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Streit um Kostenkontrolle

Unsinniges Machtspiel in prekärer Lage

Die besten Formel 1-Saison 2056 Foto: Archiv

Am 30. Juni sollen die Formel 1-Teams darüber abstimmen, ob der Weltverband in Zukunft die Kosten kontrolliert und bei Zuwiderhandlung entsprechende Teams bestraft. Die FIA will nach anfänglichem Zögern jetzt die Kosten-Polizei spielen. Der Weg dorthin ist steinig, weil einige Mitspieler die prekäre Lage immer noch nicht erkannt haben.

27.06.2012 Michael Schmidt

Mindestens sieben der zwölf Formel 1-Teams operieren auf einem schmalen Grat. Wenn ihnen nur ein Sponsor oder Mäzen wegbricht ist Sendepause. Das trifft selbst auf vermeintlich gesunde Teams wie Lotus, Williams, Force India oder Sauber zu. Vor diesem Hintergrund ist es ein Rätsel, warum die Teams immer noch über die Einführung einer Kostenkontrolle in das FIA-Sportgesetz streiten. In Valencia gab es eine zweite Sitzung aller Teamchefs und Technikdirektoren zu diesem Thema. Auch Bernie Ecclestone war dabei. Später trafen sich Ecclestone, FIA-Präsident Jean Todt und ausgewählte Teamchefs zu Einzelgesprächen. Alle mit dem Ziel, endlich eine gemeinsame Lösung für das Thema Kosten zu finden.

Formel 1 muss billiger werden

Der Streit kommt in einem denkbar ungünstigen Moment. Die Formel 1 befindet sich mal wieder in einer Phase, in der die Macht neu verteilt wird. Das neue Concorde Abkommen, das 67 statt 50 Prozent der Einnahmen an die Teams ausschütten soll, liegt für den finanziellen Part zwar unterschriftsreif auf dem Tisch, aber es ist noch nicht unterschrieben. Zum Beispiel von Mercedes nicht. Dort melden sich bereits wieder die Formel 1-Gegner im Konzern. Die versuchen Bernie Ecclestones Notlage zum Thema zu machen. Könne man mit einem Geschäfte machen, der der Bestechung verdächtigt wird, fragte die Compliance-Beauftrage des Hauses? Martin Whitmarsh von McLaren macht sich große Sorgen, dass sein Motorenpartner wegen der Ecclestone-Affäre abspringen könnte. Oder dass Sponsoren den Stecker ziehen. Umso wichtiger sei es, eine schnelle Lösung in der Kostenfrage zu finden.

Was im neuen Concorde Abkommen noch fehlt, ist eine Einbindung der FIA. Bernie Ecclestone wünscht sich beim Reglement mehr Mitspracherecht und er würde die Formel 1-Kommission gerne so umbesetzen, dass er Entscheidungen mit seinen Gefolgsleuten leichter durchdrücken kann. Wenn die FIA jetzt auch noch die Kosten kontrolliert, ist ihm das zunächst suspekt. Damit wildert der Verband in einem Bereich, der eigentlich sein Revier ist. Andererseits weiß Ecclestone zu genau, dass einige Teams finanziell auf der Kippe stehen. Die Kundenauto-Idee von Ferrari und Red Bull ist mittlerweile gestorben. Also muss er mit den Teams leben, die da sind. Neue sind nicht in Sicht. Die kommen nur, wenn die Formel 1 spürbar billiger wird. Im Prinzip ist Ecclestone an einer Kostensenkung gelegen. Je weniger die Teams ausgeben, umso weniger liegen sie ihm in den Ohren, dass sie mehr von seinem Kuchen haben wollen.

Wenn alles gut geht, stimmen am 30. Juni mindestens acht der zwölf Teams dafür, dass die FIA ab 2013 die Kosten kontrolliert und Verstöße bestraft. Das kann schlimmstenfalls zu Punktabzug oder dem Ausschluss aus der WM führen. Williams-Mitbesitzer Toto Wolff hält das für unabdingbar: "Es gibt jetzt schon wilde Gerüchte, wie manche Teams den aktuellen Kostenreduzierungsplan unterlaufen. Wir brauchen einen klaren Strafenkatalog als Abschreckung davor."

