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Taktikcheck GP Spanien

Die Zweiten werden die Ersten sein

Vettel vs. Hamilton - GP Spanien 2017 Foto: sutton-images.com 63 Bilder

Im Duell zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton ist es nun schon zum dritten Mal passiert. Der Zweite in der ersten Kurve ist am Ende Erster. Weil das Team dahinter die besseren Strategie-Optionen hat. Hier ist unser Taktik-Check.

18.05.2017 Michael Schmidt

Der GP Spanien wurde auf der Rennstrecke entschieden. Mit einem echten Überholmanöver. Lewis Hamilton nutzte im Duell gegen Sebastian Vettel den Vorteil der weichen Reifen und von DRS. Dass es aber überhaupt zum ersten direkten Aufeinandertreffen der WM-Kontrahenten kommen konnte, lag an den Kommandoständen. Mercedes brachte Hamilton erst in die Lage, Vettel zu überholen.

Es war nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass die Führung im Rennen wechselt. Doch bis jetzt war dafür die Strategie verantwortlich. Dabei dachte man vor dieser Saison: Wer den Start gewinnt, gewinnt auch das Rennen. In Australien, Bahrain und Spanien drehte sich die Reihenfolge um. Das gleiche wäre auch in China passiert, wäre Vettel da nicht das Safety-Car dazwischen gekommen.

Ferrari besser auf Soft, Mercedes auf Medium

Das führt zu der überraschenden Erkenntnis: Der zweite Platz in der ersten Kurve ist eine Trumpfkarte. Und die Führung beim Start kann ein Nachteil sein. Voraussetzung dafür ist, dass der Verfolger ein schnelleres oder wenigstens gleich schnelles Auto hat. In Barcelona war das der Fall. Ferrari war den Mercedes auf den Soft-Reifen spritbereinigt leicht überlegen. Auf den Medium-Gummis das gegenteilige Bild.

Wir haben uns die Mühe gemacht, die besten Runden auf alten und neuen Reifen, auf den Mischungen soft und medium in Einrechnung des Benzinmengen-Faktors miteinander zu vergleichen. Da gewinnt Vettel auf Hamilton auf frischen Soft-Reifen vier, auf alten zwei Zehntel. Dafür ist Hamilton auf neuen Medium-Gummis um vier und auf alten um drei Zehntel schneller. Unter dem Strich genug, um am Kommandostand das Rennen mit zu entscheiden.

Ferrari sollte den Undercut fürchten

Doch warum ist es in diesem speziellen Fall besser der Jäger als der Gejagte zu sein? Weil der Zweite auf den Ersten reagieren kann. Der GP Spanien war das klassische Beispiel dafür. Es war aus Sicht der Strategen ein Drama in drei Akten.

Part 1: Der erste Boxenstopp. Hamilton lag mit nur 2,1 Sekunden Rückstand in einem Fenster, in dem er mit einem Undercut in Führung gehen konnte. Dessen Wirkung hängt vom Alter der Reifen ab. In der Anfangshase macht man in Barcelona 1,8 Sekunden mit dem früheren Boxenstopp gut, im letzten Renndrittel 2,5 Sekunden. Immer in der Annahme von perfekten Boxenstopps.

Die Mercedes-Taktik für den ersten Stint lag auf der Hand. „Lewis musste so nah an Vettel dran bleiben, dass Ferrari einen Undercut fürchten musste, ihn vielleicht antizipiert und dabei in den Verkehr fällt. Genau das ist Vettel passiert. Er fiel hinter Ricciardo und Bottas.“

Damit war für Mercedes klar: Ab jetzt machen wir genau das Gegenteil von Ferrari. Also deutlich länger fahren und dann die andere Reifenmischung nehmen. Da Vettel im zweiten Stint wieder Soft fuhr, wurde Hamilton mit Medium-Reifen bestückt. „Hätten wir Medium gewählt, wäre Mercedes soft gefahren“, erklärte Vettel denen, die den Wechsel auf die weiche Mischung als Fehler einstuften.

Ferrari hat den ersten Boxenstopp vielleicht eine Runde zu früh angesetzt. Mercedes hätte seinen Undercut frühestens in Runde 16 durchgezogen, um Hamilton vor Daniel Ricciardo wieder auf die Strecke zu bringen. In Runde 14 war der Vorsprung mit 18,8 Sekunden noch zu klein. Vettel kam zwar problemlos an Ricciardo vorbei, biss sich später aber an Valtteri Bottas 3 Runden lang die Zähne aus. Das kostete 3,6 Sekunden.

War es fair von Mercedes, Bottas als Bremse einzusetzen? Es war. Bottas kämpfte um die Führung. Er hat jedes Recht, diese zu verteidigen, unabhängig davon, ob er Hamilton damit hilft oder nicht.

