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Teamcheck 2011 - Hispania

Hispania wird spanisch

Hispania Teamfoto GP Brasilien 2011 Foto: HRT 8 Bilder

Hispania hat seinen elften Platz in der Konstrukteurs-WM mit bescheidenen Mitteln verteidigt. Im Gegensatz zum Vorjahr fand diesmal sogar so etwas wie Weiterentwicklung statt. Der Fokus liegt auf der Zukunft. Der neue Besitzer Thesan Capital will investieren. Und Hispania wird spanisch.

20.12.2011 Michael Schmidt

Die Testfahrten verhießen nichts Gutes. Hispania trat nur mit dem Vorjahresmodell an. Das neue Auto wurde erst beim Testfinale in Barcelona vorgestellt. Stehend. Angeblich war das Getriebe noch eine Holzattrappe. Zum Glück für den spanischen Rennstall mit Basis in Deutschland wurde der Saisonauftakt in Bahrain abgesagt. Das gab der Mannschaft von Colin Kolles 14 Tage mehr Zeit, den neuen HRT F111 zusammenzuschrauben.


Große Namen, aber wenig Zeit

Die Namen im Designbüro konnten sich sehen lassen. Technikdirektor Geoff Willis, Chefdesigner Paul White, Chefingenieur Jacky Eeckelaert: Alles Leute mit Erfahrung, die in größeren Teams gearbeitet hatten. Ihnen fehlte vor allem Zeit. Geoff Willis und seine Leute begannen erst am 15. Dezember mit dem Design des neuen Autos. Da waren die anderen schon fertig. Die Ingenieure mussten Weihnachten durcharbeiten. Windkanalstunden Fehlanzeige. "Wir haben das Auto anhand von Erfahrungswerten und mit Hilfe von CFD-Simulation gebaut", bestätigte Willis. Das Windkanalprogramm wurde erst im Mai angekurbelt. Da schloss Hispania ein Abkommen mit Mercedes. Das Werksteam vermietet seitdem einen seiner beiden Windkanäle in Brackley an den Konkurrenten.

Tatsächlich sah das neue Auto ganz proper aus. Das Chassis wurde vom Vorjahr übernommen und den neuen Regeln angepasst. Getriebe und Hydraulik kamen vom Vorjahres-Williams FW32. Deshalb musste die Hinterradaufhängung völlig neu konzipiwert werden. Die des Vorgängerautos war an ein X-Trac Getriebe angepasst. Der Einsatz beim ersten Grand Prix in Melbourne wurde zum Wettlauf mit der Zeit, das freie Training zur ersten Testfahrt. Die fiel denkbar knapp aus. Vitantonio Liuzzi und Narain Karthikeyan schafften vor dem Abschlusstraining gerade mal sieben Runden. Das war es keine Überraschung, dass beide Hispania-Fahrer an der 107-Prozent-Hürde scheiterten.

Ab zweiten Grand Prix war das Tabellenschlusslicht besser sortiert. Die Qualifikation für das Rennen war fortan kein Thema mehr. Und beim GP Kanada gab Hispania sogar die rote Laterne ab. Liuzzis 13. Platz brachte die kleine Truppe vor Virgin. Das sollte bis zum Saisonende so bleiben. Auf der Strecke waren Timo Glock und Jérôme d‘Ambrosio meistens eine halbe Sekunde schneller. Nur auf schnellen Strecken mussten sie die Hispanias fürchten. Der HRT F111 hatte zwar wenig Abtrieb, aber auch wenig Luftwiderstand. Geoff Willis gab seinem Team angesichts der beschränkten Mittel die Note 8 von 10.

