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Streit um Kundenautos

Ecclestones Macht in Gefahr

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Monaco - Samstag- 23. Mai 2015 Foto: Wilhelm

Die Not vieler Teams hat die Frage nach Kundenautos neu entfacht. Doch Bernie Ecclestone und die Top-Teams haben unterschiedliche Vorstellungen. Es geht hier auch darum, wer in Zukunft die Macht im Formel 1-Geschäft hat.

28.05.2015 Michael Schmidt

Lange schob die Formel 1 das Schreckens-Szenario wie ein lästiges Übel vor sich her: Was passiert, wenn über Nacht plötzlich 3 bis 4 Teams aussteigen? Die aktuell wieder angespannte Finanzlage bei Lotus, Force India, Sauber und Manor hat jetzt zu einer gewissen Torschlusspanik geführt. Pessimisten glauben, dass noch in diesem Jahr 3 bis 4 Teams verschwinden könnten.

Das Concorde Abkommen sieht vor, dass die Top-Teams ein drittes Auto nachschieben müssten, wenn die Zahl der Starter unter 16 fällt. Zuerst Red Bull, Ferrari und McLaren. Dann Mercedes und Williams. Sonst würde Bernie Ecclestone bei den Veranstaltern vertragsbrüchig. Die betroffenen Teams wollen aber kein drittes Auto aufbieten. Weil das nach ihren Aussagen zwischen 20 und 35 Millionen Euro mehr kostet, und nicht geklärt ist, wer diese Kosten übernimmt.

Nebenkriegsschauplatz Fahrerlagerpässe

Also wird derzeit über den Einsatz von Kundenautos diskutiert. Allerdings mit gänzlich unterschiedlichen Vorstellungen. Bernie Ecclestone hätte gerne Einheitsautos, die von Red Bull oder Dallara gebaut werden. Und die bekommen dann den alten Renault V8 mit Kers ins Heck.

Mercedes, Red Bull, Ferrari und McLaren wollen lieber jeweils zwei ihrer aktuellen Autos an die notleidenden Teams verkaufen und sie so vom Konstrukteur zum Kunden umetikettieren. Diesen Plan findet Ecclestone nicht so toll.

Tatsächlich geht es bei dem Geplänkel vor allem um Machtansprüche. Ecclestone ist auf die großen Teams nicht mehr so gut zu sprechen. Und umgekehrt. Vordergründig geht es darum, dass der Formel 1-Boss den Teams wieder einmal die Fahrerlagerpässe und die Zugangsberechtigungen in die Startaufstellung gekürzt hat. Um mehr Paddock Club-Tickets zu verkaufen.

Mercedes und Ferrari wollen sich das nicht gefallen lassen. Zuletzt gab es einige unfreundliche Diskussionen mit Ecclestone. Weil plötzlich sogar Vorstandsmitglieder der Autokonzerne ohne Pass dastanden.

Kundenautos stärken Macht der Top-Teams

Das sind aber nur Äußerlichkeiten. Tatsächlich findet der Machtkampf auf einer größeren Bühne statt. Ecclestone merkt langsam, dass er sich mit der Strategiegruppe ein Plenum geschaffen hat, das die Formel 1 unregierbar macht. Und dass ihm die dort vertretenen Teams immer öfter in die Suppe spucken. Sie werden wohl auch seine Idee mit dem Comeback der Tankstopps abwürgen. Nach reiflicher Überlegung sind fast alle Teams nun wieder dagegen.

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene meinte in Monte Carlo spöttisch, dass die Macht der Teams begrenzt sei: "FIA und FOM haben je 6 Stimmen. Macht zwölf. Die Teams verfügen nur über sechs Sitze in der Strategiegruppe. Faktisch können wir immer überstimmt werden." Dann aber müsste sich Ecclestone mit FIA-Boss Jean Todt verbünden. Das scheint ihm im Augenblick genauso wenig verlockend.

Würden sich die Teams nun mit ihrer Kundenauto-Idee durchsetzen, würde das den Einfluss von Ecclestone weiter schwächen. Weil dann nur noch fünf Konstrukteure übrig bleiben. Die hätten ein noch stärkeres Druckmittel in der Hand.

Erstens: Sie verfolgen die gleichen Interessen. Nämlich auf keinen Fall sparen. Zweitens: Die armen Teams würden zu Filialen der reichen degradiert. Die das machen müssen, was ihnen der jeweilige Chassispartner vorschreibt. Drittens: Wenn einer der fünf Konstrukteure mit Ausstieg droht, kann man ihn nicht mehr in die Wüste schicken. So können die Teams Ecclestone und der FIA auf dem Kopf herumtanzen.

Diese Gefahr sieht auch Ecclestone. Bei seinem alternativen Kundenauto-Modell würde er die Zügel in der Hand halten. Weil er den Chassishersteller nach seinem Gutdünken aussuchen kann. Und ihm die Abnehmer aus Dankbarkeit aus der Hand fressen müssten. Dummerweise kommt die Not der kleinen Teams für Bernie zur falschen Zeit. Weil kein Hersteller über Nacht zehn Chassis bauen kann. Die großen Teams dagegen hätten jeweils zwei Ersatzchassis in der Hinterhand. Sie wären schnell einsetzbar.

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