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Sauber im Aufwind

Das Geheimnis des Sauber-Wunders

Esteban Gutierrez - GP Japan 2013 Foto: Sauber 63 Bilder

Sauber ist die Überraschungsmannschaft der zweiten Saisonhälfte. In den letzten vier Rennen hat der Schweizer Rennstall 38 Punkte gesammelt. Mehr als McLaren, Force India und ToroRosso zusammen. Jetzt wird WM-Platz 5 angepeilt. Auf Force India fehlen nur noch 17 Zähler.

15.10.2013 Michael Schmidt

Wenn Sauber so weiter punktet, dann ist Force India schon beim übernächsten Rennen eingeholt. Die Sauber-Piloten holten aus den letzten vier Grand Prix 38 Punkte, also 9,5 Zähler pro Rennen. Force India hat seit dem GP Italien nur einen Punkt dazubekommen. Und da beginnt jetzt das große Zittern, denn 17 Zähler sind keine Versicherung mehr.

Während Sauber zur Überraschung der zweiten Saisonhälfte aufsteigt, kämpft Force India mit dem Rücken zur Wand. "Seit Pirelli die 2012er Reifenkonstruktionen gebracht hat, läuft bei uns nichts mehr. Sauber hat davon profitiert. Bei uns leidet die ganze Aerodynamik. Wir müssten unser Auto jetzt in den Windkanal stellen, um zu reagieren, doch das geht nicht mehr. Der Kanal ist mit dem 2014er Auto belegt", klagt Sportdirektor Otmar Szafnauer.

14 Punkte zum Geburtstag

Nico Hülkenberg und Esteban Gutierrez haben Firmengründer Peter Sauber 14 Punkte zu Geburtstag geschenkt. "Ich hoffe, unser Chef hat einen angenehmen Tag", schickte Chefingenieur Tom McCullough einen Gruss in die Schweiz. Peter Sauber wird diesen GP Japan am TV-Schirm fast so genossen haben wie den dritten Platz von Kamui Kobayashi im Vorjahr.

Sein Rennstall hat sich selbst am Schopf aus einem Sumpf gezogen, in dem Team zu ersticken drohte. Bis zum GP Ungarrn wehrte sich der Sauber C32 gegen jeden Verbesserungsversuch. Doch seit man auf das letztjährige Auspuffsystem zurückkehrte, seit die alten Reifenkonstruktionen der Aerodynamik helfen, seit man mit der Abstimmung neue Wege bestreitet, geht die Post ab.

Sauber hat in den letzten vier Rennen mehr Punkte geholt als McLaren (18), Force India (1) und Toro Rosso (6) zusammen. McLaren kann froh sein, dass man schon 83 Punkte auf dem Konto hat, und dass Sauber so spät aufgewacht ist. Doch aufgepasst. Auf drei der nächsten vier Strecken müsste Sauber stärker sein als McLaren. Nur in Austin könnte Gleichstand herrschen.

Sauber taktiert mit frühen Boxenstopps

Mit den guten Ergebnissen steigt das Selbstvertrauen. Das resultiert in mutigeren Strategien. Tom McCullough: "Wir sind einen aggressiven Weg gegangen, haben immer früh gestoppt, um unsere Posaitionen auf der Strecke zu sichern. Hinten raus mussten wir unsere Positionen verteidigen. Mit Nico hat es nicht ganz geklappt, aber wir durften nicht unbedingt damit rechnen, vor Alonso und Räikkönen ins Ziel zu kommen. Dass beide Nico überholt haben, war unsere Strafe. Für Esteban hat es sich ausgezahlt. Er hat seinen siebten Platz toll gegen Rosberg verteidigt. Das zeigt uns, dass er immer sicherer wird."

Hülkenberg ist seinen letzten Stint vermutlich zu schnell angegangen. "Ich war selbst überrascht, wie leicht ich Alonso zunächst davonfahren konnte. Als er dann wieder näher kam, wusste ich, dass er nur seine Reifen geschont hat." Wer wie Hülkenberg 24 Runden durchhalten musste, der war besonders in Sektor 1 gefährdet. "In den S-Kurven konntest du dir am leichtesten die Reifen kaputtmachen", erklärte McCullough.

Gutierrez belohnt sich mit ersten WM-Punkten

Die Basis für den doppelten Punktegewinn wurde in der Starrtrunde gelegt. Hülkenberg und Gutierrez kamen als Siebter und Neunter aus der ersten Runde zurück. "Esteban hatte wie in Korea einen tollen Start. Diesmal aber hat er die ersten Kurven besser hingekriegt. Seine Linienwahl dort hat ihm viele Positionen gebracht", lobte McCullough.

"Wir wussten, dass er es kann. In Q2 war er nur eineinhalb Zehntel langsamer als Nico. Aber das war der Unterschied zwischen Q2 und Q3. So brutal ist die Formel 1. Das Ergebnis wird Esteban stärker machen, weil er sich jetzt mehr zutraut." Auch Teamchefin Monisha Kaltenborn lobte: "Unsere Fahrer haben großartig gekämpft. Nico war stark wie immer, und Esteban wurde endlich mit Punkten belohnt für einen Aufwärtstrend, der sich in den letzten Rennen abgezeichnet hat. Ein besseres Geburtstagsgeschenk konnten wir Peter nicht machen."

An Platz 6 im Konstrukteurspokal will Kaltenborn noch gar nicht denken. "Wir haben die Chance registriert, wollen aber nicht übermütig werden." Auch Teammanager Beat Zehnder warnt: "Das Rennen war gnädig zu uns. Wenn Hamilton beim Start nicht einen Reifenplatzer hat und Rosberg keine Durchfahrtstrafe bekommt, verlieren wir zwei Plätze."

Was Zehnder besonders freute: Auch die Boxenstopps waren erstklassig. 2,6 Sekunden im Schnitt, bis auf Hülkenbergs zweiten Reifenwechsel. Da ging eine halbe Sekunde verloren, weil der Fahrer ein bisschen zu weit vorne geparkt hat. 

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