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Formel 1: Reifen- und KERS-Dilemma

Teams wollen Entscheidung bis Monaco

Bridgestone F1-Reifen Foto: xpb 17 Bilder

Die FOTA-Teamchefs trafen sich am Sonntag in Barcelona zu einer dringlichen Sitzung. Hauptthemen waren die Reifenfrage und KERS. Entschieden wurde wie immer nichts. Eine Lösung muss schnell her, weil die Ingenieure mit den 2011er Autos beginnen wollen.

09.05.2010 Michael Schmidt

Die Lage auf dem Reifenmarkt wird immer unübersichtlicher. Je heißer das Thema diskutiert wird, umso mehr Kandidaten melden Interesse an. Neben Michelin, Pirelli und Avon werden jetzt auch Bridgestone und Kumho genannt. Der koreanische Hersteller deponierte bei der FIA und bei Bernie Ecclestone offenbar eine Absichtserklärung. Bridgestone kommt ins Spiel, weil die Teams die Japaner geschlossen gebeten haben, den Rückzug noch einmal zu überdenken.

F1-Teams rufen wieder nach Bridgestone

Bridgestone-Europachef Mac Ohashi war in Barcelona von Teamvertretern kontaktiert worden. Er wird jetzt die Bitte an Konzernchef Shoshi Arakawa weiterleiten. "Die Anfrage ehrt uns", gibt Rennleiter Hiroshi Yasukawa zu. Der Hilferuf aus der Formel 1 soll Bridgestone bei der Ehre packen. Viel Zeit bleibt dem Vorstand in Tokio nicht. Die Teams wollen bis zum GP Monaco eine Entscheidung haben. Das Versprechen, umweltfreundliche Technologien in der Formel 1 zu fördern, ist eine weitere Brücke, die man Bridgestone baut. Das Unternehmen fährt zur Zeit eine grüne Kampagne.

Unter den zwölf Rennställen herrscht weiter große Uneinigkeit, wer den Zuschlag bekommen soll, wenn Bridgestone bei seinem Rückzug bleibt. Die großen Teams wollen Michelin, weil die Franzosen als einzige in der Lage wären, verlässliche Reifendaten zur Verfügung zu stellen. Die Privatteams sind skeptisch. "Wir ärgern uns darüber, wie uns Michelin mit dem ersten Angebot behandelt hat. Das war viel zu teuer", heißt es aus den Reihen der unabhängigen Teams. Michelin hat seine Forderungen mittlerweile um 50 Prozent reduziert. Man wünscht sich zwar Wettbewerb, doch das Risiko, dass es zu einem geldverzehrenden Reifenkrieg kommt, ist relativ gering. Im Augenblick zeichnet sich kein Hersteller ab, der sich traut, gegen Michelin anzutreten.

Kein konkretes Pirelli-Angebot

Bei Pirelli fehlt noch eine detaillierte Offerte. Man weiß nur, dass es fürs gleiche Geld wie bei Michelin doppelt so viele Reifen gibt. Doch Pirelli hat seit 19 Jahren keine Formel 1-Reifen mehr gebaut. Da bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Avon wäre die billigste Lösung. Es gäbe jedoch keine Reifendaten. "Dann würden die großen Teams eigene Ingenieure anstellen, die selbst Reifendaten generieren", winkt McLaren-Chef Martin Whitmarsh ab. "Die kleinen Teams könnten sich das nicht leisten und es gäbe eine Zweiklassengesellschaft."

Kumho meldete sich erst in letzter Minute, ohne Details zu nennen. Man bekundet ein generelles Interesse am GP-Sport. Die Koreaner haben jedoch null Erfahrung mit Formel 1-Reifen.

KERS-Einführung 2011: Top-Teams vs. Neulinge

Das Thema KERS könnte die Formel 1 noch länger beschäftigen. Ferrari und Renault wollen schon ab 2011 unbedingt mit Hybridantrieb fahren. Aus Imagegründen und weil sich auf diesem Gebiet ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz erzielen lässt. Da die Aerodynamik ab nächstem Jahr weiter beschnitten wird, suchen die Ingenieure nach neuen Spielwiesen. Ferrari würde sein System seinen Kunden Sauber und Toro Rosso verkaufen. Renault bietet seine Technik in Zusammenarbeit mit Magneti Marelli dem ganzen Feld an. Angeblich für eine Million Euro pro Saison.

Den armen Teams ist selbst das zu teuer. Sie wollen KERS auf 2013 verschieben, wenn ein neues Motorenformat kommt. "Die würden noch weiter zurückfallen, wenn einige Teams mit KERS fahren und sie selbst nicht, weil sie es sich nicht leisten können", warnt Whitmarsh.

Keiner kann KERS für 2011 verbieten

Die Problematik liegt darin, dass die Regeln den Einsatz von Hybridtechnologie erlauben. Die Absprache KERS nicht zu verwenden gilt nur für 2010. "Wenn einer nächstes Jahr mit KERS fahren will, kann es ihm keiner verbieten", beschreibt Ross Brawn das Dilemma. Die Furcht geht um, dass die Hersteller ihre Systeme vom Vorjahr weiterentwickeln und dass Williams mit seiner Schwungradlösung kommt. Das würde nicht nur die Kosten nach oben treiben, sondern auch das Feld auseinanderziehen.

"In der jetzigen Zeit das Dümmste, was man machen kann", schimpft die zweite Liga im Feld. Whitmarsh sieht in der Ablehnung von KERS ein politisches Problem: "Du kannst dir heute gar nicht leisten, gegen den Hybridantrieb zu sein, weil du dich sofort angreifbar machst. Dass die in der Formel 1 bislang eingesetzten Systeme nichts mit Spritsparen zu tun haben, will keiner hören."

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