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Taktik-Check GP Italien 2016

Mercedes mit jeder Strategie schnell

Nico Rosberg - GP Italien 2016 Foto: Wilhelm 67 Bilder

Der GP Italien wurde nicht über die Taktik gewonnen. Was für Mercedes die beste Strategie war, hätte bei Ferrari und Red Bull nicht so gut funktioniert. Ferrari hätte seine Taktik aber splitten können. Um Mercedes ein bisschen zu ärgern.

06.09.2016 Michael Schmidt

Wer so überlegen ist wie Mercedes in Monza, der kann mit jeder Taktik gewinnen. Mercedes wählte von Anfang an ein Einstopp-Rennen. Und änderte den Plan auch nicht, als Lewis Hamilton beim Start auf den 6. Platz abstürzte.

„Es wäre schwierig geworden, die Ferrari mit Undercuts zu schlagen.“ Sein Speed reichte aus, so nah an die Ferrari heranzufahren, dass Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen beim zweiten Reifenwechsel automatisch hinter den zweiten Mercedes fallen mussten.

Hamilton musste auf der Strecke gar nicht viel tun. Er überholte Daniel Ricciardo in der zweiten und Valtteri Bottas in der elften Runde. Das war‘s. Am liebsten hätte der Weltmeister den Williams schon eher attackiert, doch seine Strategen rieten am Funk davon ab.

„Wir haben ihm gesagt, dass er Bottas nicht mit aller Macht angreifen soll. Warte bis Runde 10, dann kriegt er Probleme mit seinen Supersofts. Das hatte sich schon am Freitag angedeutet. Für Lewis muss es schlimm gewesen sein, sich zurückzuhalten. Er ist ein Racer. Aber es war der beste Weg seine Reifen für spätere Attacken zu schonen. Er überholte Bottas exakt in dem Augenblick, indem er es ohne großes Risiko tun konnte.“

Hamilton mit schlechtem Start in Formationsrunde

Doch was war beim Start passiert? Hamiltons Mercedes produzierte schon nach wenigen Metern viel Schlupf. Am Kommandostand ahnte man bereits vor dem Start, dass der Trainingsschnellste ein Problem bekommen würde.

„Es hatte sich beim Probestart in die Formationsrunde angedeutet. Früher hätten wir noch technisch reagieren können. Das erlauben die Regeln nicht mehr. Der Fahrer muss sich beim Rennstart darauf entsprechend einstellen. Lewis ist nicht genug in diese Richtung gegangen.“

Während Nico Rosberg an der Spitze eine Lücke zum Feld schaffte und dann sein Tempo den Verfolgern anpasste, musste Hamilton aufholen und gleichzeitig auf seine Reifen aufpassen. Kaum war er an Bottas vorbei, klagte er am Funk, dass ihm die Hinterreifen einbrechen.

An der Boxenmauer blieb alles cool. „Wir haben an den Daten gesehen, dass seine Reifen noch in Ordnung waren. Er konnte bis zu seiner Zielrunde fahren. Zu dem Zeitpunkt war er sogar schneller als Nico.“

Zu Beginn des zweiten Stints gab Hamilton noch einmal Gas. Er verkürzte den Rückstand auf Rosberg von 11,4 auf 9,5 Sekunden. Dann war sein Widerstand gebrochen. „Du kannst mit diesen Reifen nicht Qualifikationsrunden am Stück fahren“, klagte der Titelverteidiger.

Auch von hinten drohte keine Gefahr. Sebastian Vettel verkürzte seinen Rückstand zwar noch von 18 auf 6 Sekunden, doch das lag daran, dass Hamilton nur noch auf Ankommen fuhr und die Ferrari im Finale die weicheren Reifen am Auto hatten.

Nur 5 Fahrer mit Einstopp-Taktik

Obwohl Mercedes am Ende mit Medium-Reifen unterwegs war und Ferrari mit Soft, konnten die Verfolger kaum Kapital aus dem Reifenvorteil schlagen. Kimi Räikkönen war in seiner schnellsten Rennrunde nur 3 Zehntel besser als Hamilton. Dafür verbrachte Räikkönen 25 und Vettel 27 Sekunden mehr in der Boxengasse als die Mercedes.

