Horner  Whitmarsh 25 Bilder Zoom

Einigung über Kostenbremse vertagt: Es droht Krieg zwischen den F1-Teams

Das erste Training zum Grand Prix Brasilien lief, da rauchten bei den Teamchefs hinter verschlossenen Türen die Köpfe. Es ging um den Kostenreduzierungsplan der Formel 1, kurz RRA genannt. Das Ergebnis der 90minütigen Verhandlungen: Man vertagte sich auf eine weitere Sitzung mit den vier Top-Teams. Ferrari, Mercedes und McLaren wollen den Druck auf Red Bull erhöhen.

Wenn zwölf Teamchefs die erste Trainingssitzung verpassen, dann muss es einen wichtigen Grund dafür geben. Um neun Uhr morgens am Freitag (25.11) vor dem GP Brasilien war die Sitzung der FOTA-Teams angesetzt, die in Abu Dhabi ausgefallen war. Es ging um die Kostenbremse und das Concorde Abkommen, das Ende 2012 ausläuft.

Ecclestone als lachender Dritter?

Dem Ausgang der Verhandlungen über die Beschränkung der Kosten wird eine zukunftsweisende Bedeutung zugemessen. Wenn es zu keiner Einigung kommt, kann die Teamvereinigung FOTA zerbrechen. Es ist ihre erste echte Bewährungsprobe. Bernie Ecclestone wäre der lachende Dritte, weil er ab Januar 2012 mit den Teams um ein neues Concorde Abkommen ab 2013 feilschen wird. Nichts ist besser für ihn als Zwist bei seinen Verhandlungspartnern.

Mit der Zielflagge des ersten Trainings war auch das wichtigste Treffen des Jahres beendet. Den Gesichtern der Teamchefs nach zu urteilen, war es kein Erfolg. Später sickerte durch, dass Red Bull weiterhin mit dem bestehenden RRA-Bestimmungen und dem Kontrollmechanismus nicht zufrieden ist. Die Konkurrenz behauptet, dass der Weltmeisterrennstall bei den Windkanalstunden und Computerkapazitäten falsch zählt und vermutlich auch an anderer Stelle das Abkommen bricht, wenn man sich den Produktionsaufwand für neue Teile vor Augen führt.

Blockade-Taktik von Red Bull?

Die Gegner vermuten hinter Red Bulls Störmanövern eine Verzögerungstaktik. Der ursprüngliche RRA-Vertrag läuft Ende 2012 aus. Wenn bis dahin keine Einigung gefunden wird, gäbe es keine Handhabe mehr gegen Vertragsbrecher. Red Bull wurde darauf hingewiesen, dass die Blockadetaktik möglicherweise nicht aufgehen wird.

Letztes Jahr hatten sich die Teams in Singapur auf eine modifizierte Version der Kostenbremse geeinigt, die bis 2017 gilt. Mit der Unterschrift von Teamchef Christian Horner. Red Bull zog seine Zusage mit dem Argument zurück, dass Horner gar nicht zeichnungsberechtigt sei. Worauf die anderen Teams Red Bull warnten, notfalls vor Gericht die Gültigkeit des Singapur-Dokuments einzuklagen. Wenn Herr Horner Verträge mit Fahrern und der FIA unterzeichnen könne, dann ist seine Unterschrift auch im Fall der Kostenbremse gültig.

Einige Teams unter der Federführung von Ferrari setzen Red Bull weiter unter Druck. Sie wollen die Kontrolle der Kostenbremse der FIA unterstellen, statt sich über ein unabhängiges Geschäftsprüfungsunternehmen selbst zu kontrollieren. Der Weltverband könnte dann bei Zuwiderhandlung auch Sportstrafen aussprechen, die wehtun. Die Androhung von Geldbußen ist offenbar nicht genug. Die zahlt ein Top-Team aus der Portokasse.

Tricksen die Teams bei den Mitarbeiter-Zahlen?

Der Verdacht, dass sich einige Teams nicht an die Restriktionen halten, wird durch die kürzlich im Companies House in London veröffentlichten Geschäftszahlen des Jahres 2010 noch erhärtet. Red Bull ist mit 175 Millionen Pfund (205 Millionen Euro) und 646 Angestellten Spitzenreiter vor McLaren mit 135 Millionen (158 Millionen Euro) und 628 Mitarbeitern. Mercedes nimmt sich mit einem Etat von 126 Millionen Pfund (147 Millionen Euro) und 487 Angestellten vergleichsweise bescheiden aus.

Alleine schon die Mitarbeiterzahlen sollten Misstrauen erregen. Laut Kostenbremse sind in diesem Jahr nur 315 Angestellte für den Bau und den Einsatz der Autos erlaubt. Demzufolge müssten Red Bull und McLaren über 300 zusätzliche Menschen beschäftigen, die für die Verwaltung, die Presse, das Marketing und Fremdleistungen zuständig sind. Daran glaubt nicht mal der Weihnachtsmann.

Ohne Einigung droht der Kosten-Krieg

Die Brasilien-Konferenz verlief ohne greifbares Ergebnis. Die vier Top-Teams wollen sich jetzt noch vor der nächsten FIA-Weltratsitzung am 7. Dezember treffen, um zu einer Lösung zu kommen. Wenn nicht, droht Krieg unter den Rennställen.

Ferrari, McLaren und Mercedes sind nicht gewillt, ein Wettrüsten ohne Limits zuzulassen. Sie wissen genau, dass sie mit Red Bull im Ernstfall nicht konkurrieren können. Die Hersteller können schon lange nicht mehr unbegrenzt Geld verbrennen. Innenpolitischer Druck zwingt sie dazu, ihre Organisationen zu verschlanken. "Red Bull", sagt einer aus diesem Lager, "gibt das aus, was sie für richtig halten."

Michael Schmidt
Von am 25. November 2011
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Felgen suchen
Felgensuche

AEZ-Räder
Finden Sie die passende Felge für Ihr Auto

WGV Versicherungen
Beitragsrechner

Wertvolles günstig versichert!
Jetzt versichern und bares Geld sparen!

Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle Erlkönige +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Motorsport
  • Videos
  • Markt
  • Fahrzeuge
  • Ratgeber
AUTO MOTOR UND SPORT für:
iPad iPhone Android Windows 8