6 Ausgaben testen + attraktive Prämie sichern!

6 Ausgaben auto motor und sport mit 25% Preisvorteil zum Preis von nur 17,60 € (ggf. zzgl. 1 € Zuzahlung) testen.

Dazu eine unserer zahlreichen attraktiven Prämien sichern!

Weitere Infos und Bestellung HIER!

Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Taktik-Check GP Bahrain

Mercedes verspielt drei Chancen

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Bahrain 2017 - Rennen Foto: sutton-images.com 61 Bilder

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen dem GP Australien und dem GP Bahrain? Ja, es gibt sie. Ferrari war auf den weichsten Reifen schneller als Mercedes. Trotzdem gab es für Mercedes drei Siegchancen. Sie wurden nicht genutzt.

19.04.2017 Michael Schmidt 1 Kommentar

Die Rennstory des GP Bahrain kam einem bekannt vor. Sie erinnerte an den GP Australien. Obwohl Melbourne ein Einstopprennen war und in Bahrain nur zwei Reifenwechsel zum Sieg führten. Doch beide Male gingen zwei Mercedes mit Sebastian Vettel im Sandwich in Führung. Und beide Mal drehte sich die Reihenfolge bei ersten Boxenstopp um. „Eines unserer Probleme war, dass Vettel in der ersten Kurve auf Platz zwei lag“, analysierte Teamchef Toto Wolff. Im Rückblick muss man sagen: Und dass mit Valtteri Bottas der falsche Mann in Führung ging. Damit war Mercedes verwundbar.

In Melbourne machte Mercedes den Undercut und verlor. In Bahrain war es Ferrari und gewann. Es wäre falsch von einem taktischen Fehler zu sprechen. Mercedes kämpfte in der Anfangsphase der beiden Rennen mit stumpfen Waffen. Ferrari hatte das schnellere Auto. Das erlaubt es den Strategen offensiv zu taktieren. Weil das schnellere Auto meistens gewinnt, egal ob man früher oder später stoppt. Der Gegner ist zwangsläufig immer in der Defensive. Außer der eine Mercedes-Fahrer bekäme durch den anderen Rückendeckung. Das war beide Male nicht der Fall.

Vettel in eine 5-Sekunden-Lücke geschickt

Der Unterschied zum Saisonauftakt ist, dass Mercedes in Melbourne genau eine Chance hatte. Man hätte dort Lewis Hamilton länger auf der Strecke lassen können. Sie Sorge, seine Reifen könnten total einbrechen, war unbegründet. In Bahrain spielte das Rennen Mercedes drei Chancen zu. „Und wir haben keine von ihnen richtig genutzt“, heißt es im Team.

Chance Nummer 1: Spitzenreiter Valtteri Bottas war ursprünglich auf einen Boxenstopp in Runde 11 verplant. Die Runde, in der Vettel an die Box ging. Doch der Finne fuhr unerwartet langsam. Wegen eines Problems mit den Reifenheizdecken waren die Luftdrücke zu hoch. „Es hat uns ein paar Zehntel gekostet, war aber nicht entscheidend“, sagen die Ingenieure. „Vettel wäre auch so schneller gewesen.“ Mercedes ließ Bottas zwei Runden länger auf der Strecke, um zu sehen, ob sich die Reifenprobleme durch andere Fahrweise ändern.

Der Undercut war mit einem gewissen Risiko behaftet. Ferrari schickte Vettel in die größte Lücke, die sich in dem Feld bis dahin aufgetan hatte. Zwischen Sergio Perez und Jolyon Palmer lagen 5,2 Sekunden Abstand. Dort fiel Vettel auch rein. Er holte aber so schnell auf, dass er schon nach einer Runde 3 Autos vor der Nase hatte. Vettel fertigte Perez, Sainz und Hülkenberg innerhalb von 5 Kilometern ab und fuhr dabei auch noch die bis dahin schnellste Runde.

