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Taktik-Check GP Belgien

So kam Hamilton nach vorn

Lewis Hamilton - GP Belgien 2016 Foto: sutton-images.com 62 Bilder

Der GP Belgien lebt von zwei Fragen. Wer gewinnt? Und wie weit kommt Lewis Hamilton aus der letzten Startreihe nach vorne? Nico Rosberg gewann mit der besten Strategie. Bei Hamiltons Aufholjagd halfen Safety-Car und rote Flagge mehr als der Startcrash.

30.08.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar

Es war ein verrückter GP Belgien. Mit Startcrash, VSC-Phase, Safety-Car, roter Flagge und 34 echten Boxenstopps unter Rennbedingungen. Daraus resultierten 12 unterschiedliche Strategien. Nur Nico Rosberg, Daniel Ricciardo und Fernando Alonso schafften es mit 2 Boxenstopps über die 44 Runden. Die Plätze 1, 2 und 7 dokumentieren, dass diese Taktik die beste war. Auch bei Alonso, der vom letzten Startplatz losfuhr.

Der schnellste Weg zum Ziel war der von Rosberg: Soft-medium-medium. Das war nach Ansicht der Mercedes-Strategen auch der Grund, warum die Siegesfahrt des WM-Zweiten so dominant ausfiel. Was nach dem knappen Vorsprung in der Qualifikation nicht zu erwarten war. „Ricciardo verliert mit seinem Soft-Reifen im Mittelteil substantiell Zeit auf Nico. Der Medium-Reifen war nach 12 Runden der deutlich schnellere Rennreifen.“

Rosbergs Rennen wurde vom Start weg auf diese Reifenfolge abgestimmt. Da änderte auch die Rennunterbrechung nichts daran. „Bei uns war von Anfang an klar, dass wir die Supersoft nicht fahren wollten“, erklären die Strategen.

„Die anderen Teams haben während des Rennens gespürt, dass sie mit dem Supersoft auf dem falschen Dampfer waren. Wer in einen Grand Prix mit der Absicht geht, den Supersoft oft zu fahren und dann einen Rückzieher macht, hat ein Handikap. Je mehr sich das Wochenende zu Gunsten der harten Reifen und kühlerer Bedingungen bewegte, umso mehr fiel es in unsere Hände.“

Ein anderer Mercedes als am Freitag

Lewis Hamilton und Fernando Alonso waren auf der härtesten Reifenmischung gestartet und zeigten schon früh, dass der Medium besser war als sein Ruf. Nach Meinung von Experten hatte das seinen Grund in den hohen Asphalttemperaturen.

„Die Streckentemperatur ist nicht gefallen, obwohl die Lufttemperatur hinter den Wolken um 5 bis 10 Grad runterging. Der Belag hätte schon in die niedrigen 30er Bereiche abkühlen müssen, damit der Soft der bessere Reifen gewesen wäre.“

Mercedes war noch aus einem zweiten Grund im Rennen besser als bei den Longruns am Freitag. Nico Rosberg hatte bereits angedeutet, dass man am ersten Trainingstag mit der Abstimmung noch „meilenweit“ danebenlag.

Die Ingenieure bestätigten das: „Das Auto, das wir am Sonntag hatten, war weit weg von dem am Freitag. Wir hatten echt Probleme. Wir haben das Auto vor dem dritten Training massiv umgebaut und danach noch einmal, weil die Longruns immer noch nicht unseren Vorstellungen entsprachen. Wir haben die Hinterreifen zerstört. Deshalb mussten wir das Auto darauf abstimmen, die Hinterreifen zu schützen. Das hat uns am Sonntag geholfen.“

Der Computer erwartete Platz 8 für Hamilton

Rosberg hat seinen Pflichtsieg mit einem perfekten Rennen abgewickelt. Bei Hamilton lag der Fall anders. Der Computer erwartete bei einem normalen Rennen Platz 8. Das Team hat seinem Fahrer die Prognose erst nach dem Rennen verraten, um ihn nicht zu demotivieren.

