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Super Aguri

Weigl bleibt optimistisch

Foto: Super Aguri

Am Dienstag (6.5.) entscheidet sich in Tokio das Schicksal von Super Aguri. Dann geht die Prüfung des Kaufangebots der Weigl Group aus Unterschleißheim durch den Honda-Vorstand in die zweite Runde.

05.05.2008 Michael Schmidt

Sollte Vorstandsmitglied Hiroshi Oshima grünes Licht geben, müssten die beiden Autos mit den Startnummern 18 und 19 per Luftfracht nach Istanbul gebracht werden. Die Trucks mit den Einrichtungen für die Boxen und den Ersatzteilen sind bereits seit Tagen in der Türkei. Doch Honda-Geschäftsführer Nick Fry hat die Autos in England zurückbehalten. Er behauptet, dass er Honda weitere Kosten ersparen wolle und nicht an die Durchführbarkeitkeit des Weigl-Plans glaube.

In Wahrheit will Fry vor allem sein Gesicht wahren. Trotz der prekären Situation gibt sich Kaufinteressent Franz-Josef Weigl weiter zuversichtlich: „Ich bin optimistisch, dass die Sache gut ausgeht. Unser Konzept ist tragfähig. Das wird auch Honda erkennen. Gehen Sie davon aus, dass SuperAguri in Istanbul antritt.“ Für Nick Fry käme ein Vertragsabschluss zwischen Weigl, SuperAguri und Honda einer Niederlage gleich. Er selbst ist mit seinem Partner Magma gescheitert.

Keine Verhandlungen mit Fry

Dazu kommt, dass die deutsche Investorengruppe um Weigl nicht mit ihm, sondern mit Honda-Sportchef Otmar Szafnauer verhandelte. Szafnauer ist für Fry ein rotes Tuch. Seit zwei Jahren versucht Fry den Amerikaner aufs Abstellgleis zu schieben, weil er ihn als Konkurrenz betrachtet. Im Gegensatz zu dem Marketingmann Fry ist Szafnauer im Rennsport groß geworden. Während Fry mit Honda in seiner Zeit als Teamchef durch Fehlentscheidungen ins Hinterfeld abgerutscht war, hat Szafnauer die japanischen Autofirma in sämtlichen Sitzungen der Hersteller vertreten und sich bei Reglementsfragen im Kreis der Autobosse einen guten Namen gemacht.

Super Aguri wäre schon im Winter gestorben, hätte Honda sich nicht von der englischen Magma Group und deren Märchen vom großen Geld aus Dubai breitschlagen lassen. Fry hatte den Deal mit der Magma-Chef Martin Leach eingefädelt. Leach bot mit Dubai International Capital (DIC) einen Investor an, der bereit gewesen sein soll, 100 Millionen Dollar für das Team zu bezahlen. Die Araber wollten zusätzlich 70 Millionen pro Jahr in den Unterhalt des Rennstalls pumpen. Weil die Offerte so attraktiv war, vertröstete Honda alle anderen Kaufinteressenten bis auf unbestimmte Zeit.

Fry grätscht dazwischen

Die kurzfristige Absage von DIC eine Woche vor dem GP Spanien verärgerte Honda derart, dass Super Aguri schon da vor dem endgültigen Aus stand. Schlimmer noch: Als sich plötzlich wieder die Alternative Weigl meldete, versuchte das Duo Fry/Leach den Eindruck zu erwecken, man könne die Investoren aus Dubai mit einem günstigeren Angebot und besseren Garantien in der Kundenauto-Frage vielleicht doch noch überzeugen. Das angeblich neu entfachte Interesse von DIC war nicht weiteres als eine Hinhalte-Taktik. Fry wusste genau, dass Super Aguri erledigt sein würde, falls das Team beim GP Spanien nicht antreten könne.

Aguri Suzuki und sein Geschäftsführer Daniele Audetto griffen deshalb zu einer Finte, um Zeit zu gewinnen. Sie ließen das Team nach Barcelona reisen und nahmen Kontakt zu Weigl auf. Suzuki wusste, dass ihm Honda in aller Öffentlichkeit nicht das Licht abdrehen würde. Honda weigerte sich lediglich, für das Rennen in Barcelona zu bezahlen. Die Geldspritze für den Renneinsatz kam dann aus Deutschland. Am Freitagmorgen um 2.30 Uhr, also siebeneinhalb Stunden vor dem ersten Training, gab es grünes Licht.