Boxenstopp-Panne kostet Bottas die Führung

Das brachte Vettel in eine komfortable Position. Er lag virtuell in Führung, als das Schicksal den Silberpfeilen eine zweite Chance zuspielte. Das Safety-Car ging auf die Strecke. Bei 18,1 Sekunden Vorsprung wäre Bottas wieder als Spitzenreiter auf die Strecke zurückgekommen. Doch der Boxenstopp dauerte 3,6 Sekunden länger als üblich. Die Schlagschrauber hatten wegen eines Stromausfalls zu wenig Saft.

Es hätte immer noch reichen können. Vettels Gegner an diesem Tag war nicht Bottas, sondern Lewis Hamilton. Ausgerechnet der machte den Fehler, Daniel Ricciardo in der Boxengasse zu stark aufzuhalten, um nicht hinter Bottas auf den Reifenwechsel warten zu müssen. Hamilton weiß aus den Strategiesitzungen, dass er in so einem Fall 5 Sekunden Platz schaffen muss. Doch weil er erst bei 4,7 Sekunden lag und Bottas wie angeschraubt in seiner Parkposition stand, bremste der Engländer in der Boxengasse zu stark ab. Das ist verboten. Für eine Warnung aus der Box reichte die Zeit nicht mehr. „Dort, wo es Lewis gemacht hat, wäre jeder Funkspruch zu spät gekommen.“

Ferrari hält die Reifen besser in Schuss

Die 5-Sekunden Strafe beim nächsten Boxenstopp machten die Aufgabe von Hamilton doppelt schwierig. Weil er auch noch hinter Bottas viel Zeit verlor. Mercedes wollte seinen Neuzugang nicht gleich zur Seite scheuchen, sondern gab ihm die Chance, das Tempo anzuziehen. Bottas wurde schneller, aber nicht schnell genug. In Runde 27 kam der endgültige Befehl zum Platzmachen. Allein im zweiten Stint verlor der Trainingsschnellste 8,3 Sekunden auf Vettel. Auch der zweite Satz Supersoft zeigte starke Tendenzen an der Hinterachse zu überhitzen.

Hamilton war zu Testzwecken mit einer Garnitur Soft in den Mittelabschnitt geschickt worden. Solange er hinter seinem Teamkollegen fuhr, verlor er in 10 Runden 4,8 Sekunden auf Vettel. Kaum hatte er freie Fahrt, holte er sich in 6 Runden wieder 2,0 Sekunden zurück.

Geht man schlimmstenfalls davon aus, dass Hamilton die ersten 10 Runden keine Zeit auf den Ferrari verloren hätte, betrug sein Zeitverlust mit der Strafe rund 10 Sekunden. Die Mercedes-Strategen trauten sich zu sagen: „Ohne die Strafe wäre es ein ganz enges Rennen geworden.“ Wir behaupten: Wäre er gleich an Bottas vorbeigekommen, wahrscheinlich noch mehr.

Gegen einen Gegner wie Ferrari ist eine Panne schon zu viel. Diesmal kamen viele kleine Pannen zusammen, wie Toto Wolff vorrechnete. Trotzdem steht und fällt alles mit dem Renntempo. Und da gilt das Fazit von Ferrari-Technikchef Mattia Binotto: „Wir waren auf den Qualifikations-Reifen schneller als Mercedes. Das lag an der geringeren Reifenabnutzung.“

Lieber alte Softs als neue Supersofts

Dieses Problem könnte für Mercedes zum Sargnagel werden, wenn es nicht schnell gerlöst wird. Und da sind wir wieder bei den Gemeinsamkeiten mit Melbourne. Die Silberpfeile strapazieren in der Anfangsphase mit vollen Tanks die im Q2 angefahrenen Reifen zu stark. Die protestieren mit Überhitzen und Gripverlust. In Bahrain ging diese Tendenz auch im zweiten Stint mit frischen Supersoft-Reifen weiter.