Ferrari und Mercedes verweigern VSC-Geschenk

Der Taktikpoker war selbst für Hamilton nicht sofort durchschaubar. Immer wenn er den Verdacht äußerte, dass man gerade einen Fehler gemacht habe, beruhigte ihn sein Renningenieur: „Keine Sorge, dass zahlt sich später aus.“ Mit 7 Runden Differenz und den Medium-Reifen hatte Hamilton mehr Optionen als Vettel. Sogar die eines Einstopp-Rennens. Diese Möglichkeit hatte sich Ferrari durch den Wechsel von Soft auf Soft schon verbaut.

Trotzdem wurde es im Mittelstint kurz kritisch für Mercedes. Vettel baute seine Führung zwischen der 25. und der 33. Runde von 4,2 auf 7,8 Sekunden aus. Erst dann war Hamilton in der Lage auf den Medium-Reifen Vettels Zeiten auf den abgefahrenen Soft-Gummis zu egalisieren.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien - 14. Mai 2017Foto: sutton-images.com
Hamilton ging kurz vor Ablauf der VSC-Phase an die Box.

Part 2: Das virtuelle SafetyCar. 10 Fahrer taten das Logische. Sie kamen zum Boxenstopp und sparten sich 8,6 Sekunden gegenüber einem Reifenwechsel bei Renntempo. Ferrari und Mercedes machten nichts. Nicht in der 34. Runde und auch nicht einen Umlauf später. Haben die Kommandostände in Rot und Silber geschlafen? Keineswegs. Der eine belauerte den anderen. Jeder Schachzug konnte der Falsche sein. Doch hier hatte Mercedes den entscheidenden Trumpf in der Hand. Sie wussten immer, was Ferrari tun würde.

Ferrari blieb auf der Strecke. Mercedes auch. Aus Sicht von Ferrari machte das Sinn. Wäre Vettel an die Box gefahren, hätte er Hamilton die Führung geschenkt. Mercedes hätte dann auf eine Einstopp-Strategie umgeschwenkt. Es wäre ein Rennen mit Medium- gegen Medium-Reifen geworden. Vettel hätte nur den Vorteil von 13 Runden jüngeren Reifen gehabt. Was aber beim Medium-Gummi kein echter Vorteil ist. „Der hält das ganze Rennen“, prophezeite Pirelli schon im Vorfeld. „Vettel hätte Lewis auf der Strecke überholen müssen. Das traute man sich offenbar nicht zu“, hieß es bei Mercedes.

Mercedes hätte theoretisch die VSC-Phase gleich nutzen können. Ferrari hätte dabei eine Runde gebraucht, um zu reagieren. Das kann funktionieren, wenn die VSC-Phase vorher aufgehoben wird. Aber wer weiß das schon? Andersherum war Mercedes das Risiko zu groß. „Hätten wir gestoppt und er nicht, kann Vettel mit seinem Soft-Reifen immer noch genug Runden Tempo machen, um aus unserem Fenster zu bleiben. Er hätte dann mit relativ frischen Medium-Reifen gegen uns auf bereits älteren Soft-Reifen gekämpft. Das wäre am Ende des Rennens hart für uns geworden.“

Wie genau hat Hamilton die 8 Sekunden gewonnen?

Als Ferrari auch die dritte VSC-Chance in Runde 36 verstreichen ließ, griff Mercedes zu. Hamilton bog gerade in die Boxengasse ein, als das VSC-Signal erlosch. Dumm gelaufen dachten viele. Eine Runde später waren wir schlauer. Die 7,8 Sekunden waren verdampft, und nicht nur Vettel fragte sich warum. Die Erklärung ist zugegeben nicht ganz einfach.

Probieren wir es: Für Hamilton war es ab der Boxeneinfahrt ein ganz normaler Boxenstopp. Vettel hatte zu dem Zeitpunkt aber bereits die Hälfte der Zielgeraden im VSC-Tempo abgespult, also rund 120 km/h langsamer als sonst. Auch als die Fahrt wieder freigegeben wurde, brauchte er noch etwas Zeit, um bis auf 330 km/h zu beschleunigen.

Die Zeit, die Vettel von der Boxeneinfahrt bis zum Normaltempo verlor, muss mit Hamiltons darauffolgender Runde im Rennmodus verglichen werden. So hat Hamilton zwar nicht den gesamten VSC-Vorteil nutzen können, aber doch 6,5 Sekunden davon. Eben jene Passage, in der sein Gegner eine Runde davor noch langsam fahren musste.

Dazu kam eine OUT-Runde vom Feinsten. Hamilton fuhr 1:41,405 Minuten, Vettel nur 1:43,275 Minuten. Jetzt hatte der Mercedes-Pilot Soft-Reifen am Auto und Vettel die härtere Mischung medium. Im direkten Zweikampf hatte der Ferrari-Pilot keine Chance. Es dauerte nur deshalb 7 Runden, weil Überrundete Vettel zunächst Windschatten und DRS spendeten.

