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Teamcheck 2011 - Ferrari

Ein Jahr zum Vergessen

Ferrari Mondiali 2011 Mugello Foto: Ferrari 39 Bilder

Ferrari hakte die Saison 2011 bereits früh ab. Der F150 Italia war zu bieder. Kurze Hoffnung flammte auf, als Fernando Alonso in Silverstone gewann, doch der einzige Saisonsieg blieb nur ein Strohfeuer. Ferrari versäumte es, die FIA in ihrer Kampagne gegen den angeblasenen Diffusor zu unterstützen.

15.12.2011 Michael Schmidt

Diese Saison erinnerte Ferrari an 2009. Maranello wurde mit nur einem Sieg als abgeschlagener Dritter nach Hause geschickt. Sebastian Vettel hatte am Ende mehr Punkte auf seinem Konto als die ruhmreiche Scuderia. Der Vergleich mit 2009 hinkt in einem Punkt. Das diesjährige Auto war besser als der Ferrari F2009 von vor zwei Jahren. Mit Fernando Alonso landete man immerhin zehn Mal auf dem Podest. Aber nur mit ihm. Der Spanier ließ den F150, um dessen Namensgebung sich ein kindischer Streit mit Ford entwickelte, besser aussehen als er war. Kritische Geister in Maranello merkten an: "Felipe Massa zeigte das wahre Potenzial unseres Autos auf."

Ferrari siegt nur in Silverstone

Ferrari hatte nur beim Grand Prix von England ein Siegerauto. Und den gewann Fernando Alonso wie auf Bestellung. Dass dieser Triumph 60 Jahre nach dem Premierensieg von Froilan Gonzalez an gleicher Stelle mit dem Verbot des aktiven Anblasens des Diffusors zusammenfiel, ist rückblickend betrachtet kein Zufall. Ferrari hatte sein Auto zwar in drei Gewaltakten auf Vordermann gebracht, doch bei der Technik des angeblasenen Diffusors hinkten die Ingenieure in Rot meilenweit hinterher. Vor allem auf der Motorseite. Vor Silverstone gab es keinerlei Kennfelder, die Auspuffgase auch dann überproportional produzierten, wenn der Fahrer vom Gas ging.

Ferrari ließ sich durch das gute Ergebnis täuschen. Man redete sich ein, dass der Hauptgrund für den Aufschwung das verbesserte Fahrzeug sei und nicht die künstliche Strömungshilfe im Diffusor. Das Layout von Silverstone mit zumeist flüssigen Kurven bestärkte Ferraris Strategen in ihrer Ansicht. Wenn der angeblasene Diffusor irgendwo eine untergeordnete Rolle spielte, dann auf dem ehemaligen Flugplatz der Royal Airforce. In den schnellen Kurven war Alonso besser als Vettel. In den langsamen fiel er weniger ab als üblich. Und genau das war der Knackpunkt. Das Defizit in langsamen Kurven wurde dadurch reduziert, dass man Red Bull die Waffe des angeblasenen Diffusors genommen hatte.

Vor zehn Jahren hätte der damalige Ferrari-Chef Jean Todt politisch alle Hebel in Bewegung gesetzt, die FIA in ihrer Kampagne gegen diese Technik zu unterstützen. Doch Todts Nachfolger Stefano Domenicali ist ein Mann des Ausgleichs. Er gab dem Drängen der Befürworter nach und rang ihnen lediglich das Versprechen ab, dass am Ende des Jahres Schluss mit dem Zauber ist. Sonst hätte es wieder geheißen, dass der Weltverband Maranello hörig ist und Ferrari ein schlechter Verlierer sei.

Ferrari vom Windkanal genarrt

Das Jahr begann für den ältesten Rennstall der Formel 1 mit der ernüchternden Feststellung, dass der Rückstand auf Red Bull eine Sekunde und auf McLaren eine halbe Sekunde betrug. Die Aerodynamiktruppe um Marco de Luca war falschen Windkanaldaten aufgesessen. Technikdirektor Aldo Costa wurde vorgeworfen ein zu biederes Auto gebaut zu haben. Es dauerte zwei Wochen, bis der Fehler im Windkanal gefunden war. Costa kurbelte ein aufwändiges Entwicklungsprogramm an. Es rettete seinen Posten nicht mehr. Als Alonso beim GP Spanien überrundet wurde, rollte Costas Kopf. An seine Stelle trat der frühere McLaren-Projektleiter Pat Fry. Der Engländer ermutigte seine Mannschaft, neue Ideen einzubringen.