Die Optimisten im Team rechneten maximal mit dem sechsten Platz. Und dafür kam nur ein Dreistopp-Rennen in Frage. Mit dem Medium-Reifen am Start und dann je nach Lage der Dinge drei weitere Stints, wobei am Ende zunächst der Soft-Reifen eingeplant war.

Mercedes ging davon aus, dass Ricciardo, Rosberg, Ferrari und Force India es mit 2 Stopps probieren würden. Verstappen und Williams dagegen mit 3 Stopps. Um Hamilton antizyklisch fahren zu lassen, musste er auf dem härtesten Reifen ins Rennen gehen.

„Er ist widerstandsfähiger, besser wenn das Auto schwer ist und besser, wenn er sich durch den Verkehr kämpfen muss. Und er hat uns gegen hohe Risiken abgesichert, wie zum Beispiel einem Safety-Car bis Runde 15.“

So kam es dann auch. Nur der Startcrash war nicht in der Rechnung. Er schaffte dem Weltmeister Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen und Max Verstappen aus dem Weg. An denen wäre er bei seiner Fahrt durch das Feld wahrscheinlich hängengeblieben. Wenn man bedenkt, dass er 7 Runden Anlauf brauchte, um an Nico Hülkenberg vorbeizukommen.

Rote Flagge war Hamiltons bester Mitspieler

Unter dem Strich aber hat die Trilogie von VSC-Phase, Safety-Car und roter Flagge dem Engländer mehr geholfen als die Konfusion beim Start. Acht Fahrer wickelten ihren ersten Boxenstopp bereits ab, bevor der Grand Prix um 17 Minuten unterbrochen wurde. Die fielen nicht nur alle hinter Hamilton, sie verloren dadurch auch ihren relativen Vorsprung auf den Mercedes-Piloten und durch den Abbruch auch ihren Reifenvorteil.

Beim Re-Start stand Hamilton auf frischen Gummis auf Platz 5 vor einer ganzen Reihe Fahrer, die er sonst hätte überholen müssen. Entweder durch einen langen ersten Stint auf dem Medium-Reifen oder auf der Strecke. Doch das war schwierig.

Hamilton hat auf seiner Fahrt von Platz 21 auf Rang 3 nur 5 Fahrer überholt. Zwei Mal Hülkenberg, je ein Mal Alonso, Kvyat und Ocon. Mercedes glaubt: „Bei einem normalen Rennen hätte Lewis die Ferrari am Ende attackieren können. Wir hatten sie etwas schwächer als Ricciardo auf unserer Rechnung.“ Ferrari-Rennleiter Maurizio Arrivabene widerspricht: „Bei einem normalen Rennen wären beide Fahrer auf dem Podium gelandet.“

Hamilton hatte kleine Chance auf Platz 2

Ein Sieg wäre für Hamilton zu keiner Zeit möglich gewesen, rechneten die Simulations-Programme von Mercedes aus. Vielleicht Platz 2. „Da standen aber 2 Probleme im Weg. Ein schlechter zweiter Stopp, weil sich hinten der Wagenheber nicht lösen wollte und der erste der beiden Stints auf dem Soft-Reifen, der zu langsam war. Die Reifen haben in den letzten zu stark abgebaut, weil Lewis zu viel im Verkehr gefahren ist.“

Als Mercedes dem Auto mit der Startnummer 44 für den letzten Abschnitt wieder Medium-Reifen mit auf die Reise gab, beschwerte sich der Mann im Cockpit. Die Ingenieure sehen es ihrer Primadonna nach: „Wir wollten ihm Medium-Reifen geben, und er wollte Soft. Die Daten sprachen aber ganz klar gegen Soft. Um Ricciardo noch anzugreifen, brauchten wir einen Reifen, der durchhält. Der Soft hätte das nie geschafft. Lewis hatte keine Daten, nur sein Gefühl. Da sind Daten einfach verlässlicher.“ Hamilton leistete nach dem Rennen Abbitte: „Die Entscheidung war richtig. Ich hatte im Auto nicht das ganze Bild.“

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Sehr schöne Analyse! Immer wieder gut zu lesen

PeterSchlosser 30. August 2016, 15:00 Uhr
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