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Technik-Analyse Sauber C33

Ein halb fertiges Auto

Sauber C33 - Technik-Analyse - F1 2014 Foto: xpb 19 Bilder

Sauber fuhr viel in Jerez, war aber langsam. Das Auto kam in einem halbfertigen Zustand zum Test. Einige gute Ideen konnte man aber bereits erkennen: Schlanke Seitenkästen, einen speziellen Heckflügel und die Option für ein passives DRS - wir haben den Sauber C33 in der Technik-Analyse.

15.02.2014 Michael Schmidt

Sauber schaffte in Jerez 163 Runden. Trotz zwei Ausrutschern und einem massiven Crash. Adrian Sutil bog am dritten Tag beim Beschleunigen in die Leitplanken ab. Das Team hatte Glück, dass die entsprechenden Ersatzteile vor Ort waren. Die Rundenzeiten hinkten fast sieben Sekunden der Bestzeit hinterher.
 
Jerez war sicher kein Test, bei dem es um Rekordrunden ging, und Sauber wollte in Ruhe Basisarbeit betreiben, aber nichts anderes stand auch bei der Konkurrenz auf dem Programm. Offenbar fehlte es dem Auto an Abtrieb. Deshalb kamen die Reifen nicht auf Temperatur. Ein genauer Blick auf die Aerodynamik verrät warum: Der Sauber C33 trat in Jerez noch völlig ohne Leitbleche an. Da war also wirklich nur ein Testträger unterwegs.

Teamchefin Monisha Kaltenborn hakte den Probegalopp als Erfolg hat. Weil der C33 auf Anhieb funktionierte, weil man genügend Daten gesammelt und Erfahrungen gemacht hat. Probleme gab es nur mit der elektronisch geregelten Bremskraftverteilung. Das ging anderen Teams aber auch so.
 
Der Sauber C33 ist trotz seiner Ameisenbär-Nase ein optisch stimmiges Auto mit einigen interessanten Ideen im Bereich der Flügel, der Seitenkästen und der Airbox. Motor und Getriebe kommen wie gehabt von Ferrari. Weil Maranello laufend neue Entwicklungen einfließen lässt, muss Sauber im Bereich der Installation so flexibel wie möglich sein. Das ist das Schicksal der Kunden. Beim Werksteam gehen Änderungen am Antriebsstrang und der Kühlung mit der Chassis-Entwicklung Hand in Hand.

Die Nase: Eleganter Ameisenbär

Sauber hat es geschafft, seine rüsselartige Nase einigermaßen elegant aussehen zu lassen. Weil das Chassis in fließenden Linien in den Rüssel übergeht und dieser auch noch spitz zuläuft. Die Nase erinnert deshalb eher an einen Delfin. Die beiden Pfeiler, die den Frontflügel aufnehmen, stehen so weit auseinander wie es das Reglement erlaubt. Sie sind von der Seite aus betrachtet nach vorne angewinkelt.
 
Unter der Nase waren noch keine Leitbleche angebracht. Sie werden bis zum nächsten Test in Bahrain folgen. Die Pushrod-Vorderachse wurde auf die neue Höhenvorschrift für die A-A-Sektion angepasst. Interessant ist die vordere Kufe des Unterbodens. In der Mitte ist sie wie beim Red Bull gewölbt. Möglicherweise ist hier ein Öl-Ausgleichsbehälter untergebracht.

Die Seitenkästen: Sauber C33 schlank auf der ganzen Linie

Im Vorjahr überraschte Sauber die Formel 1-Welt mit extrem schlanken Seitenkästen. Was zunächst ein Flop schien, hat sich in der zweiten Saisonhälfte dann doch bewährt. Der schwache Saisonstart 2013 lag nicht am Konzept der Seitenkästen. Auch diesmal baut der Sauber zwischen den Rädern wieder schlank. Das reduziert die Stirnfläche. Der Einzug im Heck fällt deshalb nicht so ins Auge wie bei den Autos, deren Seitenkästen vorne mit einem Bauch beginnen. Nur Williams setzt auf ein ähnliches Konzept.
 
Was an der Breite gespart wird, muss in Höhe und Länge investiert werden. Die Seitenteile senken sich auch im Heck kaum ab. Bei den Testfahrten in Jerez fehlten noch die Finnen vor den Seitenkästen. Außer dem kleinen Leitblech vor den Kühleinlässen waren am Ansatz der Seitenkästen nur zwei Halterungen zu sehen. Da wird wohl später noch ein vertikales Leitblech montiert.

Die Kühlung: Ein Rechteck als Einlass

Die Kühleinlässe in den Seitenkästen sind rechteckig und relativ klein. Gegenüber dem Vorjahresmodell hat sich die Komplexität des Antriebsstranges verdreifacht. Unter der Verkleidung des Sauber sind über 40 Elektronikboxen untergebracht, von den 30 gekühlt werden müssen.

Die Luft entweicht hinten rund um das Auspuffendrohr und über gestaffelte Falten an den vorderen Anlenkpunkten der Querlenker der Hinterachse. Schräg hinter dem Cockpit ist eine Reihe Kiemen in die Verkleidung gestanzt. Wer eng baut, muss mehr Luft auslassen, wenn er einen Hitzestau unter der Verkleidung vermeiden will.

Die Flügel: Heckflügel in drei Teilen

Der Frontflügel wirkt nur auf den ersten Blick simpel. Das Hauptblatt ist zweigeteilt. Die Flaps beginnen erst weit außen. An einer zweiten Endplatte ist ein schwertförmiger Flügel montiert, der höher liegt als das Hauptblatt und weit nach innen reicht. Deshalb wirkt der Flügel im Vergleich zum Red Bull oder Mercedes relativ zierlich. In die obere Etage hat Sauber viel Gehirnschmalz investiert. Sie ist dreiteilig und verläuft in zwei unterschiedlichen Ebenen.

Der auf zwei Stelzen stehende Heckflügel besteht aus drei Komponenten. Der Mittelteil wird oben durch zwei Einkerbungen von den beiden äußeren Elementen getrennt. Sie biegen sich stark nach unten und haben im Bereich der Endplatten auch mehr Tiefe. Die Endplatten haben keine vertikalen Schlitze und sind am unteren Ende auch nur dezent ausgefranst. Sauber kündigt für den Bahrain-Test neue Flügel und neue Leitbleche an.

Das Heck: Option für passives DRS

Auch im Heck zeigte sich, dass der Sauber noch nicht fertig war. Die Querlenker der Pullrod-Hinterachse weisen nur ein dezentes Flügelprofil auf. Die hinteren Bremsbelüftungen waren im Vergleich zur Konkurrenz relativ einfach gestrickt. Da hat die Aerodynamikabteilung in Hinwil sicher mehr in der Hinterhand. Gleiches gilt für den siebenteiligen Diffusor. Eine Leiste auf der hinteren Kante fehlte genauso wie ein Flügel direkt über dem Boden.

Der Sauber hatte noch nicht einmal einen "Monkey seat". Dafür waren neben der Finne auf der Airbox zwei kleine Öffnungen zu sehen. Wie Kühleinlässe sieht das nicht aus. Eher wie die Luftzufuhr für ein passives DRS. Sauber zählte neben Lotus und Mercedes zu den drei Teams, die die Entwicklung an dem automatischen Strömungsabriss am Heckflügel nie eingestellt hatten.
 
Fazit Sauber C33: Ein halbfertiges Auto, dem noch Leitbleche und Flügel wachsen werden.

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