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Streit um Kostenkontrolle

Spar-Reglement statt Budget-Deckel

Ferrari - Formel 1 - GP China - Shanghai - 19. April 2014 Foto: ams 23 Bilder

Die kleinen Teams stöhnen unter den hohen Kosten, die ihnen die neuen Motoren aufbürden. Sie fordern eine Kostenbremse. Die großen Teams lehnen eine Budgetdeckelung ab. Nachdem Sauber, Force India, Marussia und Caterham rebelliert haben, kommt es am 1. Mai zu einem großen Kostengipfel.

20.04.2014 Michael Schmidt

Die neuen Turbo-Motoren kosten doppelt so viel wie die alten V8-Motoren. Aber auch sonst wird die Formel 1 immer teurer und für die kleinen Teams immer schwerer bezahlbar. Man denke nur an die acht Testtage unter der Saison, die in diesem Jahr hinzugekommen sind. Und die kastrierte Aerodynamik, die den Ingenieuren mehr Arbeit verschafft hat. Weil alles wieder bei Null begann.

Die Forderung der finanziell klammen Teams nach einer Kostensenkung fand jüngst auch bei der FIA Anklang. FIA-Präsident Jean Todt hat das Sparen zu seinem neuen Thema gemacht. Er hält einen Kostendeckel von 150 Millionen Euro für eine vernünftige Obergrenze.

Lotus und Williams wurden überrumpelt

Doch Todt hat die Rechnung ohne die reichen Teams gemacht. Die scheuen eine Kostendeckelung wie der Teufel das Weihwasser. Red Bull, Ferrari und Mercedes wollen sich von ihrem Budget-Vorteil nicht trennen. Sie versuchen den kleinen Teams Kundenautos aufzuschwatzen, obwohl das die Probleme nicht löst, sondern eher nur noch verschlimmert. Fadenscheinige Begründung: "Eine Budgetdeckelung ist nicht kontrollierbar." Die Kritiker fragen zurück: "Und was macht das Finanzamt? Ist das etwa keine Budgetkontrolle?"
 
In Malaysia haben die sechs in der Strategie-Gruppe vertretenen Rennställe (Red Bull, Ferrari, Mercedes, McLaren, Williams und Lotus) zusammen mit Bernie Ecclestone ein Schreiben an die FIA verfasst, in dem sie geschlossen eine Budgetdeckelung ablehnen und eigene Lösungen vorschlagen. "Williams und wir wurden dabei über den Tisch gezogen", ärgert sich Lotus-Chef Gerard Lopez.
 
Eigentlich sind beide Teams Befürworter einer Kostenbremse. Doch Williams wurde von Motorenpartner Mercedes weich geklopft und Lotus in Abwesenheit des Chefs damit geködert, dass bereits alle anderen Teams und Ecclestone unterschrieben hätten. Was zu dem Zeitpunkt nicht den Tatsachen entsprach.

Strategiegruppe kein Teil des Concorde Abkommens

Die von der Strategiegruppe ausgeschlossenen Teams wollen sich nun gegen die willkürliche Entscheidung der Privilegierten wehren. Einzige Ausnahme ist Toro Rosso. Die müssen das tun, was ihnen Red Bull vorgibt. Also Mitmachen um jeden Preis. Force India, Sauber, Caterham und Marussia haben gute Argumente in der Hand. Die Entscheidung der Strategiegruppe ist schon allein deshalb irrelevant, weil die FIA fehlte. Und die hätte laut den Statuten dabei sein müssen.

Zweitens ist die Strategiegruppe im neuen Concorde Abkommen nirgendwo verankert. Sie existiert in einem Vertrag zwischen den Rechteinhabern und der FIA, nicht aber mit den Teams. Deshalb könnte sie juristisch angefochten werden. Außerdem verstößt sie gegen das Wettbewerbsrecht der EU. Man muss sich wundern, dass sich Konzerne wie Mercedes, Ferrari und Honda darauf einlassen.

Kostengipfel steigt am 1. Mai

Die kleinen Teams haben hier ausnahmsweise einen Hebel in der Hand. Das wurde nun auch den großen bewusst. Deshalb haben sie einem Kostengipfel am 1. Mai zugestimmt. Dort sollen alle Teams zusammen mit der FIA und den Rechteinhabern nach Lösungen suchen, die Kosten zu begrenzen. "Vor diesem Termin wird es keine Aktionen von unserer Seite geben", beteuert Force India-Teamchef Bob Fernley. "Wir wollen einen Dialog und keinen Streit."

Die Stoßrichtung der reichen Teams ist jedoch bereits klar vorgezeichnet. Sie wollen sich weder ihr Budget noch ihre Personalstärke vorschreiben lassen. "Es macht keinen Sinn Regeln einzuführen, die von den drei großen Teams nicht unterstützt werden. Wer 800 Leute beschäftigt, wird nicht auf 500 herunterfahren", bedauert Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Er schlägt vor: "Wir müssen sinnvolle Begrenzungen über das Reglement finden. So wie einst die Parc fermé-Regel oder die Sperrstunde. Wir müssen zum Beispiel diskutieren, ob es vernünftig ist, während eines Rennwochenendes jeden Tag neue Teile einzufliegen oder im Vorfeld eines Rennens 24-Stunden-Schichten zu fahren." Der FIA schwebt eine Regel vor, dass während eines Jahres nur vier Upgrades ans Auto dürfen. Dazu zwei Spezialkits für Monte Carlo und Monza.

Regeländerungen sparen kein Geld

Wer mit jedem Dollar rechnet, wird dem Mercedes-Chef vorhalten, dass solche Maßnahmen nur Peanuts bringen. Oder die Kosten nach oben treiben, weil jeder versucht, die Einschränkungen zu umgehen. Bis jetzt hat kein Beschluss der unseligen Strategiegruppe die Kosten reduziert. Eher das Gegenteil ist der Fall. Weil die reichen Teams sich von ihren Vorteilen nicht trennen wollen.

Auch die Beschränkungen bei den Windkanalzeiten oder Computerkapazitäten haben nie wirklich Erleichterung gebracht. Sie werden entweder unterlaufen oder man findet Mittel und Wege, die wahren Zahlen zu verschleiern. Ein Vertreter eines kleinen Teams klagt an: "Wenn ich den Output der großen Teams sehe, dann ist das unmöglich machbar mit den vom Reglement erlaubten Grenzwerten."

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