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Technik-Analyse Marussia MR03

Der russische Ferrari

Marussia MR03 - Technik-Analyse - F1 2014 Foto: xpb 18 Bilder

Für Marussia war der Bau des neuen Autos eine Titanenaufgabe. Das kleinste Team der Formel 1 hat sie mit Bravour bestanden. Der neue Marussia MR03 machte in Jerez eine gute Figur. Optisch und auf der Rennstrecke. Ferrari liefert nicht nur Motor und Getriebe. Es gibt auch Technikhilfe aus Maranello. Wir haben die Details.

18.02.2014 Michael Schmidt

Eigentlich wollte Marussia-Chef Andrej Cheglakov nicht mehr auf eigene Faust weitermachen. Am Ende der letzten Saison gab es Pläne mit Williams zu fusionieren. Das Vorhaben scheiterte, weil Frank Williams unabhängig bleiben wollte. Also macht Marussia auf eigene Faust weiter. Da Motorenlieferant Cosworth ausgestiegen ist, verbündeten sich die Russen mit Ferrari. Ein kluger Schritt. Maranello liefert nicht nur die Antriebseinheit und das Getriebe, sondern gewährt auch Technikhilfe. Zum Beispiel bei der Installation der Bausteine. Ein verkapptes Kundenteam sozusagen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass Marussia in Jerez einen guten Eindruck hinterließ. Die 200-Mann-Truppe nahm den Testbetrieb zwar mit zwei Tagen Verspätung auf, legte dann aber mehr Runden zurück als Red Bull. Das Auto macht einen stimmigen Eindruck. Zum ersten Mal hat man den Eindruck, dass Marussia zum Ensemble dazugehört. Optisch zählt das rot-weiß-schwarze Auto zu den schönsten im Feld.

Die Nase: Marussia MR03 mit Red Bull-Kopie

Die Nase könnte vom Red Bull geklaut worden sein. Aus dem Chassis wächst ein schwarzer Kiel, der auf den schnellen Blick gar nicht auffällt. Deshalb hat man beim ersten Hinschauen den Eindruck, es handele sich um ein Vorjahresauto. Die Vorderradaufhängung wurde völlig neu konzipiert. Marussia erwartet, dass der mechanische Grip in diesem Jahr an Bedeutung gewinnt.

Gerüchten zufolge hat Marussia eine Lotus-Nase in der Hinterhand. Im Technikbüro in Banbury wurde eine noch extremere Variante der Lösung durchgespielt, als sie Lotus mit dem E22 zeigt. Zwischen den beiden ungleich langen Pfeilern für die Frontflügelaufhängung befindet sich luftleerer Raum. Das Chassis hört kurz vor dem vorderen Chassis-Schott (A-A-Sektion) auf und hat am vorderen Ende einen Oberflächenkühler für die Hydraulik installiert. Hört sich interessant an. Hoffentlich hat Marussia die Idee nicht eingemottet.

Die Seitenkästen: Lang, hoch, aber schmal

Da hat sich Marussia etwas getraut. Die Seitenkästen wirken zierlich. Sie verlieren Richtung Heck zwar kaum an Höhe, sind aber schon im Ansatz schmal und stark eingezogen und ziehen sich kontinuierlich zu einem engen Flaschenhals zusammen. Der Preis dafür ist Länge. Im Fotovergleich zählt der MR03 zu den längsten Autos im Feld. Da auch die Airbox sehr lang ausfällt, sieht es so aus, als würde der Fahrer im Marussia weiter vorne sitzen als bei anderen Autos. Das vertikale Leitblech vor den Seitenkästen fehlt noch. Wie beim Sauber sind aber die Aufnahmepunkte schon erkennbar.

Die Kühlung: große Ein- und Auslässe

Interessant zum Thema Kühlung ist die Aussage von Chefdesigner John McQulliam: "Die größte Herausforderung war die Integration der Kühlung. Dies ist der Bereich, mit dem wir nicht nur mit dem Design extrem zufrieden sind, sondern auch mit dem innovativen Ansatz unseres Kühlkonzepts."

Soll das heißen, dass Marussia die Kühler des gleichen Herstellers benutzt wie Ferrari? Das wäre für ein Team mit begrenztem Budget ein finanzieller Kraftakt. Die Kühler der Firma MezzoTech sollen so viel kosten wie ein Kleinwagen.

Die dreieckigen Kühleinlässe fallen moderat aus. Das erinnert an Ferrari. Dafür schnorchelt der Marussia unterhalb der Airbox zusätzliche Kühlluft an. Die Öffnung ist zweigeteilt. In der Mitte trennt ein Steg die beiden Kühlkanäle. Wie beim Toro Rosso schließen Überrollbügel und die Lufteinlässe bündig miteinander ab. Es gibt keinen Vorbau oder Absatz zwischen Nackenstütze und Airbox wie bei den anderen Autos.

Beim Auslass für die Abluft der Kühler geht Marussia wie Caterham den sicheren Weg. Die Öffnungen befinden sich rund um das Auspuff-Endrohr und die Aufnahmepunkten der vorderen Querlenker der Hinterradaufhängung. Zusätzlich sind hinter dem Cockpit je sechs Kühlrippen angebracht.

Die Flügel: eine Heckflügelstütze

In den Frontflügel hat Marussia viel Arbeit investiert. Im Vergleich zum Ferrari-Frontflügel sieht das richtig aufwendig aus, was Aerodynamikchef Richard Taylor da hingezaubert hat. Unten sechs Elemente, oben vier in zwei Ebenen nebeneinander. Die Endplatten verlaufen bis auf das hintere Ende gerade wie ein Brett. Unten sind allerdings vier kleine Fenster in die Flügelabgrenzungen gestanzt. Die schaufelförmigen Leitbleche unter der Nase bestehen aus drei hintereinander gestaffelten Elementen.

Der Heckflügel teilt sich wie beim Sauber in drei Elemente. Der Mittelteil ist dezent durchgebogen. Die beiden äußeren Teile gehen gerade in die Endplatten über, die vorne einen kleinen Schlitz und unten fünf Fächer aufweisen. Von oben sieht man, dass das Hauptblatt wenig Tiefe hat. Auch bei der Heckflügelstütze lehnt sich Marussia an Red Bull an. Der Flügel steht auf einem Pfeiler, der sich um das Auspuffendrohr herum in ein kreisförmiges Gebilde aufteilt, das gleichzeitig den "Monkey Seat" aufnimmt.

Das Heck: Diffusor mit acht Kanälen

Keiner splittet den Diffusor so stark auf wie Marussia. Wir zählen insgesamt acht Kanäle. Auf dem Dach thront die obligatorische Leiste, die beim Absaugen der Luft nach oben helfen soll. In die hinteren Bremsbelüftungen sind fünf Flügel integriert. Die oberen Querlenker der Pullrod-Hinterachse fallen noch ziemlich schmal aus. Nur die Spurstange zeigt den Ansatz eines Flügelprofils. Hier ist noch Raum für Entwicklung.

Fazit: Der Marussia MR03 ist ein mutiges Auto für ein kleines Team.

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