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Taktik-Check GP Russland 2016

So trug Hamilton sein Auto ins Ziel

Valtteri Bottas - Kimi Räikkönen - Formel 1 - GP Russland - 1. Mai 2016 Foto: Valtteri Bottas - Kimi Räikkönen - Formel 1 - GP Russland - 1. Mai 2016 54 Bilder

Der GP Russland war ein übersichtliches Rennen. Die meisten kamen mit einem Stopp über die Distanz. Red Bull verzockte, Ferrari und Force India zauberten und Mercedes brachte Lewis Hamilton trotz Fehlern und Motorproblemen auf Platz 2.

05.05.2016 Michael Schmidt

Der GP Russland war das Gegenstück zum Rennen in China. 13 Fahrer kamen mit einem Stopp über die Distanz. Von den Zweistoppern holten sich nur Pascal Wehrlein, Marcus Ericsson und Felipe Massa freiwillig einen dritten Satz Reifen ab. Daniel Ricciardo und Sergio Perez mussten wegen ihres Boxenstopps in der ersten Runde später notgedrungen noch einmal nachfassen.

Pirelli stellte mit dem Medium-Gummi einen Reifen bereit, den keiner wollte. Insgesamt gab es nur sieben unterschiedliche Strategien, von denen die Hausfrauenlösung mit Supersoft-soft die beliebteste war. 12 Fahrer griffen darauf zurück. Das Einstopprennen sorgte für wenig Bewegung im Feld. Insgesamt wurden nur 29 Überholmanöver gezählt. In China waren es noch 128.

Medium war klar zu langsam

Red Bull traf nach den Startkollisionen die falsche Reifenwahl. Die Garnitur Medium hätte zwar für zwei Renndistanzen gehalten, doch sie war klar zu langsam. Daniil Kvyat fuhr 51 Runden damit. Seine beste Zeit von 1.42,344 Minuten war drei Sekunden langsamer als Nico Rosbergs schnellste Runde auf Soft-Reifen. Für Ricciardo mit seinem beschädigten Red Bull war Medium der Killer. Wenn Abtrieb fehlt, muss der Grip vom Reifen kommen. Also lieber eine Mischung weicher als zu hart. Carlos Sainz hat mit dem Soft-Reifen 41 Runden geschafft. Ricciardo hätte also bis Runde 40 auf Soft fahren und fürs Finale noch einen seiner gebrauchten Supersoft-Garnituren wählen können. So hätte er wenigstens Punkte geholt.

Ferrari und Force India haben taktisch alles richtig gemacht. Perez wurde in der 27. Runde an die Box geholt, um in das Fenster hinter Marcus Ericsson und vor Jolyon Palmer zu fallen. Ericsson war dann schnell aus dem Weg. Perez musste im Schlepptau von Romain Grosjean nur noch Carlos Sainz überholen, um wieder in die Punkteränge vorzustoßen.

Der Ferrari-Kommandostand brachte Kimi Räikkönen mit einem späten Boxenstopp an Valtteri Bottas vorbei. Räikkönen fuhr drei 1.42er Runden am Stück. Bottas war in Zweikämpfe mit Lewis Hamilton und Fernando Alonso verstrickt und verlor in den entscheidenden Runden zu viel Zeit. Da konnte sich Räikkönen beim Boxenstopp sogar einen kleinen Hänger leisten. Der Ferrari-Pilot verlor in der Box 0,6 Sekunden auf seinen finnischen Landsmann.

Hauptsache vor Magnussen aus der Box

Prinzipiell hat Williams mit Bottas richtig taktiert. Er kam aus dem Verfolgertrio als erster an die Box. Die Mercedes-Strategen loben die Konkurrenz: "Williams hat Bottas exakt in der Runde reingeholt, die reichte, um vor Magnussen zu bleiben. Das war auch unser Ziel. Dazu brauchten wir einen Vorsprung von 24,5 Sekunden, den wir zu dem Zeitpunkt aber nicht hatten. Wir wussten jedoch, dass der Williams länger brauchen würde, um die Soft-Reifen aufzuwärmen. Das war die Chance für Lewis. Er hat Bottas gleich in der ersten Runde nach dem Boxenstopp überholt."

Dabei lief der Reifenwechsel bei Hamilton nicht nach Plan. "Er kam zu schnell rein und ist zu langsam rausgefahren. Dazu hat er auch noch falsch geparkt. Seine Standzeit betrug 3 Sekunden bis zum Grünlicht. Bei Nico waren es 2,1 Sekunden." Rosbergs Grand Prix war für die Strategen um James Vowles dagegen ein Kinderspiel: "Bottas hat Nico geholfen, indem er Kimi und Lewis am Anfang aufgehalten hat."

Mercedes-Kunstgriff mit dem Standardprogramm

Trotzdem wurde am Mercedes-Kommandostand viel gezittert. Es begann mit Rosbergs Motor. "Wir haben ein paar Drehmomentspitzen gesehen und Nico gebeten, auf ein Standardprogramm umzuschalten. Die FIA hat es auf unsere Anfrage hin erlaubt. Danach war das Problem verschwunden. Wir hatten diese Problematik vorher noch nie gesehen. Das Standardprogramm hat geholfen, weil es die Schaltcharakteristik des Getriebes verändert hat."

Ein viel größeres Drama spielte sich in der Antriebseinheit von Hamilton ab. Der Wasserdruck fiel rapide, stabilisierte sich kurz, nur um für die letzten 16 Runden auf Null zu fallen. "Erste Anzeichen haben wir schon vor dem Boxenstopp gesehen", verrät ein Ingenieur. "Danach fiel der Wasserdruck schnell und stetig. Dass er sich stabilisierte war Glück. Normalerweise fällst du mit so einem Problem aus. Wir haben Lewis gebeten, nicht mehr im Windschatten, sondern in sauberer Luft zu fahren. Er musste mehr Lift and Coast betreiben und seinen Fahrstil anpassen. Er hat einen super Job gemacht, mit diesem Motor ins Ziel zu kommen."

Stand es je zur Debatte, Hamilton aus dem Rennen zu nehmen? Die Antwort überrascht: "Wir wären volles Risiko gegangen und hätten riskiert, dass der Motor explodiert. Weil du nicht wissen kannst, wie lange das Triebwerk hält. Es gibt keine Erfahrungswerte. Wir kannten ja die Ursache nicht. Der Druck fiel, aber die Temperatur stieg nicht dementsprechend an. Du wirst nie auf Verdacht 18 Punkte wegschmeißen." So viel zu den Verschwörungstheorien, Mercedes wollte Hamilton benachteiligen.

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