Das wirft die Frage auf: Warum haben es nur 5 Fahrer (Rosberg, Hamilton, Grosjean, Ericsson, Ocon) mit einer Einstopp-Strategie probiert? „Bei uns wäre sie 11 Sekunden langsamer gewesen“, argumentierte Ferrari-Rennleiter Maurizio Arrivabene. Die Experten glauben, dass für Ferrari, Red Bull, Williams und Force India zwei Gründe gegen ein Einstopp-Rennen sprachen.

Erstens der Start. Keiner der Verfolger traute sich zu, das Q2 auf Soft-Reifen zu überstehen. Ferrari testete es im Q1 aus, Red Bull im Q2. Beide waren zu langsam. Damit war der Start auf Supersoft-Sohlen in Stein gemeißelt.

Und damit wurde ein Stopp zu einer riskanten Nummer. Bottas legte den Supersoft-Satz schon in Runde 13 ab, Räikkönen in Runde 15, Ricciardo und Vettel in Runde 16. Wer es bis in die 20. Runde geschafft hätte, wäre mit einem Satz Medium locker über die Restdistanz gekommen. Vielleicht sogar auch ab Runde 16.

Und das war der zweite Grund, der einen Stopp wenig attraktiv erscheinen ließ. Außer Mercedes hatte nur Williams und Force India den Medium-Reifen ernsthaft am Freitag getestet.

Das ließ bei Mercedes den Schluss zu: „Die meisten hatten Angst vor dem Medium-Reifen. Für uns war er kein Problem. Er hat ewig gehalten. Und wir konnten damit das Tempo kontrollieren. Wir haben schon am Freitag im zweiten Training herausgefunden, dass der Medium ein guter Reifen für uns war.“

Hätte Ferrari die Taktik splitten sollen?

Bei Ferrari stellt sich die Frage, ob man nicht hätte die Taktik splitten sollen. Vettel und Räikkönen lagen komfortabel auf den Plätzen 3 und 4. Red Bull war in Monza kein echter Gegner. Wäre einer der beiden Ferrari auf ein Einstopp-Rennen gesetzt worden, hätte ihn Hamilton auf der Strecke überholen müssen. Was bei dem Top-Speed der Ferrari schon schwierig geworden wäre.

Es hätte sich bei Vettel auch die Reifenfolge Supersoft-Soft-Supersoft statt Supersoft-Supersoft-Soft angeboten. Daniel Ricciardo hat mit der weichsten Reifenmischung am Ende 16 Runden lang Attacke gemacht. „Wäre Vettel am Ende Supersoft gefahren, hätte er mehr Druck auf Lewis ausüben können“, ist man bei Mercedes überzeugt.

Felipe Massa hätte nach Meinung der Strategen mit einer Einstopp-Taktik viel weiter vorne landen können. Als Elfter des Trainings hatte der Brasilianer den Luxus, auf Soft-Reifen zu starten und auf Medium im zweiten Stint weiterfahren zu können.

Doch statt wie die Mercedes bis jenseits von Runde 20 durchzuhalten, reagierte Williams mit Massa in der 16. Runde. auf Nico Hülkenbergs ersten Boxenstopp. So verhinderte man zwar einen Undercut, gab aber die Option eines Einstopp-Rennens auf.

Mit einem Stopp hätte Massa zwar zunächst einige Plätze verloren, sie dann aber wieder zurückgewonnen, wenn seine direkten Gegner zum zweiten Stopp an die Box gekommen wären. Und damit sind Nico Hülkenberg, Sergio Perez und Max Verstappen gemeint. Die Supersoft-Garnitur am Ende brachte Massa nur noch in den Windschatten von Perez. Im Ziel fehlten 0,6 Sekunden „Eine Runde mehr, und ich hätte Sergio überholt.“

Fernando Alonso war der einzige Fahrer mit 3 Boxenstopps. Sein Reifenwechsel in der 49. Runde hat nichts mit Taktik oder abgefahrenen Reifen zu tun. Alonso lag ohne Hoffnung auf Punkte auf dem 13. Platz. Also wollte er wenigstens Spaß haben.

McLaren verpasste dem Spanier einen gebrauchten Satz Supersoft für eine Qualifikationsrunde am Ende des GP Italien. Alonso markierte damit seine erste schnellste Rennrunde seit dem GP Abu Dhabi 2013.

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