Entscheidung am Dienstag (6.5)

Drei Tage nach dem GP Spanien prüfte Honda das Angebot der Weigl-Gruppe. Das erste Treffen zwischen Aguri Suzuki und Hiroshi Oshima wurde auf Dienstag (6.5.) vertagt. Die größten Hindernisse auf dem Weg zu einer Einigung sind der Kaufpreis und die Garantien, die beide Seiten abzugeben haben. Die deutschen Investoren wollen laut Fry nur etwa 8,5 Millionen Euro für den Super Aguri-Rennstall bezahlen. Das wäre nur etwa ein Zehntel der Schulden, die Super Aguri bei Honda noch hat.

Doch Weigl steht auf dem Standpunkt: Warum für die Sünden der Vergangenheit bezahlen? Wenn Honda sein B-Team zusperrt, ist das Geld auch verloren. Fährt Super Aguri weiter, wahren alle ihr Gesicht. Aguri Suzuki und Takuma Sato sind in Japan Volkshelden. Honda kann sich die negative Presse, die im eigenen Land über sie hereinbrechen würde, ausmalen, wenn man Suzuki und Sato den Formel 1-Platz wegnehmen würde. Deshalb setzt Weigl voll auf die japanische Identität. „Suzuki und Sato sind gesetzt.“

Finanzierungskonzept steht

Die Weigl Group macht als Zulieferer der Automobilindustrie im Jahr rund 160 Millionen Euro Umsatz. Da ist die Frage erlaubt, wie ein Mittelständler ein Formel 1-Team unterhalten will. „Erstens stehe ich nicht allein da“, antwortet Weigl. „Es gibt Finanzpartner, die aber nicht genannt werden wollen. Zweitens haben wir ein Konzept, wie wir das Team bis Ende 2009 vernünftig finanzieren.“ Ab 2010, wenn die Teams ihre Autos wieder selbst bauen müssen, brauche allerdings auch Super Aguri einen Sponsor, räumt Weigl ein.

Sein Plan beinhaltet Gratismotoren von Honda, und die Bereitstellung des Chassis. Sämtliche mechanischen Teile kann Weigl selbst herstellen. Er ist bereits seit drei Jahren Lieferant mehrerer Formel 1-Teams für Getriebeteile. Zu dem Finanzierungskonzept gehören auch die rund 30 Millionen Dollar, die es für den zehnten Platz im Konstrukteurspokal aus Bernie Ecclestones Einnahmentopf zu erwarten gibt. Dass er das in diesem Jahr noch schafft, davon ist Weigl fest überzeugt. Spätestens ab dem GP Deutschland soll das Vorjahreschassis von Honda gegen eine Kopie des aktuellen RA108 ausgetauscht werden.

Ecclestone als Berater

„Dass Sato in die Punkte fahren kann, wenn er das richtige Auto hat, haben wir in Barcelona gesehen. Da lag Takuma mit dem alten Auto zeitweise an neunter Stelle“, lobt Weigl. Die Deutschen haben auch die Unterstützung von Bernie Ecclestone. Es war der Formel 1-Chef, der Aguri Suzuki und Franz-Josef Weigl geraten hat, mit ihrem Plan an die Öffentlichkeit zu gehen. Weigl wollte sich bis zu einem Vertragsabschluss im Hintergrund halten, weil er fürchtete, dass ein Scheitern geschäftsschädigend sein könnte.

Fakten schaffen, nennt man Ecclestones Vorstoß. Über den Druck des öffentlichen Interesses sollen die Störversuche von Nick Fry lahmgelegt werden. Die Kaufinteressenten aus Deutschland haben bereits durchblicken lassen, dass sie mit Fry nichts zu tun haben wollen. Ihr Ansprechpartner ist Szafnauer. Ecclestone ist am Überleben von Super Aguri aus zwei Gründen interessiert. Erstens will er weiter 22 Autos im Feld. Und zweitens hätte der Tod eines Privatteams möglicherweise eine negative Signalwirkung. Im nächsten Jahr könnte es bereits Toro Rosso treffen, falls sich kein geeigneter Käufer findet.

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