Das Kostenlimit würde für die kommende Saison dem so genannten Singapur-Abkommen folgen. Demnach dürfen die Teams nicht mehr als 315 Mitarbeiter für den Bau und den Einsatz der Autos beschäftigen und Fremdleistungen im Gegenwert von maximal 30 Millionen Euro einkaufen. Pro Jahr sind fünf Millionen Euro Investitionen gestattet. Es sind 60 Windkanalstunden pro Woche erlaubt, Computerkapazitäten von 40 Terabyte, wahlweise vier Tage Windkanalversuche mit dem Originalauto oder Aerodynamiktests. Aus Sicht der Hardliner ein viel zu lasches Gesetz. Aber sie würden damit leben können, wenn 2014 die Daumenschrauben fester gezogen werden.

Die FIA und die Teamchefs gaben deshalb den Technikdirektoren den Auftrag in die Hand, sich für 2014 Restriktionen einfallen zu lassen, die signifikant Geld sparen, den Teams aber die Möglichkeit lassen, nach individuellen Stärken zu gewichten. Zum Beispiel könnte dan Ferrari ein paar Testtage in Fiorano einlegen, wenn sie dafür Windkanalstunden oder Simulatorzeit aufgeben. Doch hier schon scheiden sich die Geister. Der Vorschlag, die Windkanalzeit auf 30 Stunden zu kürzen, wird von Lotus und Force India abgelehnt. "Ausgerechnet zwei Teams, die daran interessiert sein müssten Geld zu sparen", wird in Formel 1-Kreisen gespottet.

Red Bull verlangt, dass auch die Motorenabteilungen ein Kostenlimit verpasst bekommen. Da würden die Titelverteidiger sogar von einigen kleinen Teams Rückendeckung bekommen, die befürchten, dass ihnen die Motorenkosten mit den V6-Turbos ab 2014 über den Kopf wachsen. Da ist plötzlich von Preisen bis zu 23 Millionen Euro inclusive Hybridantrieb die Rede. Sauber bezahlt derzeit bei Ferrari neun Millionen für Motor und Kers. Pure bietet sein künftiges Paket für 14 Millionen Euro an unter der Voraussetzung, dass man mindestens drei Kunden bekommt. "Immer noch zu teuer", sagt Sauber-Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn. Mercedes-Sportchef Norbert Haug glaubt, dass die Kosten für die Teams in einem Zeitraum über fünf Jahre erträglich zu gestalten sind. "Wir reden dann immer noch von Preisen, wo manches Team weniger für die Motoren bezahlt als für die Fahrer." Jean Todt verspricht: "Ich werde dafür sorgen, dass die Rechnung bezahlbar bleibt." Er lässt keinen Zweifel offen. "Der V6-Turbo mit Hybridantrieb kommt. Es wird keinen Aufschub geben."

Todt hat sich in der Diskussion um die Kostenkontrolle lange zurückgehalten. Er hätte gerne, dass alle Teams einsichtig sind und an einem Strang ziehen. Doch seine Diplomatie hat Grenzen. Wenn etwas passieren soll, muss die FIA handeln. Red Bull wird alles versuchen, die Abstimmung platzen zu lassen. Der Titelverteidiger warnt davor, dass der Weltverband damit noch mehr Macht bekomme als er ohnehin schon hat. Man wundert sich, dass beispielsweise McLaren für offene Bücher und harte Bestrafungen ist.

Doch das zeigt nur, dass McLaren realistisch in die Zukunft blickt. Ab 2013 muss der Rennstall aus Woking bei Mercedes für die Motoren und für Kers bezahlen. Und der Vertrag mit Vodafone ist auch nicht auf alle Ewigkeiten in Stein gemeißelt. Würde der Telekommunikations-Gigant abspringen, hätte McLaren ein echtes Problem. Red Bull tut sich da leicht. Der Brausehersteller schiebt so viel Geld nach, wie es die Situation verlangt. Davor hat selbst Ferrari Angst. Die Gegner der Kostenkontrolle argumentieren, dass die FIA am 30. Juni nichts ohne ein Abnicken durch die Formel 1-Kommission beschließen könne. Das sieht Jean Todt anders. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass Regeländerungen für 2013 und darüberhinaus nicht an das im aktuellen Concorde Abkommen festgeschriebene Entscheidungsprocedere gebunden sind. Und ein neues gibt es noch nicht. Notfalls könnte die FIA in Zukunft seine Regeln auch ohne der Zustimmung der Teams ändern

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