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Teamcheck 2011 - ToroRosso

Defektteufel kostet Platz sieben

Toro Rosso STR6 - Animation Foto: Piola Animation 20 Bilder

Toro Rosso kam am Saisonende stark auf. Ab dem GP Korea fuhr das B-Team von Red Bull im Renntrim mit Force India auf Augenhöhe. Möglich machte es eine Modifikation an Auspuff und Diffusor. Trotzdem blieb nur Rang acht. Die Ausfallquote war zu hoch.

25.12.2011 Michael Schmidt

Der ToroRosso STR6 zählt zu den Autos, die auf den ersten Blick unverwechselbar sind. Charakteristikum des zweiten Eigenbaus aus Faenza sind die unten extrem stark eingezogenen Seitenkästen. Schnell hingeschaut hatte man den Eindruck, das Auto habe einen doppelten Boden. So wie der Ferrari F92A aus dem Jahr 1992. Die Taille unterhalb der Seitenkästen sollte die Luft dazu zwingen, sauber entlang der Verkleidung Richtung Diffusordach zu strömen. Dort wurde die Strömung durch die Auspuffgase unterstützt. ToroRosso begann mit einem Auspuff, der im Boden verlegt war und über statt unter den Diffusor blies.

Der Toro Rosso war ein Dauerläufer

Schon bei den Testfahrten war zu erkennen, dass die Stärke des Autos im Dauerlauf lag. Das setzte sich bei den Grand Prix auch so fort. Im Training waren Sebastien Buemi und Jaime Alguersuari meistens irgendwo zwischen Platz elf und 18 zu finden. Im Rennen geigten sie dann auf. Buemi erklärt die zwei Gesichter seines Autos: "Wir haben die Reifen erst mit Benzin an Bord zum Arbeiten gebracht. Kaum war der Tank voll, saß ich in einem anderen Auto. Plötzlich war der Grip da, der uns in der Qualifikation gefehlt hat." Da bei Sauber das gleiche Phänomen zu beobachten war, lag der Schluss nahe, dass beide Autos im Basis-Setup zu nett mit den Reifen umgingen. Im Training ein Handikap, im Rennen manchmal ein Joker. Der Versuch, das Auto so abzustimmen, dass es auch mit wenig Benzin im Tank Reifentemperatur entwickelte, ging meistens schief. Dann stimmten zwar die Startplätze, aber man war im Rennen nirgendwo.

ToroRosso baute sein Auto im Verlauf der Saison vier Mal massiv um. Drei Mal musste der STR6 deswegen beim Crashtest nachsitzen. In Monte Carlo kam eine neue Hinterradaufhängung, die ein neues Getriebegehäuse erforderte. Das zieht automatisch einen Heck-Crashtest nach sich. In Valencia debütierten neue Seitenkästen. Die FIA bat vorher zum Seitencrash. In Spa waren Nase und Frontflügel neu. Also Crashtest von vorne.

Der größte Schritt gelang ToroRosso aber mit dem letzten Eingriff. Im Freitagstraining zum GP Japan kam ein Unterboden und Auspuff zum Einsatz, der stark an eine frühere Version des Red Bull erinnerte. Die Konkurrenz beobachtete zeitgleich, dass sich der Frontflügel bei hohem Anpressdruck sichtbar nach unten bog. Bei Force India und Sauber läuteten die Alarmglocken. Die Rundenzeiten der ToroRosso-Piloten ließen eine Steigerung von einer Sekunde pro Runde erwarten.

Weil der Auspuff den Boden verbrannte, musste der Renneinsatz noch eine Woche warten. Beim GP Korea war es soweit. Die Befürchtungen der direkten Gegner von ToroRosso bestätigten sich. Alguersuari ließ sogar Nico Rosberg im Mercedes hinter sich. Buemi wäre in seiner Nähe gelandet, hätte ihn nicht eine Kollision mit Kamui Kobayashi beim Start zurückgeworfen. Trotzdem sammelte ToroRosso insgesamt acht Punkte ein. Die Gegner behaupteten, hinter dem ToroRosso-Wunder stecke Techniktransfer von Red Bull.

Platz sechs knapp verfehlt

Der Ansturm auf Platz sechs scheiterte schließlich, weil Sebastien Buemi in den letzten fünf Rennen drei Mal mit Defekt stehenblieb. Die Standfestigkeit war die Schwachstelle der ToroRosso. Mit 9813 Rennkilometern rangiert der italienische Rennstall nur auf Platz zehn. Neun Ausfälle, sieben davon technisch bedingt, sind zuviel, wenn man Sechster werden will. Es reichte nicht einmal zu Rang sieben, weil Sauber zum Schluss zwei Mal punktete und ToroRosso gar nicht.

Auf dem Yas Marina Circuit fehlte der Speed. "Wir wussten, dass Abu Dhabi unsere Problemstrecke sein würde. Unser Auto mag die vielen langsamen Kurven nicht", resümierte Buemi. Interlagos war besser auf den ToroRosso zugeschnitten, doch man verzockte mit der Abstimmung. Man erwartete Regen, doch der kam nicht. Buemis Auto war auf zuviel Abtrieb getrimmt. Das von Alguersuari fraß die Hinterreifen. Die Teamleitung hat Konsequenzen gezogen. Chefdesigner Ben Butler wurde abgezogen und durch Ex-McLaren Ingenieur Luca Furbatto ersetz.

ToroRosso setzt auf zwei neue Fahrer

Finanziell hängt der Rennstall aus Faenza nicht mehr ausschließlich an der Nabelschnur seines österreichischen Besitzers. Mercedes-Aktionär Aabar versorgt ToroRosso seit dieser Saison mit zahlungskräftigen Sponsoren. So kamen die Falcon-Bank und der spanische Mineralölkonzern Cepsa aufs Auto. Den Arabern gefällt die Red Bull-Markenidee. Deshalb engagieren sie sich bei ToroRosso. Gerüchte, sie hätten Anteile vom Team gekauft, erwiesen sich als Luftblase. ToroRosso ist immer noch zu 100 Prozent im Besitz von Red Bull.

Am 14.Dezember traf ToroRosso eine überraschende Fahrerwahl. Alguersuari und Buemi müssen gehen. Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne rücken auf. Damit wird ToroRosso seinem Anspruch gerecht, ein Juniorteam zu sein. Buemi und Alguersuari hatten drei Jahre lang die Chance, sich für einen Platz bei Red Bull zu empfehlen. Doch keiner der beiden machte den Eindruck, Mark Webber gleichwertig ersetzen zu können. Somit war die Entscheidung für zwei neue Fahrer nur konsequent.

Daten:

WM-Platz: 8
WM-Punkte: 41
GP-Siege: 0
Pole Positions: 0
Schnellste Runden: 0
Rennkilometer: 9.813,0 km = 258,2 km pro Fahrer und GP (Platz 10)
Führungsrunden: 0
Punkteplatzierungen: 14
Podestplätze: 0
Zielankünfte: 29
Ausfälle: 9 (7 Defekt, 2 Unfall)
Fahrer: Jaime Alguersuari (P14), Sebastien Buemi (P15)
Motor: Ferrari V8
 
 

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