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Taktik-Check GP China 2016

Doppelte Absicherung gegen Ferrari

Kimi Räikkönen - GP China 2016 Foto: xpb 62 Bilder

Beim GP China setzte sich ein Trend fort. Die Teams versuchen sich mit unterschiedlichen Strategien auszutricksen. Diesmal führten 14 Wege zum Ziel. Im Gegensatz zu den ersten beiden Grand Prix gab es einen klaren Favoriten. Sieger Nico Rosberg wählte gegen Ferrari Plan B.

20.04.2016 Michael Schmidt

Die neue Reifenregel erfüllte auch im dritten Rennen des Jahres ihr Ziel. Sie schafft Bewegung im Feld, viele unterschiedliche Strategien verbunden mit unterschiedlichem Speed der Autos und damit auch vielen Überholmanövern. 66 Boxenstopps sind Saisonrekord. 128 Überholmanöver auch. 15 Fahrer wählten 3 Stopps, vier waren mit 2 Reifenwechsel unterwegs, zwei mit vier und Lewis Hamilton notgedrungen mit fünf. Insgesamt wurden 14 unterschiedliche Reifen-Sequenzen ausprobiert. Auf dem Papier ergaben zwei oder drei Stopps fast die identische Rennzeit.

Den Unterschied machte diesmal die Abfolge der Reifen. Anders als bei den Grand Prix von Australien und Bahrain gab es einen klaren Favoriten. Mit Daniil Kvyat, Daniel Ricciardo, Carlos Sainz, Valtteri Bottas, Sergio Perez und Kevin Magnussen entschieden sich gleich 6 Piloten für die Reifenfolge Supersoft-soft-soft-medium. Vier davon landeten in den Punkterängen. Man könnte sagen: Das war die logische Strategie.

Vettel setzt auf Risiko, Rosberg reagiert

Der Sieger und der Zweite waren alternativ unterwegs. Was auch daran lag, dass ihnen das Renngeschehen die Taktik diktierte. Sebastian Vettel blieb trotz des Unfalls in der ersten Kurve, trotz der SafetyCar-Phase und trotz seines beschädigten Autos seiner Risiko-Strategie treu. Mit Supersoft-supersoft-soft-soft setzte er voll auf die weichen Reifen. "Wir hätten auch bei einem normalen Rennen nichts anderes gemacht." Die Statistik zeigt, dass Ferrari aus seiner Sicht richtig taktiert. Vettel konnte mit den Supersofts am längsten fahren. Insgesamt 13 Runden.

Der Speed-Vorteil von Mercedes zwingt Ferrari derzeit noch dazu, mit den weichen Reifenmischungen zu pokern. In der Hoffnung, dass Mercedes mit den Superklebern über die Distanz ein Problem bekommt und deshalb lieber auf die härteren, weniger schnellen Varianten ausweicht. Tatsächlich geben die Mercedes-Strategen zu: "Der Reifen, der uns das meiste Kopfzerbrechen bereitet, ist der Supersoft. Mit dem Medium können wir wunderbar leben."

Der Medium-Gummi ist dagegen der Schrecken der Konkurrenz. Red Bull mal ausgenommen. Die Mercedes-Experten erklären warum: "Wir haben das beste Auto. Es bringt die Reifen zum Arbeiten. Für uns ist der Medium-Reifen ein gutes Produkt, der Supersoft dagegen kritisch." Doch warum haben dann in Shanghai so viele Fahrer ab Hälfte der Distanz auf den Medium-Gummi umdisponiert? Einfache Antwort: "Sie wurden zum Medium-Reifen gezwungen, weil sie sich nicht genügend Soft-Reifen aufgehoben hatten. Und sie brauchten auch bei einem Dreistopp-Rennen einen langen Stint."

Warum startete Rosberg auf Soft-Reifen?

Tatsächlich hatten sich nur Mercedes und Manor jeweils 3 Sätze frische Soft-Reifen für das Rennen aufgehoben. Nico Rosbergs Taktik war schon nach der Qualifikation zu ahnen. Mercedes wollte, dass er auf dem Soft-Reifen startet. Aus zwei Gründen. "Er ließ uns die Option, zwischen 2 und 3 Stopps zu wählen. Und dieser Reifentyp schützt dich bei einem frühen Safety-Car. Du kannst draußen bleiben. Die auf Fahrer mit Supersoft-Reifen hatten keine andere Wahl, als in der Safety-Car-Phase Reifen zu wechseln."

Für Rosberg gab es beim Start zwei Szenarien. Entweder er fällt hinter die Ferrari, oder er bleibt vor ihnen. Die Ferrari-Kollision und das Safety-Car hatte natürlich keiner auf der Rechnung. Bei einem schlechten Start hätten Rosberg nur warten müssen, bis die Supersoft-Fahrer zum Boxenstopp kommen. Das wäre bei normalem Rennverlauf in den Runden 8 bis 10 passiert. Schon ab der sechsten Runde hätte der Soft-Reifen schnellere Rundenzeiten ermöglicht.

Da Rosberg nach Daniel Ricciardos Reifenschaden in der dritten Runde in Führung ging und immer vor den Ferrari lag, kam Plan B zum Einsatz. "Wir konnten die Stints verlängern und sind so bei einem Zweistopp-Rennen gelandet. Bei Vettel war dann schnell klar, dass es auf 3 Stopps hinauslaufen würde. Wir hatten zu dem Zeitpunkt immer noch die Wahl zwischen 2 oder 3 Stopps. Es hätte keinen Unterschied für Nico gemacht. Notfalls hätten wir zwischendurch einen Supersoft eingestreut. Der Medium-Reifen war am Ende eine gute Absicherung."

Berichten, Rosberg wäre an der Spitze mit angezogener Handbremse gefahren, widersprechen die Mercedes-Ingenieure: "Er hatte vielleicht noch 2 Zehntel pro Runde in der Hinterhand. Das Problem in Shanghai ist, dass die Reifen aus dem Arbeitsfenster fallen, wenn du zu langsam fährst."

Es fällt bei den Aussagen aus dem Mercedes-Lager auf, dass man sich immer noch hauptsächlich auf Ferrari konzentriert. Vielleicht sollte man demnächst auch Red Bull auf der Rechnung haben. Ein Mercedes-Mann gibt zu: "Ricciardos Stint am Ende des Rennens war sehr beeindruckend." Der Australier verlor auf Medium-Reifen über 19 Runden zwar 5 Sekunden auf Rosberg, fuhr aber ständig im Verkehr. Der Sieger dagegen hatte meistens freie Fahrt.

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