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Taktik-Poker beim GP Ungarn

Wem hilft die Budapest-Hitze?

Kimi Räikkönen - Lotus - Formel 1 - GP Deutschland - 6. Juli 2013 Foto: xpb 26 Bilder

Der GP Ungarn könnte das heißeste Rennen des Jahres werden. Für den Sonntag sind 37 Grad Lufttemperatur angekündigt. Damit würde die Asphalttemperatur auf über 50 Grad steigen. Gleichzeitig setzt Pirelli erstmals die 2012er Konstruktionen mit den 2013er Mischungen ein. Wer profitiert von dieser Konstellation?

22.07.2013 Michael Schmidt

Hitzerennen in Ungarn sind keine Seltenheit. Doch diesmal kommt es besonders dick. Der Wetterbericht kündigt für den Samstag 34 Grad Lufttemperatur an und für den Sonntag sogar 37 Grad. Zum Vergleich: 2012 brannte die Sonne am Tag des Abschlusstrainings mit 33 Grad vom Himmel und am Renntag mit 31 Grad. Hochgerechnet ergibt das in diesem Jahr in der Qualifikation Asphalttemperaturen von knapp 50 Grad. Im Rennen wird diese Grenze geknackt werden.

Würde die Formel 1 am Hungaroring noch mit den viel geschmähten 2013er Reifen fahren, dann wäre klar, wer davon profitiert hätte: Ferrari, Lotus und Force India, weil alle drei dann in der Qualifikation kein Problem mit dem Aufwärmprozess hätten und ihre reifenschonenden Chassis im Rennen zur Trumpfkarte würden

Pirelli mit neuen Reifen in Ungarn

Doch an diesem Wochenende beginnt die Weltmeisterschaft noch einmal von vorne. Pirelli liefert die 2012er Konstruktionen und die 2013er Mischungen. Weil der Kevlargürtel die Laufflächentemperaturen um zehn Grad senkt, traute sich Pirelli weichere Mischungen als ursprünglich geplant mitzubringen. Soft und medium statt medium und hart.

Der Zeitunterschied zwischen den beiden Reifentypen wird knapp eine Sekunde betragen. Damit ist klar, welcher Reifen am Samstag zum Einsatz kommt. Wer versucht, mit dem Medium-Reifen durchs Q1 zu kommen, spielt Vabanque.

Ferrari und Lotus müssen sich ausnahmsweise mal keine Sorgen machen, die Reifen schnell genug in ihr Temperaturfenster zu bekommen. Ob das hilft, sich vor Red Bull und Mercedes zu qualifizieren, ist eher fraglich. Wenn keiner ein Reifenproblem hat, dann gewinnt das schnellere Auto. Und das haben im Moment Red Bull und Mercedes.

Verschleiß wichtiger als Gripverlust

Prognosen für das Rennen sind schwieriger. Der Test in Silverstone bei ebenfalls relativ hohen Temperaturen hat gezeigt, dass der Grip-Verlust der Reifen über eine längere Distanz (Degradation) deutlich abgenommen hat. Und zwar bei allen Autos mit allen Reifentypen. Damit wird der Verschleiß die entscheidende Rolle spielen.

Der Grip-Verlust setzt dann schlagartig ein, wenn die Lauffläche genügend abgehobelt ist. Bei der härteren Mischung wird das vermutlich trotz der erwarteten Hitze lange dauern. Die weiche Mixtur könnte für die Teams zur Option werden, die ihre Reifen weniger stark abnutzen. Also wieder Ferrari, Lotus und Force India. Aber ist das wirklich ein Joker?

Überholen auf dem Hungaroring ein Glücksspiel

Das bringt die Strategen ins Spiel. Ferrari, Lotus und Force India könnten zwei Mal Soft und ein Mal medium fahren, hätten aber immer noch das Problem, dass sie dann an Red Bull und Mercedes vorbei müssten, die wahrscheinlich eher auf zwei Mal Medium und ein Mal Soft setzen.

Bei gleicher Anzahl von Boxenstopps ist da nicht viel zu machen. Länger fahren ist keine Lösung, denn der Vorteil des frischen Reifensatzes in den ersten Runden ist zu groß. Man muss es also mit einem frühen Stopp probieren, läuft dabei aber Gefahr in den Verkehr zu fallen.

Überholen auf dem Hungaroring ist ein Glückspiel. Im letzten Jahr wehrte Lewis Hamilton alle Angriffe der Lotus-Piloten locker ab, obwohl diese dank geringerem Reifenverschleiß deutlich schneller unterwegs waren. Eine kleine Hoffnung ist die zusätzliche zweite DRS-Zone, die zwischen der ersten und dritten Kurve liegt.

Drei Stopps sinnlos, ein Stopp aussichtslos

Der GP Ungarn 2012 hat gezeigt, dass zwei Stopps der Standard sind. Die Red Bull-Piloten haben vor einem Jahr nur aus der Verzweiflung heraus drei Mal gestoppt, um den Rhythmus der anderen zu brechen. Ohne Erfolg. Sebastian Vettel wäre auch mit einem Zweistopp-Rennen nur Vierter geworden.

Deshalb ist es auch in diesem Jahr eher unwahrscheinlich, dass der Reifenverschleiß gewisse Teams zu drei Stopps zwingt. Und wenn, dann höchstens Mercedes, für die Hitzerennen Angstrennen geworden sind.

Wegen des von 100 auf 80 km/h reduzierten Tempolimits in der Box wird kaum einer freiwillig drei Mal stoppen. In Ungarn verbringt man dabei rund vier Sekunden länger in der Boxengasse. Das wirft die Frage auf: Ist ein Einstopp-Rennen möglich?

Für Fahrer, die aus den Top Ten starten, eher nicht. Da müsste der gebrauchte weiche Reifensatz mindestens 25 Runden lang halten. Und der harte dann immer noch 45 Runden. Im Vorjahr hielt es nur Kimi Räikkönen 25 Runden auf einem gebrauchten weichen Reifensatz aus. Und auf dem Medium-Reifen fuhr keiner länger als 32 Runden.

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