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Team-Protest gegen Funkverbot

"Warum nicht warten bis 2015?"

Williams - Lenkrad 2014 Foto: xpb 19 Bilder

Die neuen Verhaltensregeln am Boxenfunk freuen die Fans. Bei Teams und Fahrern stoßen sie auf Unverständnis. Die Teammanager wollen FIA-Rennleiter Charlie Whiting bei ihrem Treffen auf mögliche Gefahren hinweisen.

18.09.2014 Michael Schmidt

Um 16 Uhr Ortszeit Singapur trifft FIA-Rennleiter Charlie Whiting die elf Teammanager. Wichtigstes Thema auf der Agenda sind die neuen Regeln für den Boxenfunk. "Es könnte ein längeres Meeting werden", fürchtet Lotus-Einsatzleiter Alan Permane. Kollege Andy Stevenson zweifelt: "Es sieht ganz danach aus, als wollten sie das durchziehen. Ich glaube nicht, dass sich Charlie auf lange Diskussionen einlassen wird."

Die Teams fluchen über Bernie Ecclestone. Für sie hat er das Funkverbot angeschoben, weil es zu viel Proteste unter den Fans gab. Es ist noch nicht einmal das Verbot von Instruktionen, die den Fahrer bei seiner Arbeit unterstützen, was die Teams ärgert. Es ist der Zeitpunkt. "In allen anderen Sportarten ist Coaching erlaubt. Beim Fußball gibt der Trainer seinen Spielern ständig Instruktionen, und keiner regt sich drüber auf. Wir hätten damit wenigstens bis 2015 warten können. Dann hätten sich alle in Ruhe darauf vorbereiten können", meint Williams-Technikchef Pat Symonds.

Nach Paragraf 20.1. sind alle Autos illegal

Die FIA beruft sich auf Paragraf 20.1. des Sportgesetzes, der da lautet: "The driver must drive the car alone and unaided." Übersetzt: "Der Fahrer muss das Auto allein und ohne fremde Hilfe fahren." Alan Permane erinnert: "Die Regel wurde eingeführt, um eine Traktionskontrolle zu verbieten." Andy Stevenson glaubt, dass streng genommen jedes Auto illegal ist, das mit Servo-Lenkung, halbautomatischem Getriebe oder Systemen wie dem "Anti-Stall" ausgerüstet ist. Also alle.

Für die meisten Teams kommen die Funk-Beschränkungen überstürzt. Sie warnen vor Komplikationen. Sauber-Teammanager Beat Zehnder erklärt: "Wir müssen den Fahrern jetzt viel mehr Informationen auf einmal auf das Display spielen. Das könnte ihn ablenken. Der ein oder andere Fahrer ist damit vielleicht überfordert und landet in der Mauer."

Und wie immer: "Die großen Teams können schneller darauf reagieren als die kleinen, haben also einen Vorteil." Bei Ferrari, Mercedes und Red Bull konnten Fahrer schon im Simulator üben. Sauber hat gar keinen.

Im Einzelfall kann es teuer werden. "Bei einem Plattfuß haben wir den Fahrer gewarnt, das Differential zu sperren. Vergisst er das, ruiniert er das Getriebe", warnt Zehnder. Es könnte auch Motoren kosten. Permane: "Bislang haben wir den Fahrern drei bis vier Mal pro Runde Motoreinstellungen durchgegeben. Wenn diese komplizierten Antriebseinheiten zur falschen Zeit im falschen Modus laufen, kann leicht ein Schaden entstehen."

Pat Symonds nennt ein Beispiel, an das die Regelhüter bestimmt nicht gedacht haben: "Der Fahrer muss in der Auslaufrunde nach dem Rennen die Batterie in einen bestimmten Ladezustand bringen, damit sie transportfähig ist. Ist der Ladezustand zu hoch oder zu niedrig, reduziert das die Lebensdauer der Batterie. Wir haben bisher den Fahrer daran erinnert. Vergisst er es, müssen wir die Batterie ausbauen und extern laden. Das dauert Stunden. Wenn wir innerhalb von sieben Tagen zwei Rennen haben, verpassen wir den Transport."

Fünf Autos ohne großes Display

Einige Teams trifft der neue Verhaltenskodex härter als andere. Red Bull, Toro Rosso, Williams, Lotus und Force India haben kein großes Display auf dem Lenkrad. Ihre Autos verfügen lediglich über kleine Digitalanzeigen neben den Drehzahl-Warnleuchten am oberen Cockpitrand. "Wir haben diese Anzeigen so programmiert, dass die wichtigsten Dinge wie Benzinverbrauch oder Ladezustand dort aufscheinen. Aber der Fahrer muss sich durchscrollen. Das lenkt ab", kritisiert Symonds.

Permane wirft ein: "Mit einem großen Display kannst du mehrere Informationen auf einmal anzeigen. Und du kannst wichtige Dinge wie den Benzinverbrauch als Grafik anzeigen. Das ist für den Fahrer leichter ablesbar." Während Williams das Lenkrad frühestens 2015 mit einem Display nachrüsten kann, will Force India bis zum GP USA das Lenkrad umbauen. "Wir haben die Displays schon in der Fabrik, weil wir nächstes Jahr sowieso darauf umstellen wollten", verrät Stevenson.

Felipe Massa stöhnt. Er zählt als Williams-Fahrer zu den Display-Opfern. Und er kam ohne Simulatorstunden nach Singapur. Stattdessen bekam er ein Merkblatt in die Hand gedrückt. "Ich muss die wichtigsten Sachen lernen. Aber manche Dinge sind so kompliziert, dass du dir unmöglich alles merken kannst." Der Brasilianer sieht sogar neue Risikofaktoren: "Was passiert, wenn die hinteren Bremsen zu heiß werden? Bisher bekam ich von der Box die Warnung, dass ich die Bremsbalance nach vorne justieren soll. Jetzt riskiere ich einen Unfall, weil ich keine Information darüber bekomme."

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