Ferrari verpasst die Chance des dritten Boxenstopps

Part 3: Der letzte Stint. Nachdem Hamilton an Vettel vorbei war, war der Ball für Mercedes noch nicht im Netz. Zuerst fuhr die Sorge mit, ob die Soft-Reifen überhaupt 30 Runden lang halten würden. Pirelli hatte bestenfalls 25 Runden prognostiziert. Jeder wusste, wie viele Probleme Mercedes in Australien und Bahrain mit der weicheren Mischung hatte. Der Asphalt glühte mit 43 Grad, und Hamilton fuhr in den ersten Runden im Duell mit Vettel auf dem dritten Reifensatz nicht gerade so, um ihm ein langes Leben zu bescheren.

Kaum war der Engländer an Vettel vorbei, meldete sich Renningenieur Pete Bonnington, dass die Hinterreifen überhitzen. Doch der Gegner hatte das gleiche Problem. Und das große Technik-Upgrade von Mercedes zeigte Wirkung. Der Abtrieb ist stabiler geworden. Damit schont man die Reifen besser.

Trotzdem wurde an der Boxenmauer von Mercedes gezittert: „Bei Valtteri ist der erste Satz Soft nach 22 Runden eingebrochen. Bei Lewis haben wir mit maximal 28 Runden gerechnet. Er hat sie meisterhaft am Leben gehalten. Das Rennen hätte nicht viel länger dauern dürfen.“

Die Frage, ob Ferrari bei Vettel nicht einen dritten Boxenstopp hätte riskieren sollen, hat ihre Berechtigung. Nach hinten war so viel Luft, dass sich das Risiko in Grenzen hielt. Renningenieur Riccardo Adami fragte nach, ob Plan C in Betracht kommt, doch Vettel zweifelte. Mercedes hätte bis Runde 54 sofort darauf reagiert. „Danach hätten wir Lewis draußengelassen. In 12 Runden holst du einen zusätzlichen Stopp nicht mehr auf.“ Bis Runde 50 hätte der Undercut allerdings funktioniert. Da betrug die Differenz 2,3 Sekunden und weniger.

Magnussen war Wehrleins bester Mitspieler

11 Fahrer vertrauten auf eine Zweistopp-Strategie, wobei sich die Reifenfolge soft-soft-medium als die populärste und soft-medium-soft als die erfolgreichste erwies. Die Dreistopp-Strategie von Fernando Alonso, Felipe Massa und Jolyon Palmer war ein Akt der Verzweiflung. Die Teams wollten ihre Fahrer aus dem Verkehr bringen, hatten aber keinen Erfolg damit.

Kevin Magnussen tauchte notgedrungen 3 Mal an den Boxen auf. Bei einem Zweikampf mit Daniil Kvyat handelte sich der Däne einen Plattfuß ein. Kvyat schwamm mit Medium-Reifen zu Beginn komplett gegen den Strom. Es zahlte sich aus. Der Russe fuhr aus der letzten Startreihe auf Platz 9 vor. Genau genommen bestritt Kvyat ein Einstopp-Rennen. Toro Rosso holte ihn schon nach einer Runde aus dem Verkehr und sattelte auf Soft-Reifen um. Als Letzter hatte er nicht viel zu verlieren. So hatte Kvyat bis zur 15. Runde absolut freie und ungestörte Fahrt.

Auch das einzige echte Einstopp-Rennen funktionierte. Pascal Wehrlein bescherte Sauber 4 WM-Punkte damit. Der Deutsche hielt auf den Soft-Reifen bis zur 33. Runde durch und machte wie Kvyat die überraschende Erfahrung, dass die Rundenzeiten am Ende des Stints eher schneller als langsamer wurden.

Wehrlein hatte ständig einen ganzen Pulk von Autos in seinem Rücken. Nur Sergio Perez und Esteban Ocon kamen auf der Strecke an ihm vorbei. Alle anderen hatten nicht den Top-Speed, den Sauber mit dem alten Ferrari-Motor zu überholen. Carlos Sainz, Kevin Magnussen, Daniil Kvyat und Romain Grosjean schauten in die Röhre. Nico Hülkenberg machte den Platz nur beim Boxenstopp gut.

Auch die Fünfsekunden-Strafe für Wehrlein für zu spätes Einbiegen in die Boxengasse erwies sich am Ende als kein großer Nachteil. Nur Carlos Sainz profitierte davon. Für alle anderen war Wehrlein zu schnell.

Als bester Mitspieler erwies sich Kevin Magnussen, der Kvyat und Grosjean einbremste und ab der 55. Runde aus dem Fünfsekunden-Fenster fiel. Beide Haas-Piloten brachten die Medium-Reifen nicht zum Arbeiten. Kvyat hätte dem Sauber-Piloten noch gefährlich werden können, wäre er früher an Magnussen vorbeigekommen. Seine Rundenzeiten waren potenziell eine halbe Sekunde schneller.

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