Beim GP Kanada präsentierte Hispania eine Ausbaustufe. Der Auspuff wurde so verlegt, dass er teilweise in den neu gestalteten Diffusor blies. Dazu Willis: "Eine kleine Gruppe hat vier bis fünf Wochen daran gearbeitet." Klein heißt: Drei Aerodynamiker, vier Designer, vier Mann in der Produktion. Die neuen Teile wurden an der Strecke in Montreal an das Auto geschraubt.
Der Einkauf des Getriebes und der Hydraulik hat die Defektrate deutlich gesenkt. Acht Ausfälle gingen auf das Konto der Technik. Da gab es Teams mit mehr Defekten. Nur ein Ausfall hatte mit dem Getriebe zu tun. Der Rest verteilte sich quer über das Auto. Betroffen waren der Heckflügel, ein überhitzter Motor, die Elektrik und die Lichtmaschine. Dazu Liuzzis Startcrash in Monza.

Hispania stellt sich neu auf

Im Sommer kam Bewegung in das kleinste Team der Formel 1. Die spanische Investmentgruppe Thesan Capital kaufte von Besitzer José Carabante die Mehrheit der Aktien. Mit dem neuen Chef Saul Ruiz des Marcos wurde das spanische Element wiederbelebt. Das Team wird über den Winter von seiner deutschen Basis nach Valencia umziehen. Ex-Rennfahrer Luis Perez-Sala löst Colin Kolles als Teamchef ab. Pedro de la Rosa gibt im Alter von dann 41 Jahren sein drittes Comeback nach McLaren 2006 und Sauber 2010. Experten tippen, dass der zweite Fahrer Jaime Alguersuari heißt.

De la Rosa hat sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht. "Einen Zweijahresvertrag bei McLaren aufzugeben, ist ein großes Risiko. Das habe ich den neuen Besitzern auch gesagt. Sie haben mir ihre Pläne vorgelegt, und ich muss sagen: Das hat alles Hand und Fuß." Erst war der McLaren-Testfahrer nur Berater, doch dann wollte Ruiz des Marcos mehr. Er suchte nach einem Mann mit Erfahrung im Cockpit. Einen, der weiß wie es bei den großen Teams zugeht. Die spanischen Investoren haben kapiert, dass sie mit Paydrivern nicht weiterkommen. Sie wollen das Team aufpäppeln und nach drei bis fünf Jahren mit Mehrwert wieder verkaufen.

De la Rosa weiß, dass ihm viel Arbeit bevorsteht. "Es wird dauern, bis wir die ersten Ergebnisse sehen. Wir werden 2012 sicher nicht im Mittelfeld fahren. Das wäre zu viel verlangt. Aber wir können den Abstand zum Mittelfeld verkürzen. Die neuen Besitzer sind jung, aber sie sind keine Spinner. Alles, was sie bis jetzt angepackt haben, hat funktioniert. Hätten sie mir vom Gehalt her ein unanständiges Angebot gemacht nur um mich zu bekommen, hätte ich abgelehnt. Es war im Rahmen dessen, was sich so ein kleines Team leisten kann."

Im Technikbüro gab es einen Personalwechsel. Geoff Willis wurde von Mercedes weggelobt. Sein designierter Nachfolger Jörg Zander war nur kurz an Bord. Jetzt leitet der Belgier Jacky Eeckelaert das Konstruktionsbüro. Ein Joker könnte die Zusammenarbeit mit Williams werden. Der Rennstall aus Grove liefert 2012 nicht nur das Getriebe, sondern auch Kers. Damit hat Hispania im Vergleich zu Marussia schon einmal drei Zehntel in der Tasche.

Daten:
 
WM-Platz: 11
WM-Punkte: 0
GP-Siege: 0
Pole Positions: 0
Schnellste Runden: 0
Rennkilometer: 9332,9 km = 259,2 km pro Fahrer und GP (Platz 12)
Führungsrunden: 0
Punkteplatzierungen: 0
Podestplätze: 0
Zielankünfte: 27
Ausfälle: 9 (8 Defekt, 1 Unfall)+ 2 Nichtqualifikationen
Fahrer: Vitantonio Liuzzi (P23), Narain Karthikeyan (P26), Daniel Ricciardo (P27)
Motor: Cosworth V8

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