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Teamcheck 2011 - Sauber

Ohne Diffusortrick auf Platz sieben

Sergio Perez, Sauber, testfahrt, Mexiko Foto: Sauber 7 Bilder

Sauber legte stark los, hatte mittendrin einen Durchhänger und verteidigte sich am Ende mit Bravour gegen den Ansturm von Toro Rosso. Der Verzicht auf den angeblasenen Diffusor erwies sich als riskante Entscheidung. Gerade am Schluss hätte man ihn händeringend gebraucht.

22.12.2011 Michael Schmidt

Diese zehn Punkte taten weh. Zehn Punkte, die schon auf dem Konto waren, aber drei Stunden nach dem GP Australien wieder getilgt wurden. FIA-Inspektor Jo Bauer nahm genau Maß. Die Rundung des Heckflügel-Flaps unterschritt im Radius um zwei Millimeter das geforderte Mindestmaß. Eine Schlamperei der Fertigungsabteilung. Alle anderen nach Melbourne mitgebrachten Heckflügel entsprachen dem Reglement.

Sauber schont die Reifen

Der Sauber C30 zeigte schon beim ersten Rennen eine Eigenschaft, die ihm in der ersten Saisonhälfte viele WM-Punkte einbrachte. Das weiße Auto war nett zu den Reifen. Das lag am Fahrwerk, das an der Hinterachse noch auf das bewährte Pushrod-Prinzip zurückgriff, und an einer gut ausgeklügelten aerodynamischen Balance. Auch bei Startplätzen zwischen elf und 16 waren die Sauber-Piloten immer für WM-Zähler gut.

Die Taktik, einen Stopp weniger als die Konkurrenz einzulegen, funktionierte mit der Ausnahme Valencia immer. Der Sauber-Kommandostand brachte seine Fahrer mit alternativen Strategien sicher durch den Verkehr. Oft merkte man erst im letzten Renndrittel, dass Kamui Kobayashi und Sergio Perez auf Punktekurs lagen. Davor dümpelten sie unauffällig im Mittelfeld herum. Nur an den erstaunlich schnellen Rundenzeiten auf abgefahrenen Reifen ließ sich erahnen, dass Sauber den langen Atem haben würde.

Perez mit starker Rookie-Saison

Am Anfang geigte Kamui Kobayashi groß auf. Höhepunkt war der GP Kanada, als der Japaner vor der großen Regenpause hinter Sebastian Vettel auf Rang zwei lag. Am Schluss wurde nur ein siebter Platz daraus. Je länger die Saison dauerte, umso mehr kam Sergio Perez in Schwung. Der Zweite der GP2-Serie 2010 streichelt beim Fahren seine Reifen. Der Mexikaner ist der Fahrer mit dem geringsten Verschleiß im Feld. Und er ist dabei noch erstaunlich schnell.

Perez bremst früh und lenkt weich in die Kurven ein. "Er hat ein gutes Gefühl dafür, wann die Reifen überhitzen und passt seinen Fahrstil an. Wenn es hinten losgeht, bringt er sie schnell wieder mit den vorderen in die Balance. Andere überfahren das Auto und verstärken das Ungleichgewicht nur noch", macht Teammanager Beat Zehnder einen Erklärungsversuch. Die Pirelli-Reifen merken sich jede Misshandlung. Einmal zu aggressiv gebremst oder beschleunigt, und der Reifen erholt sich nie wieder.

Peter Sauber sieht in dem Mexikaner ein unentdecktes Talent: "Sergio ist auf dem Weg zu einem großen Rennfahrer. Er fährt unauffällig schnell." Das Problem von Perez ist der Vater. Der redet dem Sohn ein, dass er bereits Weltmeisterqualitäten hat. Das verdreht dem GP-Neuling den Kopf. Er träumt schon von einem Ferrari-Vertrag. Peter Sauber machte sich deshalb dafür stark, dass der Vater so oft wie möglich zuhause blieb. Trotzdem: Perez war als Neuling eine Bereicherung und hat sich um nichts schlechter verkauft als der hoch gelobte Paul di Resta.

