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Taktikcheck GP Brasilien 2016

Red Bull opfert alles für Siegchance

Max Verstappen - Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Brasilien 2016 Foto: xpb 65 Bilder

Der GP Brasilien bot alle Chancen, die Favoriten straucheln zu lassen. Mercedes hat trotz der chaotischen Bedingungen einen Doppelsieg gelandet. Weil die Seriensieger der logischen Strategie treu blieben, und weil Red Bull zockte.

16.11.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar

Der GP Brasilien war Chaos pur. Er dauerte drei Stunden und eine Minute, wurde fünf Mal und 31 Runden lang vom Safety Car angeführt, und ruhte zwei Mal für insgesamt 62 Minuten. Die Dauerberieselung von oben nahm mal leicht zu, mal leicht ab, was den Streckenzustand mal gerade noch gut genug für Intermediates und gerade mal nicht mehr gut genug für die Mischreifen machte.

Genau darin lag das Problem der Strategen. „Es gab genug Gelegenheiten, etwas falsch zu machen. In Wahrheit war es schwierig abzuschätzen, wie lange der Regenreifen halten würde, weil es trotz des Regens relativ warm war. Es war auch schwer, die Wahrscheinlichkeit von roten Flaggen und Safety Cars abzuschätzen. Und ab welcher Wassermenge und Temperatur der Intermediate plötzlich dramatisch an Speed zulegen würde“, hieß es bei Mercedes.

Intermediates nur für 12 Runden schneller

Unter den Umständen war es am Ende das Beste, gar nichts zu machen. Mit dieser Taktik fuhr Lewis Hamilton zum Sieg, Nico Rosberg auf Platz 2, wurde Sergio Perez Vierter, Carlos Sainz Sechster, Felipe Nasr Neunter und Esteban Ocon Zwölfter. Es war eine Nullstopp-Strategie. Keiner der sechs genannten Fahrer hatte einen Boxenstopp im Rennen. Nur während der Pausen wurden die Reifen getauscht. Immer von Regen auf Regen.

Der so genannte „Extremwetter-Reifen“ war die sichere Lösung. Er war auch in den Phasen ausreichend schnell, in denen der Intermediate leicht die Oberhand gewann. Also in den Runden 9 bis 13 und 38 bis 44. Red Bull pokerte in beiden Rennabschnitten mit Intermediates und fiel beide Male auf die Nase. Weil kurz darauf der Regen wieder zunahm und die Bedingungen in Sektor 3 für die weniger profilierten Intermediates zu gefährlich wurden.

Zusätzlicher Boxenstopp kostete Red Bull 23 Sekunden

Beim ersten Wechsel auf Intermediates hatte Red Bull noch Glück. Die Rennunterbrechungen stauchten den Rückstand auf die Spitze wieder auf Null zusammen und Red Bull konnte ohne Zeitverlust auf Regenreifen zurücktauschen. Weil das Feld bis zu den Reifenwechseln von Max Verstappen und Daniel Ricciardo in Runde 13 schon weit auseinandergezogen war, fielen die beiden nur auf die Plätze 4 und 9 zurück.

Beim zweiten Mal richtete der Reifenpoker größeren Schaden an. Und zwar gleich zwei Mal. Ein Boxenstopp bei freier Fahrt kostete 23 Sekunden. „Wir sahen nie Anzeichen, dass der Intermediate dramatisch viel schneller sein würde, um die 23 Sekunden wieder aufzuholen. Er war bestenfalls vielleicht 2 bis 3 Zehntel pro Runde schneller. Das Risiko mit den Intermediates war einfach zu groß, weil der Regen nie wirklich konstant war“, erklärten die Mercedes-Strategen.

Tatsächlich nahm der Regen ab Runde 50 wieder zu. Da strafte die fünfte Safety Car-Phase nach dem Unfall von Felipe Massa Red Bull ein weiteres Mal. Der Zeitverlust des ersten Reifenwechsels egalisierte sich zwar, doch im dicht gedrängten Pulk hinter dem Schrittmacherfahrzeug verloren Verstappen und Ricciardo zu viele Positionen. Ricciardo fiel auf Platz 13, Verstappen auf Rang 14. „Wegen der starken Gischt war die Position auf der Strecke wichtiger als alles andere. Deshalb haben wir Nasr auch auf der Strecke gelassen“, bilanzierte Sauber-Teammanager Beat Zehnder.

Bei Ricciardo lohnte sich das Risiko nicht

Die Red Bull-Piloten hatten im Finale zwar Regenreifen die 25 Runden jünger waren als die der Konkurrenz, doch das Überholen wurde durch die miserablen Sichtbedingungen erschwert. Es bedurfte schon der Supershow von Max Verstappen, dass er sich noch auf den dritten Platz nach vorne wühlen konnte. Als er dort angelangt war, hatten die Mercedes schon zu viel Vorsprung. Sie konnten in den letzten 10 Runden sogar Fahrt rausnehmen um ihre Motoren zu schonen.

Hat sich das Risiko für Red Bull gelohnt? Man hat einen sicheren zweiten Platz von Verstappen für die kleine Chance eines Sieges geopfert. Verstappen steht hinter der Entscheidung seines Teams: „Auf Regenreifen hätte ich gegen Lewis keine Chance gehabt. Wir mussten es probieren.“ Bei Teamkollege Ricciardo machte der Poker keinen Sinn. Red Bull wusste, dass der Australier mit einem beschlagenen Visier kämpfte. Es war klar, dass er bei der Aufholjagd gehandikapt sein würde. Als Ricciardo in Runde 40 zum Wechsel auf Intermediates an die Box geholt wurde, war er Fünfter. Den Platz hätte er mindestens behalten.

Verstappens Fahrt durch das Feld mit 11 Überholmanövern wurde natürlich durch die frischen Regenreifen begünstigt. „Sie haben ihm am Schluss einen Vorteil in die Hände gespielt. Alle mit abgefahrenen Reifen liefen ein immer größeres Risiko von Aquaplaning. Und in Kurve 12 hast du mit abgefahrenen Reifen viel Traktion verloren. Trotzdem war die Fahrt von Max grandios. Allein wie er Ricciardo und Vettel überholt hat. Das waren zwei Firstclass-Manöver“, gaben die Mercedes-Strategen zu.

Vettels Problem hieß Carlos Sainz

Ferrari verlor früh das Auto von Kimi Räikkönen durch Unfall. Sebastian Vettels Wechsel auf Intermediates nach seinem Highspeed-Dreher blieb ohne Folgen, weil ihm die Unterbrechungen die Möglichkeit gaben, auf Regenreifen zurückzurüsten und das Fahrwerk auf Regen zu trimmen. Mercedes machte das gleiche.

Vettel verlor ein mögliches Podium, weil er zu lange hinter Carlos Sainz festhing. Er stand 15 Runden hinter dem Spanier an. Verstappen brauchte nur eine Runde, dann hatte er den Toro Rosso im Rückspiegel. Als Vettel an Sainz vorbei war und endlich sein Tempo fahren konnte, kamen auch seine Regenreifen wieder auf Temperatur. Die letzten beiden Rennrunden waren seine schnellsten.

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Wie weiter in der Woche wie grosser die Fantasie von Michael !

Epol611 16. November 2016, 19:36 Uhr
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