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Super Aguri

"Ausstieg ist jammerschade"

Foto: Daniel Reinhard 50 Bilder

Franz-Josef Weigl war am Boden zerstört. Der Anruf von Super Aguri Geschäftsführer Daniele Audetto erreichte den Investor am Dienstag (6.5.) kurz nach dem Aufstehen. "Es ist aus. Die Politik hat gesiegt", sagte ihm der Italiener.

06.05.2008 Michael Schmidt

Um 9.11 Uhr verschickte Super Aguri die Pressemitteilung, dass der Formel 1-Rennstall mit sofortiger Wirkung zugesperrt werde. Weigl, der mit zwei weiteren Investoren das notleidende Formel 1-Team retten wollte, brachte zuerst nur drei Worte heraus. "Es ist jammerschade." Sein Konzept sei tragfähig gewesen, das Geld hätte am Ende keine Rolle gespielt, erzählte der Firmenchef aus Bayern.

Offizielle Begründung: Kundenauto-Streit

Als offiziellen Grund habe Honda die Angst vor dem Schiedsgerichtsverfahren in Sachen Kundenautos angegeben. Man wolle als Automobilhersteller da nicht mit hineingezogen werden. Force India klagt seit März 2007 gegen Super Aguri und Toro Rosso. Nach Meinung von Teamchef Colin Kolles hätten Super Aguri und Toro Rosso zu Unrecht Autos eingesetzt, die von einem anderen Hersteller bereitgestellt wurden. Das stehe im Widerspruch zum Concorde Abkommen. Deshalb stünden Force India die TV-Einnahmen früherer Jahre zu. Außerdem will der Kläger verhindern, dass die beklagten Teams bis Ende 2009 Geld aus Bernie Ecclestones Einnahmentopf abziehen. Eine erfolgreiche Klage könnte schlimmstenfalls in einem Startverbot und der Rückzahlung früherer Einnahmen resultieren.

Für Franz-Josef Weigl sind das Ausreden. Das Risiko, die Klage zu verlieren, habe schon bestanden, als man noch mit Magma und Dubai International Capital verhandelt hatte. Damals habe Honda-Geschäftsführer Nick Fry keinerlei Bedenken gehabt. Die Klage ist ja schon seit zwei Jahren anhängig. Unter den Umständen hätte Honda nie Kontakt zu einem Kaufinteressenten aufnehmen dürfen. Super Aguri und Weigl hatten sich noch in Barcelona mit Bernie Ecclestone über das Thema unterhalten. Der Formel 1-Chef sicherte den Betroffenen seine Hilfe zu. Deshalb riecht die Begründung mit dem Kundenauto-Streit eher wie eine billige Ausrede.

Fry als Schuldiger

Auch Weigl schließt sich Audettos Meinung an, dass ihm interne Politik den Traum vom eigenen Formel 1-Team verwehrt hat. "Nick Fry hat alles getan, dass unser Deal nicht klappt." Der Hintergrund: Fry Favorit Magma war kurz vor dem GP Spanien abgesprungen, was beim Honda-Vorstand sauer aufstieß, weil es noch 14 Tage zuvor von den arabischen Geldgebern mündliche Zusagen gegeben hatte. Intern wurde Fry für das Scheitern verantwortlich gemacht. Der erfolgreiche Abschluss mit einem anderen Interessenten, der noch dazu von Frys Widersacher Otmar Szafnauer betreut worden war, wäre für Fry ein weiterer Schlag ins Gesicht gewesen.

Weigl ist noch aus einem weiteren Grund enttäuscht. "Es ist ja nicht so, dass ich mich um Super Aguri bemüht hätte. Die sind zu mir gekommen und haben mich gefragt: Kannst du uns helfen?" Der erste Anruf von Audetto habe ihn schon im Januar erreicht. Seitdem habe man an einem Finanzierungskonzept gearbeitet. "Dann sind uns leider Herr Fry und Herr Leach von Magma dazwischengekommen", ärgert sich Weigl. Fry erwirkte für seinen alten Kumpel Martin Leach ein exklusives Verhandlungsrecht, um Mitbewerber aus dem Geschäft zu drängen.

Reduzierung des Starterfelds

Mit dem Tod von Super Aguri stehen beim GP Türkei am kommenden Wochenende erstmals seit Ende 2005 wieder nur 20 Autos am Start. In zwei Jahren könnten es 18 sein. Im Prinzip steht Toro Rosso vor dem gleichen Problem. Auch da wird ein Käufer gesucht, auch da steht noch die Klage von Force India an. Einziger Unterschied: Der Gerichtsstreit wird bis dahin entschieden sein.

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