Sauber stoppt Entwicklung des angeblasenen Diffusors

Beim GP Spanien brachte Sauber ein erstes großes Facelift. Teil des Pakets war auch der angeblasene Diffusor. Obwohl man vorher schon zwei Mal in Freitagstrainings geübt hatte, brach Sauber auch den dritten Versuch ab. Der Abtrieb schwankte zu stark. Das verunsicherte die Piloten. Die Strecke brachte nicht den Fortschritt, den der Windkanal versprach. Was auch daran lag, dass Ferrari für seine Kundschaft keine entsprechende Motorsteuerung liefern konnte. Bei Sauber war man deshalb froh, dass die FIA ab dem GP England das aktive Anblasen des Diffusors verbieten wollte.

Hinwil bestellte bereits Nachschub für den nach innen zielenden Auspuff, als der Verband plötzlich eine Kehrtwende machte. Die großen Teams setzten sich damit durch, dass die Technik bis zum Saisonende überlebt. Hätte Sauber nach dem Sinneswandel der FIA die abgebrochene Arbeit am angeblasenen Diffusor wieder aufgenommen, wären weitere 500.000 Euro verbrannt worden.

Außerdem hinkte Motorenlieferant Ferrari auch zu diesem Zeitpunkt in der Entwicklung der Motorkennfelder noch weit hinterher. Es hätte wenig Sinn gemacht, in eine Diffusorentwicklung zu investieren, wenn vom Auspuff nichts kommt. Deshalb entschied Technikchef James Key: Konzentrieren wir uns lieber auf Komponenten, von denen wir auch 2012 profitieren können. Zum Beispiel die neuen Flügel vorne und hinten, die in Suzuka debütierten und mit einem achten Platz von Perez belohnt wurden.

Sauber schwächt sich selbst

Vielleicht hätte Sauber deshalb bei der Abstimmung in Silverstone einfach bei seinem Veto bleiben sollen. Des Frieden willens nickte man den Wunsch der anderen Teams nach Beibehaltung der Technologie ab. Aber hat sich je einer der Konkurrenten um das Schicksal des Schweizer Rennstalls gekümmert? Erst als am Saisonende erneut diskutiert wurde, und vor allem Red Bull und McLaren einen Teil des Auspuff-Tricks in das Jahr 2012 hinüberretten wollten, blieb Sauber bei seinem Nein. Diesmal stand ihm aber auch Ferrari zur Seite.

Im Finale der Saison machte sich der Verzicht auf den angeblasenen Diffusor immer deutlicher bemerkbar. Je mehr die Konkurrenz ihre Systeme verfeinerte, umso mehr geriet Sauber ins Hintertreffen. "Zwischen gar nichts wie Sauber und der perfekten Lösung von Red Bull liegen zwei Sekunden", glaubt Lotus-Technikchef Mike Gascoyne. Peter Sauber behauptet: "Wäre der angeblasene Diffusor verboten, hätten wir eines der besten Autos im Feld." Dafür kann er sich aber nichts kaufen.

Sauber rettet Platz sieben

Die Punkteverteilung zeigt ganz klar, wie stark das Fehlen des Aerodynamiktricks Saubers Saison beeinflusste. Bis zum GP Deutschland sammelte die Schweizer Truppe 35 Punkte. Bei den letzten neun Grand Prix kamen nur noch neun Punkte dazu. Ganz anders die Fieberkurven von Force India und Toro Rosso. Da waren die Punkte vor und nach dem GP Deutschland wie folgt verteilt. Force India 20/49, Toro Rosso 17/24.

Mit drei Platzierungen in den Punkterängen bei den letzten drei Rennen rettete Sauber immerhin noch Platz sieben vor Toro Rosso. Das sind vier Millionen mehr aus Bernie Ecclestones Kasse, als es bei Rang acht gegeben hätte. Peter Sauber sieht das Gesamtergebnis mit einem weinenden und einem lachenden Auge: "Platz sieben bedeutet eine Steigerung um einen Platz gegenüber 2010. Das ist gut, aber insgeheim stand bei uns Rang sechs auf dem Plan."

Daten:

WM-Platz: 7
WM-Punkte: 44
GP-Siege: 0
Pole Positions: 0
Schnellste Runden: 0
Rennkilometer: 10.162,2 km = 274,7 km pro Fahrer und GP (Platz 6)
Führungsrunden: 0
Punkteplatzierungen: 14
Podestplätze: 0
Zielankünfte: 29
Ausfälle: 8 (6 Defekt, 2 Disqualifikationen)+1 Startverzicht
Fahrer: Kamui Kobayashi (P12), Sergio Perez (P16), Pedro de la Rosa (P20)
Motor: Ferrari V8

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