dem Rennen bei der Teambesprechung moniert, dass ihn Panis unter Gelb überholt habe. Teammanager Beat Zehnder beantragte bei der Rennleitung eine Untersuchung. Die ergab, dass Panis tatsächlich regelwidrig an Heidfeld vorbeigegangen war. Der Franzose bekam eine Strafe, und Räikkönen rückte einen Platz auf.

In unserer Fotogalerie haben wir exklusiv die GPS-Streckengrafiken mit den eingezeichneten Gefahrenzonen.

Michael Schmidt

Autor

Foto

xpb

Datum

29. November 2012
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