Zunächst beschränkte man sich darauf, Red Bull zu kopieren. Bis zur Sommerpause funktionierte das auch ganz gut. Alonso fuhr vier Mal in Folge auf das Podest und krönte sich zum inoffiziellen Meister der Sommersaison. Trotz ungünstiger Wetterbedingungen. Ferrari litt wie üblich unter dem Problem, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Auf den Reifentypen "hard" und "medium" fuhr man hoffnungslos hinterher. Alonso präzisierte: "Unser Auto ist nur auf einer Reifensorte konkurrenzfähig, und das ist die Marke soft."

Belgien-Update floppt

Für den GP Belgien setzte Ferrari alles auf eine Karte. Man reiste mit einem Facelift und großen Hoffnungen in die Ardennen und wurde bitter enttäuscht. "Dort gingen unsere letzte Titelhoffnungen den Bach hinunter", berichtete ein Teammitglied. Im Gepäck war ein Auspuff, der halb unter den Diffusor, halb darüber blies. Red Bull hatte mit dem gleichen Prinzip früher in der Saison bereits Schiffbruch erlitten. Ferrari ging es genauso. Die Autos wurden auf den alten Boden und die alte Hinterradaufhängung zurückgerüstet, die beim Einfedern weniger Sturzverstellung erlaubte.

Als der Titeltraum ausgeträumt war, übte Ferrari nur noch für die nächste Saison. In Korea wurde das Unternehmen beweglicher Frontflügel gestartet. Ferrari musste jedes Mal nachbessern, weil sich die Flügelenden unter bestimmten Bedingungen gefährlich aufschaukelten. Erst im Finale von Brasilien war der Flügel sattelfest. Da wusste man aber bereits, dass Flügelpionier Red Bull zuweilen mit den gleichen Symptomen kämpfte, sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Das Phänomen trat nämlich nur am Ende langer Geraden mit dem Heckflügel in DRS-Stellung auf. Das schließt einen Dauerzustand im Rennen aus. Trotzdem wunderten sich die Ferrari-Techniker, dass Red Bull mit dem Phänomen so leichtfertig leben mochte. "Wir schließen daraus, dass die jedes Rennen mit neuen Flügeln antreten. Das wäre unter den Ressourcenbeschränkungen für uns der Overkill."

Massa verliert Duell gegen Alonso deutlich

Felipe Massa stemmte sich mit Macht gegen die Nummer-zwei-Rolle im Team, und genau das war sein Problem. Sein wilder Fahrstil killte die Reifen. Schon beim GP Australien erstickte Ferrari seine Palastrevolution gegen Fernando Alonso im Keim. Im Rennen musste er seinen Teamkapitän vorbeilassen. Zwei Zielankünfte vor Alonso waren nur kurz Doping für das Selbstvertrauen. Seit Barcelona wurde Massa wieder auf das zurückgestuft, was er ist: ein guter Rennfahrer. Alonso ist außerirdisch. Der zweifache Weltmeister bleibt trotz neu strukturierter Technikabteilung auch in Zukunft Ferraris größtes Faustpfand.

Einen Sieg gab es am Ende der Saison dann doch noch. Ferrari legte mit 11.123 Rennkilometern die größte Distanz aller Teams zurück. Wenigstens die Zuverlässigkeit stimmte. Positiv waren auch die Starts. In der zweiten Saisonhälfte kam keiner so gut vom Fleck wie Alonso und Massa. Das allein wird Präsident Luca di Montezemolo nicht besänftigen. Er verlangt, dass seine Truppe 2012 wieder dorthin zurückkehrt, wo man zuletzt 2007 war. Auf Platz eins in der Fahrer-Wertung. Der Druck, unter dem die Techniker stehen, ist immens. Sie müssen 2012 ein Meisterauto abliefern.

Daten:

WM-Platz: 3
WM-Punkte: 375
GP-Siege: 1
Pole Positions: 0
Schnellste Runden: 3
Rennkilometer: 11.123,6 km = 292,7 km pro Fahrer und GP (Platz 1)
Führungsrunden: 77
Punkteplatzierungen: 33
Podestplätze: 10
Zielankünfte: 34
Ausfälle: 4 (2 Defekt, 2 Unfall)
Fahrer: Fernando Alonso (P4), Felipe Massa (P6)
Motor: Ferrari V8

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