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Taktik-Check GP Kanada 2017

Safety-Car killt Vettel

Safety-Car - GP Kanada 2017 Foto: sutton-images.com 73 Bilder

Der GP Kanada war ein klassisches Einstopp-Rennen. Nur Ferrari probierte es mit zwei Reifenwechseln. Um zu retten, was noch zu retten war. Wurde Sebastian Vettel zwei Mal zu spät an die Box geholt?

14.06.2017 Michael Schmidt 1 Kommentar

Der GP Kanada war kein Fest für Fans guter Rennstrategie. 20 Boxenstopps in 70 Runden zeigen es bereits: Das Gros des Feldes war mit einem Boxenstopp unterwegs. Die Reifen hielten ewig. Romain Grosjean legte auf einem Satz Supersoft 68 Runden zurück. Daniel Ricciardo schaffte auf der härtesten Mischung Soft 52 Runden und fuhr in der drittletzten Runde seine schnellste Zeit. Der Ultrasoft-Reifen hielt am McLaren von Stoffel Vandoorne am längsten. 45 Runden lang. Erst kurz davor begann der Belgier in 1,18er Rundenzeiten abzudriften.

Am leichtesten war die Aufgabe für Mercedes. Den Boxenstopp von Lewis Hamilton bestimmten die Überrundeten. „Wir wollten ihn in ein Fenster reinlotsen, in dem er nicht zu viele langsame Autos vor der Nase haben würde. Und wir wollten ihn vor Ocon halten, sollte der nach uns stoppen.“ Dazu brauchte Hamilton einen Vorsprung von 17 Sekunden auf den Force India. Es waren 26.

Bei Valtteri Bottas war das nicht möglich. Der Finne fing sich im Startgetümmel der ersten Kurve einen schweren Bremsplatten vorne links ein. „Bei ihm ging es nur darum, ihn so lange fahren zu lassen, dass er Zweiter bleibt, der Reifen aber nicht kaputtgeht. Wir mussten ihn früher reinholen als wir wollten. So ist er leider hinter Ocon gerutscht. Um vor Esteban rauszukommen, hätte er 4 Runden länger fahren müssen. Das schien uns angesichts der Reifenvibrationen zu riskant.“

Vettel verliert 31,6 Sekunden in der Box

Ferrari hatte einen hektischeren Nachmittag am Kommandostand. Das Drama begann schon in der ersten Kurve. Max Verstappen rasierte Sebastian Vettels rechten Frontflügel. Auf den ersten Fotos nach dem Kontakt ist an dem Flügel noch kein Schaden zu erkennen. Doch dann zerfledderte das Teil immer mehr, bis die Fahrer das Safety-Car-Signal erreichte. Vettel war da gerade in Kurve 8.

Hätte Ferrari da nicht sofort auf Schadensbegrenzung umschalten und Vettel an die Box holen müssen? Wenn wir uns die Zahlen anschauen, dann auf jeden Fall. Der Frontflügeltausch, den Ferrari in Runde 5 nachholte, dauerte inklusive Reifenwechsel 11,1 Sekunden. Insgesamt verlor Vettel 31,6 Sekunden in der Box und ging 10 Sekunden hinter dem Vorletzten wieder ins Rennen.

Die Zeit hätte er während der Neutralisation zwar auch eingebüßt, aber er hätte wieder auf das Feld aufschließen können. So dauerte es bis zur 11. Runde, bis er im Heck von Pascal Wehrleins Sauber auftauchte. Nico Hülkenberg konnte in der VSC-Phase einen Boxenstopp einlegen und sich trotzdem noch vor Vettel ins Feld einsortieren.

