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Taktikcheck GP Monaco (Teil 1)

Der wahre Fehler von Red Bull

Daniel Ricciardo - GP Monaco 2016 Foto: Pirelli 71 Bilder

Red Bull hat das Rennen in der Box verloren. Daniel Ricciardo stand 10,3 Sekunden länger als normal, weil die Mechaniker die Reifen nicht fanden. Der Taktik-Check erklärt, warum der wahre Fehler schon vorher begangen wurde und wie Mercedes dazu beigetragen hat.

02.06.2016 Michael Schmidt

Daniel Ricciardo war fassungslos. Der Australier antwortete nach seiner Niederlage beim GP Monaco auf alle Fragen wie in Trance. "Erst hatte ich gar keine Reifen. Dann die Supersoft. Wir hatten den Speed. Es spielt in Monte Carlo keine Rolle, auf welchen Reifen du fährst. Du musst nur deine Position im Rennen halten. Und die haben wir verloren."

In seinem ganzen Frust hatte Ricciardo einen komplexen Vorfall auf wenige Worte komprimiert. Und er lag absolut richtig. Was der Australier damit sagen wollte. Der Fehler lag nicht in dem langsamen Boxenstopp, sondern in der Entscheidung, die dazu führte. Nämlich die Änderung der Reifenwahl, obwohl der Red Bull-Kommandostand alle Informationen hatte, es nicht zu tun.

Warum reagierte Red Bull auf Mercedes-Reifenwahl?

Es war Teil der Strategie von Mercedes, Red Bull zu überraschen. In einer Situation, in der es nichts zu verlieren gab, wurden Lewis Hamilton und Nico Rosberg mit Ultrasoft-Reifen auf die Restdistanz von immerhin 47 Runden geschickt. Das führte bei Red Bull zu einer Art Schockstarre.

Eigentlich hatten die Ingenieure geplant, von Intermediates auf Soft-Reifen zu wechseln. Bei Max Verstappen wurde es in Runde 31 vorexerziert. Übrigens die gleiche Runde, in der auch die Mercedes-Piloten an die Box kamen.

Doch als der Gegner seine überraschende Reifenwahl getroffen hatte, stellten sich die Red Bull-Strategen unwillkürlich die Frage: Wissen die etwas über die Reifen, was wir nicht verstanden haben? Und entschieden sich für Supersoft statt Soft.

Aus Sicht von Experten total unnötig. Red Bull hätte anhand der Sektorzeiten von Sergio Perez und Sebastian Vettel sehen müssen, dass der Soft-Reifen völlig ausreichend war. Und sie mussten an Hamiltons Sektor 1-Zeit erkennen, dass er Probleme mit dem Aufwärmen der Reifen hatte.

In Monaco gilt nur Track-Position

Und selbst, wenn der Soft-Reifen kurzfristig langsamer als der Ultrasoft gewesen wäre, gab es aus Sicht von Ricciardo nur ein Gesetz: Track-Position ist alles in Monte Carlo. Hamilton hätte den Australier nie auf der Strecke überholt. Genauso wenig wie es umgekehrt funktioniert hat.

Die kurzfristige Änderung von Soft auf Supersoft hat ein funktionierendes System durcheinander gebracht. Weil die Mechaniker schon die Garnitur Soft in den Händen hielten, und die Meldung auf Supersoft zu wechseln durch einen Kommunikationsfehler zu spät bei der Reifenwechsel-Crew ankam. Das hat netto 10,3 Sekunden im Vergleich zu einem normalen Red Bull-Stopp gekostet. Im Vergleich zu Hamilton nur 9,0 Sekunden, weil der spätere Sieger selbst keinen optimalen Stopp hatte.

Zugegeben: Monte Carlo ist ein schwieriges Rennen. Es gibt viele Safety-Cars oder VSC-Phasen. Vom Kommandostand aus kann man weder die Mechaniker noch die Garage, noch die bereitgestellten Reifen sehen. Dazu braucht man absolut perfekte Arbeitsabläufe.

Das wichtigste ist zu wissen, wo die Reifen in den engen Garagen lagern. Im Fall von Red Bull waren die Supersofts im hintersten Winkel der Box verstaut. Manche Teams rückversichern sich alle paar Runden, welche Reifen als nächstes zum Einsatz kommen und wo sie genau liegen. Um zu verhindern Reifen anzufordern, die nicht greifbar sind.

Warum wechselte Ricciardo auf Intermediates?

Mercedes machte Red Bull sogar noch ein Geschenk. Hamiltons Runde aus der Box raus war 8,835 Sekunden langsamer als die von Ricciardo einen Umlauf später. Und Ricciardo hatte auch eine mega-schnelle Runde in die Box. Sie war um 2,240 Sekunden besser als die seines Rivalen. Es hätte also auch bei einem Sicherheits-Stop locker für die Führung gereicht.

Bei Red Bulls Taktik stellt sich noch eine weitere Frage: Warum hat man Ricciardo nicht auch den Wechsel auf Intermediates erspart, so wie es Mercedes mit Hamilton getan hat? "Wir waren überrascht, dass Ricciardo nicht das gleiche gemacht hat wie Lewis. Er hatte nichts zu verlieren. Er hatte die gleichen Fenster nach hinten wie Lewis", wundert man sich bei Mercedes.

Red Bull-Teamchef Christian Horner antwortet darauf: "Wir hatten als Spitzenreiter mehr zu verlieren. Für uns war es zu viel Risiko, einen Boxenstopp zu überspringen." Doch welches Risiko? Das bestand höchstens in einem Safety-Car zur unpassenden Zeit. Doch das hat Ricciardo nicht den Sieg gekostet. "Mit einem normalen Boxenstopp wären wir 6 bis 7 Sekunden vor Hamilton auf die Strecke gekommen", ärgert sich Horner.

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