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Taktikflops 2012

Reifen narren Rennstrategen

McLaren Kommandostand - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 03. November 2012 Foto: xpb

Einige Rennen der Formel 1-Saison 2012 wurden auch an der Boxenmauer entschieden. Trotz immer besserer Simulationsmöglichkeiten passieren den Strategen immer noch Fehler. Und zwar querbeet durch das Feld. Oft scheitert ein GP-Sieg an Kleinigkeiten.

13.12.2012 Michael Schmidt

Die Teams sind jeden Grand Prix schon einmal gefahren, bevor sie überhaupt anreisen. Nach dem Training werden die Simulationsprogramme aktualisiert. Daraus leiten sich die Strategieprogramme ab. Die Ingenieure können den Fahrern schon vor dem Rennen sagen, wo sie bei welcher Taktik landen werden. Wenn nichts Ungewöhnliches passiert. Das könnte sein: ein Unfall, ein Defekt, ein schlechter Boxenstopp, eine Fehlberechnung des Potenzials der Konkurrenz oder auch ein Strategiefehler.

Reifen narren die Team-Strategen

Trotz aller Berechnungen kommt es an den Kommandoständen immer noch zu Fehleinschätzungen. In diesem Jahr waren auch oft die Reifen daran schuld. Man mutete ihnen entweder zu viel oder zu wenig zu. Klassiker war der GP Kanada, als Red Bull und Ferrari glaubten, man könne das Rennen mit einem Boxenstopp durchfahren. In den letzten zehn Runden bauten dann an den Autos von Sebastian Vettel und Fernando Alonso die Reifen dramatisch ab. Red Bull korrigierte durch einen verspäteten Boxenstopp die Fehlentscheidung und betrieb auf diese Weise Schadensbegrenzung. Ferrari hielt Alonso stur auf der Strecke. Der Spanier wurde bis auf Platz fünf durchgereicht. Das Argument, Lotus und Sauber hätten mit Romain Grosjean und Sergio Pérez das gleiche gemacht, zieht nicht. Zum damaligen Zeitpunkt konnte sich der Ferrari in punkto Reifenverschleiß nicht mit einem Lotus oder Sauber vergleichen. Lotus passierte das Gleiche mit Kimi Räikkönen beim GP China. Der Finne fiel innerhalb von zwei Runden von Platz zwei auf Rang 14 zurück, weil die Box glaubte, man könne mit 28 Runden alten Reifen zu Ende fahren.

Es geht auch andersherum. Mercedes änderte beim GP Europa aus der Not heraus die Strategie für seine Fahrer. Aus einem Einstopprennen wurden zwei Stopps. Keiner konnte ahnen, dass Mercedes mit Michael Schumacher den absoluten Glücksgriff landen würde. Der Rekordsieger fiel zwar auf Platz elf zurück, schnupfte dann aber seine Gegner innerhalb von 16 Runden auf, als wäre sie gar nicht vorhanden. Schumacher wurde noch Dritter. Bei Nico Rosberg wiederholte sich das Spiel. Mercedes hatte ihn sogar ein bisschen zu spät auf den dritten Reifensatz gestellt. Sonst wäre Rosberg Vierter statt Sechster geworden.

Reifenwechsel-Timing ist entscheidend

Der Trick funktionierte nicht immer. Red Bull holte Vettel beim GP Ungarn zu einem späten Stopp an die Box. Eine Verzweiflungstat. Vettel war Vierter und blieb Vierter. Trotz Rekordrunden. Überholen geht halt auf dem Hungaroring nicht so einfach wie in Valencia. McLaren legte sich in Shanghai zu früh auf drei Stopps fest. Zwei waren schneller. Wie Sieger Rosberg bewies. Red Bull holte Vettel in Monte Carlo mit einem späten Reifenwechsel von Platz neun auf Platz vier. Sauber machte in Monza alles richtig. Perez wechselte nur ein Mal, und das spät. Und dann von hart auf weich und nicht umgekehrt. Das war der Schlüssel zum zweiten Platz.

Bei Regenrennen ist es besonders schwierig, das richtige Timing zu finden. Sauber agierte in Malaysia mit Pérez zu zögerlich. Der Mexikaner kam immer nach Alonso an die Box. Das gab dem Ferrari-Piloten die Möglichkeit jeweils ein paar Sekunden wegzuziehen. Umgekehrt machte Ferrari beim Finale mit Felipe Massa in der ersten Regenphase alles falsch, was man falsch machen konnte. Wer sich vor dem drohenden Regenguss mit Intermediates retten wollte, musste dies bis spätestens Runde zehn getan haben. Ferrari wartete bis zur 15. Runde. Da hätte man auch gleich wie Jenson Button oder Nico Hülkenberg auf Slicks durchhalten können.

Ferrari vergeigte noch weitere Chancen am Kommandostand, weil man entweder eigene Reifenverhalten falsch einschätzte oder die Fähigkeiten der Gegner. In Barcelona glaubten die Ingenieure, dass die harten Reifen im angefahrenen Zustand länger halten würden als im Neuzustand. Also fuhr Alonso in der Qualifikation mit allen drei Sätzen zwei schnelle Runden auf die Lauffläche. Sein Gegner Pastor Maldonado behielt drei frische Satz Reifen für das Rennen in der Hinterhand. Und gewann. In Monte Carlo holte Ferrari Alonso zwei Runden zu früh an die Box. Man hatte seine Augen nur auf dem Drittplatzierten Lewis Hamilton, nicht aber auf Mark Webber und Nico Rosberg. Alonsos Reifen waren noch für zwei weitere schnelle Runden gut. Wäre er auf der Strecke geblieben, hätte er Webber und Rosberg überholt, die zwei Runden brauchten, um ihre frischen Sohlen auf Betriebstemperaturen zu bringen. Ferrari redete sich heraus, dass keiner ahnen konnte, wie lange die härteren Reifen zum Aufwärmen brauchen würden. Das aber hätte man einfach erkennen können. Hamilton war nicht der erste, der nach dem Reifenwechsel Schwierigkeiten beim Aufwärmprozess hatte.

Zweigleisige Taktik nicht immer Erfolg versprechend

In Silverstone splittete Rot die Taktik. Alonso ging mit harten Reifen ins Rennen, Massa mit weichen. Andersherum wäre besser gewesen. So musste Alonso den weichen Gummi am Ende fahren, bekam Untersteuern und fiel Mark Webber in die Hände, der im Schlussabschnitt mit den harten Walzen unterwegs war. Ferrari wusste jedoch aus dem Samstagstraining, dass weich die kritischere Reifenoption war. In Singapur reagierte man auf den Boxenstopp des direkten Gegners Maldonado. Es wäre klüger gewesen wie die Spitze auf der Strecke auszuharren. Vier Runden später kam die obligatorische SafetyCar-Phase. Alonso hätte wie Vettel und Button ohne Zeitverlust Reifen wechseln können.

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