Vettel nahm sein Team in Schutz. „Ich spürte zwar in den ersten Kurven, dass ich vorne etwas abgekriegt hatte, aber es fühlte sich noch nicht so schlimm an. Die Box konnte auch noch keinen dramatischen Abtriebsverlust feststellen. Dann kam das Safety-Car, und in langsamer Fahrt konnten wir das wahre Ausmaß des Schadens nicht erkennen.“

Der Flügel machte auch optisch noch nicht den Eindruck, ein Totalschaden zu sein. Die Endplatte war angeknackst, die Kaskade rechts vorne flatterte im Wind. Nach dem Re-Start, als wieder volle Last auf dem Flügel lag, ist der rechte Rand des Flügels regelrecht explodiert. Herumfliegende Karbonteile beschädigten auch noch den Unterboden und rissen drei Viertel des rechten Leitblechs vor den Seitenkästen ab. Das kostete auch nach dem Flügeltausch noch mindestens 2 Zehntel pro Runde.

Für Soft-Reifen nicht heiß genug

War der verspätete erste Boxenstopp eine Verkettung unglücklicher Umstände, so war Vettel am Timing des zweiten Stopps mit beteiligt. „Wir hätten 2 Runden früher reinkommen sollen. Dann hätte es noch für Ricciardo gereicht. Aber ich wollte noch einmal probieren, ob ich es nicht doch an den Force India vorbeischaffe.“ Die Force India retteten am Ende Ricciardo vor dem Ansturm des Ferrari. Im Ziel fehlten Vettel noch 0,6 Sekunden auf den Red Bull.

Auf den alten Reifen hatte Vettel keine Chance gegen die Force India. Sergio Perez und Estaban Ocon hatten mit 334,0 km/h und 342,6 km/h einen genügend hohen Topspeed, um sich über die Geraden zu retten, auch wenn Vettel mit 344,1 km/h der Top-Speed-König war. Aber er kam auf seinen alten Reifen nicht schnell genug aus der Haarnadel und den Schikanen heraus.

Ferrari machte in diesem Augenblick das einzig richtige. Kimi Räikkönen wurde schon in Runde 41 aus dem Verkehr genommen und auf Ultrasoft-Reifen gestellt. Vettel folgte acht Runden später. Erst mit dem Grip-Vorteil der Reifen an den Ferrari waren die Force India verwundbar. „Wir hätten uns gegen sie nie verteidigen können, auch wenn wir die Plätze getauscht hätten“, beharrte Sportdirektor Otmar Szafnauer. Force Indias Glück war, dass Ferrari da nur noch mit halber Kraft fuhr. Räikkönen musste wegen zu heißer Bremsen das Tempo drosseln.

In dem Zusammenhang ist die Frage erlaubt, ob Ferrari sich angesichts der aufgezwungenen frühen ersten Boxenstopps die Chance auf ein Einstopp-Rennen verbaute, weil man sich keinen frischen Satz Soft-Reifen für das Rennen aufgeboben hatte. Die Antwort ist ein klares Nein. „Der Soft-Reifen war nicht besser als der Supersoft, nicht mal über eine lange Distanz. Dazu hätte sich der Asphalt auf mehr als 45 Grad aufheizen müssen“, erklärten die Mercedes-Strategen.

Sie hatten einen guten Vergleich. Valtteri Bottas fuhr wegen seines verfrühten Boxenstopps auf dem Soft-Gummi das Rennen zu Ende. Der brachte auch in der Endphase keinen Vorteil gegenüber Hamiltons Supersoft-Sohlen. Bottas wusste, auf was er sich einließ. Er hatte am Freitag als einer der wenigen Piloten einen Longrun auf der härtesten Mischung abgespult. Für Daniel Ricciardo erwies sich der Soft-Gummi als Killer. Er konnte sich nicht einmal von den Force India lösen. „Im Rückblick hätten wir besser den Supersoft-Reifen nehmen sollen.“

Stroll überholt 6 Autos

Die größten Diskussionen löste der vorsichtige Versuch von Force India aus, seine Fahrer zu einem Platztausch zu bewegen, um vielleicht doch noch Ricciardo zu knacken. Esteban Ocon hatte 13 Runden jüngere Reifen. Sergio Perez wurde schon in Runde 19 an die Box geholt, um vor Räikkönen zu bleiben, der einen Umlauf zuvor einen Undercut probierte. Der ging genauso schief wie in Monte Carlo. Auch in Montreal war der Overcut für die meisten Fahrer die bessere Wahl.

Perez lehnte alle Angebote zum Positionswechsel ab. „Es war kein Befehl, sondern eine Diskussion“, beschwichtigte Szafnauer. Und wenn schon. Es ist auch schon anderen Teams passiert, dass der Fahrer nicht mitspielt. Mercedes 2014 in Ungarn mit Lewis Hamilton, Toro Rosso in Singapur 2015 mit Max Verstappen. Weltmeister und solche, die es werden wollen, schenken keine Plätze her. Force India-Teamchef Bob Fernley räumte immerhin ein: „Vielleicht müssen wir uns Prozesse überlegen, die es unseren Fahrer besser erklären, was wir vorhaben.“

Ocon behauptete nach dem Rennen, man habe ihm ein Podium gestohlen. Doch dazu hätte er Ricciardo überholen müssen. Und wenn er es schon nicht an Perez vorbeigeschafft hat, wie sollte es dann mit dem Red Bull-Piloten gehen? „Ricciardo ist einer der besten Fahrer im Zweikampf. Perez hat auf einen winzigen Fehler von ihm gewartet. Er hat aber keinen gemacht“, erinnerte Szafnauer.

Zum Schluss noch ein Wort zu Lance Stroll und Romain Grosjean. Beide sahen lange nicht wie Punktekandidaten aus. Grosjean fiel nach dem Frontflügelwechsel in der ersten Runde auf den letzten Platz zurück. Der Franzose hielt auf Satz Supersoft bis zum Ende durch und überholte auf dem Weg zu Platz 10 nur ein Auto. Ohne Fernando Alonsos Ausfall zwei Runden vor Schluss wäre der HaasF1-Pilot leer ausgegangen.

Ganz anders Stroll. Der Kanadier rutschte nach seinem Boxenstopp in der 25. Runde auf den 17. Platz ab. Dann strafte der Kanadier seine Kritiker Lügen. Mit 6 Überholmanövern kämpfte sich Stroll aus eigener Kraft auf Rang 9 vor und wurde zu Recht mit zwei WM-Punkten belohnt. Die Liste seiner Opfer: Wehrlein, Ericsson, Palmer, Grosjean, Vandoorne, Alonso.

Neuester Kommentar

"Und wenn er es schon nicht an Perez vorbeigeschafft hat, wie sollte es dann mit dem Red Bull-Piloten gehen?"

Ein Vergleich von Äpfeln und Birnen. Perez hatte immer DRS (dank Ricciardo) und konnte daher von Ocon schwerlich angegriffen werden ... Ricciardo hatte kein DRS.

Ricciardo kam aus der Haarnadel besser raus als Perez. Sein Wagen glänzt vielleicht nicht beim Top-Speed, aber in Sachen Abtrieb und Beschleunigung sind RedBull und Renault weiter top. Ocons Reifenvorteil hätte ihm eine bessere Beschleunigung aus der Haarnadel heraus gegeben als Perez. Somit wäre er viel früher im Windschatten gewesen und hätte dank DRS gut vorbei ziehen können, während Perez einfach nicht ran kam.


Zum Vergleich: Vettel wurde Ocon nicht wirklich gefährlich, weil Ocon ständig DRS hatte. Erst als Perez und Ocon in ihrem Zweikampf Zeit und Schwung verloren, ergab sich überhaupt die Chance für Vettel (der dann auch nicht lang fackelte und das riskante, aber erfolgreiche Überholmanöver in Angriff nahm). Perez ohne DRS war dann eine leichte Aufgabe.

desl 14. Juni 2017, 12:29 Uhr
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