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Teamkollegen über Schumi

"Mental beerdigt"

Foto: Wolfgang Wilhelm

In fünfzehn Jahren Formel 1 hat Michael Schumacher acht Teamkollegen verschlissen. Mit Andrea de Cesaris, Nelson Piquet, Martin Brundle, Rubens Barrichello und Felipe Massa sprechen in der "Motorsport aktuell“ fünf von ihnen über das Leben im Schatten des siebenfachen Weltmeisters.

14.11.2006

Als Formel 1-Rookie im Jordan Team traf Schumacher 1991 zunächst auf den erfahrenen Italiener Andrea de Cesaris. Ihn versetzte der Kerpener gleich bei seinem ersten Rennen in Belgien ins Staunen. "Michael hatte die Strecke in Spa Francorchamps noch nie mit einem Rennwagen erkundet, und in der zweiten Runde ließ er das Gaspedal in der Eau Rouge unten – ich konnte es nicht fassen“, erinnert sich der gebürtige Römer. Zu seinem damaligen Ingenieur Gary Anderson sagte er nur: "Der Junge hat Mumm!“ Und holte sich gleich den nächsten Dämpfer ab. Anderson offenbarte ihm nämlich: "Äh Andrea, Michael lässt in Blanchimont stehen, und du tust das nicht. Das geht nicht, du musst da auch voll fahren.“

Für Schumachers ersten Benetton-Kollegen Nelson Piquet war Schumacher der finale Sargnagel auf einer großen Karriere. Der dreimalige Weltmeister aus Brasilien beobachtete auch nach seiner aktiven Zeit die Karriere des Ausnahmefahrers: "Sein Siegeswille war enorm, dem hat er alles untergeordnet. Natürlich hat er dabei auch ab und zu Fehler gemacht, schließlich ist auch er nur ein Mensch.“

Brundle: "Ich segle von der Bahn"

Daran kann man fast zweifeln, wenn man liest, was Martin Brundle über seinen ehemaligen Teamkollegen zum Besten gibt: "Er hatte schon damals dieses scheinbar grenzenlose Selbstbewusstsein, das dich als Stallgefährten mental beerdigen kann.“ In Erinnerung ist ihm aber vor allem noch Schumachers körperliche Fitness geblieben, die bis dato in der Formel 1 als eher zweitrangig abgehandelt wurde. "Nach dem Testen“, so Brundle weiter, "gingen wir in einen Fitnessraum. Es war witzig, denn egal, welche Übung ich anging oder welches Gerät ich benutzte, ich machte seiner Meinung nach alles falsch.“

Und auch etwas Häme teilt der Brite aus: "Seine Starts waren nichts, worüber man seine Mutter nach Hause schreibt.“ Dennoch überwiegt auch bei Brundle der Respekt vor dem akribischen Arbeiter Michael Schumacher und seiner schnellen Entwicklung als Rennfahrer: "Michael ist intelligent und radierte einfach eine Schwäche nach der anderen aus.“ Besonders Schumis Können in schnellen Ecken wie der Bridge-Kurve von Silverstone sind Brundle noch immer ein Rätsel: "Ich wusste, wenn ich das auch versuche, segle ich von der Bahn."

Ein ganz normaler Mann

Der Wechsel von Benetton zu Ferrari brachte Michael Schumacher mit Rubens Barrichello zusammen. Während ihrer sechsjährigen Zusammenarbeit prägte Kollegialität ihr Verhältnis: "Wir kamen gut miteinander aus, aber die Basis für eine innige Freundschaft war nie da.“ Dass er nie über den Status des Wasserträgers bei Ferrari hinaus gekommen ist, kreidet er Schumacher aber nicht an.

Ganz anders war die Situation mit Felipe Massa, der Anfang der Saison 2006 das zweite Auto bei Ferrari neben dem Platzhirsch Michael Schumacher erhielt. Voller Lob spricht der junge Brasilianer über seinen Teamkollegen: "Für mich ist Schumacher ein Genie der Rennstrecke.“ Hoch rechnet Massa dem inzwischen zurückgetretenen Formel 1-Heroen an, am Abend nach seinem letzten Rennen auf seiner Siegesfeier vorbeigekommen zu sein. "Ich glaube das zeigt, dass er auf den Rennstrecken und in der weiten Welt zwar zum Superstar geworden, im Grunde aber ein ganz normaler, umgänglicher Mann geblieben ist.“

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