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Ferrari-Taktik ein Fehler?

Mercedes zwingt Ferrari zu Risiko

Sebastian Vettel - GP Australien 2016 Foto: sutton-images.com 63 Bilder

Nach dem Rennen redeten sich die Experten die Köpfe heiß. War die Ferrari-Taktik mit den superweichen Reifen beim Re-Start ein Fehler. Aus Sicht von Mercedes ja. Für Ferrari nicht unbedingt. Mercedes hat das schnellere Auto und zwingt Ferrari zum Risiko.

23.03.2016 Michael Schmidt

Es ist die Frage aller Fragen nach dem Saisonauftakt: Hätte Sebastian Vettel den GP Australien gewinnen können, wenn es keine Rennunterbrechung gegeben hätte? Oder wenn er beim Re-Start wie die Mercedes-Piloten auf Medium-Reifen gesetzt worden wäre?

Die Mercedes-Strategen sagen: Ohne die rote Flagge hätte Nico Rosberg Ferrari und Vettel mit kurzen Stints aus der Reserve gelockt. Ein Rosberg-Sieg wäre möglich gewesen. Wäre Vettel mit Medium-Reifen in die letzten 39 Runden geschickt worden, wäre es aus Sicht von Mercedes schwieriger geworden. Rosberg hätte dann sofort nach dem Re-Start den Ferrari überholen müssen. Andernfalls hätte Mercedes am Ende mit Supersoft gepokert.

Ferrari verrät Taktik im dritten Training

Der Reihe nach. Zuerst die Hypothese, was gewesen wäre, wenn das Rennen nach dem Unfall von Fernando Alonso unter Safety-Car weitergelaufen wäre. Dann wäre Rosberg zunächst auf Soft-Reifen gegen Vettel auf Supersoft gefahren.

Mercedes-Chefstratege James Vowles erklärt, was dann bei Silber im Regiebuch stand: "Ohne rote Flagge war der Plan, dass Nico die Ferrari mit Undercuts aus der Reserve lockt. Bei Kimi hat es schon funktioniert. Beim zweiten Stopp wären wir super aggressiv gegangen, um Vettel zu unterlaufen. Durch frühe Stopps wollten wir Ferrari dazu zwingen, lange Stints mit den weichen Reifen zu fahren, damit ihre Reifen irgendwann einbrechen. Nico hätte also auch ohne die rote Flagge gewinnen können."

Die Unterbrechung war für Mercedes insofern ein Geschenk, dass sich Ferrari offenbar früh auf die Variante supersoft-supersoft-soft festgelegt hat. Die Mercedes-Strategen konnten zwar nicht wissen, welche Reifen Ferrari für den Re-Start aufzieht, aber sie haben es geahnt. Ferrari hatte sich im dritten Training einen frischen Satz Supersoft aufgehoben. Mercedes dagegen reservierte sich zwei neue Satz Soft. Daraus konnten die Experten lesen, in welche Richtung die Taktik gehen würde.

Das bestätigt auch Vowles: "Es war ein bisschen Glück dabei. Aber wir haben darauf gesetzt, dass Ferrari an seiner Meinung festhält, dass der Supersoft der beste Rennreifen ist. Wir dachten genau anders herum. Mit Medium-Reifen hätte uns Vettel das Leben etwas schwerer gemacht. Wir hätten unter Umständen noch einmal die Taktik umgeschmissen."

Risiko mit dem Medium-Reifen

Auch Mercedes ging ein Risiko, wie die stark abgefahrenen linken Hinterreifen an den Silberpfeilen in den letzten Runden gezeigt haben. Der Reifen links hinten war wegen der vielen Rechtskurven der wunde Punkt. Das Risiko lag darin, dass Mercedes am ganzen Melbourne-Wochenende nie mit dem Medium-Reifen gefahren war. "Und dass wir auch bei den Testfahrten diesen Reifen nie 40 Runden am Stück probiert hatten."

Teamchef Toto Wolff fügte an: "Die Erkenntnisse von Barcelona haben uns in Melbourne nicht viel geholfen. Dazu sind die Strecken zu unterschiedlich." Der verregnete Freitag ließ in Bezug auf die Haltbarkeit der Reifen viele Fragen offen. Ferrari hatte noch weniger Erfahrung mit den Medium-Gummis. Und sie waren dazu gezwungen, die Karte der weicheren Reifen zu spielen, die ihnen die neue Reifenregel offeriert. Der Mercedes ist das schnellere Auto. Das hat das Training gezeigt. Der Ferrari geht schonender mit den Reifen um. Das lädt dazu ein, den fehlenden Abtrieb durch weichere Reifen zu kompensieren.

Ferrari hatte vermutlich Angst, dass Vettel und Räikkönen bei einem Re-Start auf Medium-Reifen von den Mercedes überrollt würden. Die Silberpfeile bringen ihre Reifen viel schneller auf Temperatur. Je härter die Gummimischung, umso größer dieser Vorteil. Vettel hätte mindestens 2 Runden lang alle Hände voll zu tun gehabt, sich gegen Rosberg zu verteidigen.

Auch die sinkenden Temperaturen in den Abendstunden haben aus Sicht von Ferrari für den Re-Start mit Supersoft-Sohlen gesprochen. Je kühler, umso besser funktionieren sie. Die Asphalttemperatur war seit dem Start von 38 auf 29 Grad gefallen.

Doch warum ist Vettel mit den Superklebern Rosberg nicht mehr davongefahren? Auch dafür gibt es eine Erklärung. Vettel musste mit seinem dritten Reifensatz bis Runde 35 kommen, um dann auf Soft-Reifen die Restdistanz von 22 Runden zu schaffen. Er hätte schneller gekonnt, doch das hätten ihm die Supersofts nicht verziehen.

Das macht den Sieg von Rosberg noch wertvoller. "Nico ist ein brillantes Rennen gefahren, speziell nach dem Re-Start", loben die Mercedes-Ingenieure. "Er hat sofort seinen Speed gefunden, der schnell genug war Vettel unter Druck zu setzen, der aber auch sicherstellte, dass seine Reifen bis zum Ende halten."

Hamilton profitiert von Unterbrechung

Für Lewis Hamilton gab es nach dem schlechten Start eigentlich keine Sieg-Strategie mehr. Der Weltmeister war der große Nutznießer der Unterbrechung. Weil sie seinen 39-Sekunden Rückstand auf Vettel eingedampft hat.

"Das Rennen von Lewis war durch seinen Start bestimmt", bestätigen die Strategen. "Wir haben früh gesehen, dass er im Feld hängenbleibt. Deshalb sind wir bei ihm gleich auf Medium-Reifen gegangen, um etwas anderes zu machen als die Leute vor uns. Wir wollten die Stints strecken und ohne die Unterbrechnung bis zum Ende durchfahren."

Hamilton profitierte im zweiten Teil des Rennens auch davon, dass die gegnerischen Autos vor ihm mit weichen Reifen bestückt waren, hinter ihm aber Massa, Hülkenberg, und Grosjean Medium-Reifen gewählt hatten. "Die haben uns beim Re-Start den Rücken nach hinten freigehalten. Und alle vor Lewis mussten noch ein Mal an die Box."

In den letzten Runden musste Mercedes noch einmal um den zweiten Platz von Hamilton zittern. "Lewis gegen Vettel war eine enge Kiste. Er hat einen kleinen Fehler gemacht. Noch einen, und Vettel wäre weg gewesen."

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