Erkenntnis der Techniker: „Ferrari bringt die Reifen auf eine andere Arbeit zum Arbeiten als wir. Wir dachten, wir hätten das nach Melbourne verstanden. Die Asphalttemperatur im Rennen war nicht wahnsinnig hoch. Somit fühlten wir uns auf der sicheren Seite. Die Wahrheit sah anders aus. Vettel war auf den Supersofts einfach besser.“

Es spricht Bände, wenn Mercedes Hamilton im letzten Stint lieber einen angefahrenen Satz Soft statt einer neuen Garnitur Supersoft auf die Reise gibt. „Der zweite Stint von Lewis hat gut funktioniert. Das Risiko, noch einmal auf Supersoft zu gehen, war nach den schlechten Erfahrungen von Valtteri auf dem zweiten Satz Supersoft zu groß.“

Tatsächlich ist Hamilton im Finale geflogen. Innerhalb von 15 Runden verkürzte er den Abstand von 19,0 auf 6,6 Sekunden. Die Mercedes-Ingenieure relativieren. „ Wir wissen nicht, in wieweit er mit uns spielte. Zum Schluss hat er das Tempo wieder angezogen.“ Vermutungen, Mercedes habe kurz über ein Einstopprennen nachgedacht, sind aus der Luft gegriffen. Hamilton musste den Mittelstint nur deshalb bis zur 41. Runde hinauszögern, um sicherzugehen, dass er im Schluss-Stint jede Runde Attacke machen kann.

Nur Williams plante mit zwei Mal soft

Die neuen Pirelli-Reifen prägen das Bild der Rennen. Auch der GP Bahrain war viel übersichtlicher als die Rennen in der Vergangenheit. Es gab lediglich 31 statt 53 Boxenstopps. Nur die Sauber-Piloten probierten es mit einem Reifenwechsel. Aus Sicht des Schweizer Teams die einzig richtige Taktik. Wenn das Auto den Speed nicht hat, muss man etwas anderes machen als die Konkurrenz. Pascal Wehrlein setzte die Aufgabe brillant um. Mit zwei Boxenstopps wäre er vermutlich nicht Elfter vor Daniil Kvyat und Jolyon Palmer geworden.

Insgesamt 4 Fahrer orientierten sich an der Taktik des Siegers. Sebastian Vettel, Valtteri Bottas, Kimi Räikkönen, Sergio Perez und Romain Grosjean fuhren die Reifenfolge supersoft-supersoft-soft. Red Bull und Renault träumten von einem Einstopprennen und gaben Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg einen Satz Soft für den Mittelstint mit.

Als klar wurde, dass ein Stopp eine Illusion ist, verkehrte sich die Reifenwahl in ein Handikap. „Der Soft-Reifen ist hinter dem Safety-Car so stark abgekühlt, dass mich danach die Gegner reihenweise überholt haben“, klagte Ricciardo. Es wäre klüger gewesen, sich mit den Supersoft-Reifen die Position auf der Strecke abzusichern, bis das Feld weiter aufgefächert sein würde. Dann hätte man ohne das Risiko in der Aufwärmphase überholt zu werden, den Soft-Gummi einstreuen können.

Der Soft-Reifen an zweiter Stelle hat eigentlich nur für Lewis Hamilton und Felipe Massa funktioniert. Der Williams-Pilot blieb den gelb markierten Sohlen bis zum Ende treu. Während das bei Hamilton aus der Not heraus geboren wurde, war es bei Williams ein Plan. „Wir haben uns als einziges Team zwei frische Satz Soft aufgeben, um strategisch mehr Optionen zu haben“, erklärte Technikchef Paddy Lowe.

Neuester Kommentar

die reifenprobleme erinnern ein wenig an die von RB 2013:
http://www.motorsport-total.com/f1/news/2013/05/Reifenprobleme_Macht_sich_Red_Bull_absichtlich_langsamer_13050402.html

misterX_ 19. April 2017, 13:14 Uhr
Neues Heft
Neues Heft auto motor und sport, 20/2017, Heftvorschau
Heft 20 / 2017 14. September 2017 162 Seiten Heftinhalt anzeigen Jetzt für 3,90 € kaufen Artikel einzeln kaufen
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden