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Technik Sauber C31

Das Geheimnis des neuen Sauber

Sauber GP Australien 2012 Foto: xpb 17 Bilder

Sauber hat alle überrascht. Die guten Testergebnisse wurden als Showzeiten abqualifiziert. Spätestens seit dem zweiten Platz von Sergio Perez in Sepang weiß die Konkurrenz, dass der Sauber C31 wirklich schnell ist. Wir sagen Ihnen, wo die Stärken des Autos liegen.

03.04.2012 Michael Schmidt

Bei unserer Testanalyse vor der Saison lag Sauber in den Top drei. Damals haben einige im Zirkus noch gelacht, obwohl auch sie Sauber in ihren Auswertungen so weit vorne hatten. Man konnte sich nur nicht vorstellen, dass die Zeiten echt waren. Die üblichen Erklärungen mussten für das Sauber-Wunder herhalten. Wenig Sprit, kein Ballast, neue Reifen. Inzwischen weiß die Formel 1-Welt, dass Sauber in Jerez und Barcelona mit offenen Karten gespielt hat. Und wundert sich, warum dieses Auto so schnell ist.

Martin Whitmarsh machte den Schweizern in Malaysia ein Kompliment: "Sie waren unter allen Bedingungen und auf allen Reifen die Schnellsten. Nur ein Team hat es hingekriegt, auf Regenreifen, Intermediates und Slicks konstant gute Rundenzeiten zu fahren, und das war Sauber." Kollege Christian Horner vermutet: "Die haben irgendwie einen Dreh gefunden, alle drei Reifentypen perfekt zum Arbeiten zu bringen. Das Nutzen der Reifen ist im Augenblick der Schlüssel zum Erfolg. Das Fenster ist so klein, dass man leicht unten wie oben rausfallen kann."

Sauber mit Potenzial für weitere Überraschungen

Den Erfolg von Sauber nur auf den richtigen Umgang mit den Reifen zu schieben, wäre aber zu simpel gedacht. Wer genau aufgepasst hat, bei dem hätten schon in Melbourne die Alarmglocken läuten müssen, wie Sauber Chefdesigner Matt Morris in der aktuellen Ausgabe von auto motor und sport (Heft 9/2012, ab 5. April im Handel) erklärt. "Nach einer Kollision beim Start in Melbourne waren unsere Autos für den Rest des Rennens stark beschädigt. Das von Perez vorne, das von Kobayashi hinten."

Fotos beweisen: Am Frontflügel von Perez war in Australien der linke äußere Rand des Frontflügels hochgeklappt und die Endplatte ausgefranst. An Kobayashis Auto war die Heckflügel-Endplatte und der Diffusors angekratzt. "Ein Wunder, dass die Endplatte überhaupt gehalten hat“, blickt Peter Sauber zurück. Obwohl beide Autos zweistellig Abtriebspunkte verloren, fuhren sie auf den Plätzen sechs und acht in die Punkteränge. Und das von den Startplätzen 13 und 22.

In Malaysia war die Ausgangslage etwas besser. Sergio Perez und Kamui Kobayashi gingen von den Positionen 9 und 17 ins Rennen. Nach sechs Runden und damit auch beim Re-Start nach der Regenpause war Perez Dritter, weil der Mexikaner neben Bruno Senna als erster auf Regenreifen umgerüstet hatte. Damit ergab sich zum ersten Mal die Gelegenheit zu sehen, wo ein Sauber aus eigener Kraft landen könnte, wenn er in der Anfangsphase mal nicht durch den Verkehr gebremst wird. Die Antwort war eindeutig. Ganz vorne.

Sergio Perez bei allen Bedingungen schnell

Sergio Perez fuhr nicht die schnellste Rennrunde, aber er fuhr seine schnellen Runden konstant. Er war vor dem Abbruch mit 2.15,411 Minuten hinter Jenson Button der Zweitschnellste auf Regenreifen. Er war mit 1.53,164 Minuten der schnellste auf Intermediates vor Lewis Hamilton (1.53,435 min). Und er lag mit 1.41,021 Minuten hinter Kimi Räikkönen und Mark Webber auf Rang drei der Rangliste mit den Slicks.

Die stärksten Phasen von Perez waren die Runden 31 bis 38 und 43 bis 49. Im ersten Abschnitt auf 15 Runden alten Intermediates nahm er Sieger Fernando Alonso in acht Runden 5,105 Sekunden ab. Gegenüber Lewis Hamilton holte der Sauber-Pilot 4,303 Sekunden auf. Im Vergleich zu Sebastian Vettel waren es 5,332, zu Kimi Räikkönen 5,632 und zu Michael Schumacher unglaubliche 13,592 Sekunden.

Als die Fahrer mit frischen Slicks unterwegs waren, zeigte sich ein ähnliches Bild, lediglich mit geringeren Zeitgewinnen für Perez. Im Duell mit Alonso machte der Mexikaner in diesen sieben Runden 5,221 Sekunden gut, mit Hamilton 3,092 Sekunden, mit Mark Webber 1,084 Sekunden, mit Räikkönen 4,797 Sekunden und mit Schumacher 5,044 Sekunden.

Auspuff-Nachteil von 2011 egalisiert

Man kann also nicht von Zufall sprechen. Doch was macht diesen Sauber so schnell? Da gilt zunächst die Erkenntnis, dass vermutlich schon der Vorgänger ein gutes Rennauto war. Zumindest eines, das die Reifen besser schonte als alle anderen Konkurrenten. Der 2011er Sauber C30 kam ohne Anblasen des Diffusors aus und konnte sich trotzdem im Mittelfeld behaupten. "Wir mussten weniger aufgeben als unsere Gegner", bestätigt Chefdesigner Morris.

Doch die Stärke war im letzten Jahr auch eine Schwäche. Die Sauber-Piloten bezahlten für ihr Reifen schonendes Auto mit mittelmäßigen Startpositionen. Das wurde geändert. "Wir haben beim Fahrwerk mehr Freiheiten geschaffen, um mit der Abstimmung in die eine wie in die andere Richtung reagieren zu können", bestätigt Morris.

Die Trainingsergebnisse von Melbourne und Sepang geben ihm noch nicht Recht. Was zum Teil an den Fahrern liegen kann, aber auch mit der Technik zu tun hatte. Kobayashi blieb wegen eines Problems mit der Aufhängung in Sepang auf Startplatz 17 hängen.

Der konservative Entwicklungsansatz hat Sauber im letzten Jahr vielleicht eine oder zwei Positionen in der Konstrukteurs-WM gekostet. Technikchef James Key blies das Unternehmen angeblasener Diffusor ab, weil er davon ausging, die FIA würde die Spielerei mit dem Auspuff verbieten.

Sauber investiert früh in die Saison 2012

Als es dann doch nicht so kam, blieb Sauber seiner Linie treu. Erstens war man mit den ersten Versuchen in diese Richtung auf keinen grünen Zweig gekommen. Und zweitens wäre es zu teuer geworden, die still gelegte Entwicklungsmaschinerie wieder anzuwerfen. Key wollte diese Zeit und dieses Geld lieber in 2012 investieren. Rückblickend betrachtet hat er damit wahrscheinlich das Richtige gemacht.

Allerdings wurde Key intern vorgeworfen, dass er einige Entscheidungen zu lange hinausgezögert habe und zu sehr auf der sicheren Seite bleiben wollte. Ein Beispiel dafür ist der aktuelle Auspuff. Im Gegensatz zu 2011 wählte Sauber diesmal eine aggressive Auspuffvariante.

Key hatte die naheliegende konservative Lösung favorisiert, bei der die Endrohre entlang der Motorabdeckung auf das untere Heckflügelelement zielen. So wurde der Sauber C31 auch in Jerez präsentiert. Doch nur drei Tage später zeigten die Eidgenossen bereits ihre erste Ausbaustufe. Mit einem komplett geänderten Heck.

Neuer Auspuff nach Key-Abgang

Nach der Trennung von Key wurde Anfang Januar im Windkanal das Programm für die radikalere Alternativlösung angeworfen. Die Endrohre sind in eine Stufe in den Seitenkästen eingebettet. Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe zeigt, geschieht das so trickreich, dass die natürliche Strömung den Auspuffstrahl mitreißt und ihn an seinen Bestimmungsort auf dem Diffusordach bringt. Dort unterstützten die heißen Gase wiederum die Strömung.

"Als ich sah, dass Red Bull einen ähnlichen Weg gegangen ist, war ich mir sicher, dass wir richtig liegen", atmete Peter Sauber auf. Der Unterschied: Diesmal versteht es Sauber offenbar besser als Red Bull, die Auspuffgase dort zu platzieren, wo man sie haben will. Die Konkurrenz scheint beeindruckt. Laut Gerüchten aus Italien will Ferrari die Sauber-Auspuff-Lösung für das große Europa-Update kopieren.

Schlitz in der Nase kein "Matchwinner"

Auch den Trick mit der Nase hat Sauber bislang noch ganz für sich allein. Die Ingenieure haben hier das Reglement ganz genau gelesen. Löcher im Chassis sind nur für das Cockpit und Bedienungsluken erlaubt. Auch die Nase darf kein Loch aufweisen, es sei denn zur Fahrerkühlung. Nur am Ansatz zwischen Nase und Chassis findet sich eine Möglichkeit, Luft ins Innere des Fahrzeugkörpers zu leiten, um sie später wieder zu aerodynamischen Zwecken austreten zu lassen.

Sauber saugt die Luft unten an und bringt sie über einen S-förmigen Kanal im Inneren der Karbonröhre nach oben, wo sie hinter der Stufe im Chassis durch einen Schlitz wieder austritt. Das beruhigt die Cockpitumströmung. "Kein Matchwinner", lächelt Morris bescheiden, "aber ein kleiner Zeitgewinn."

Ansonsten folgt der Sauber C31 den gängigen Konstruktionsprinzipien. Vorne hoch, hinten superschlank. Da hilft das neue Ferrari-Getriebe, das insgesamt fünf Zentimeter länger, dafür aber deutlich schmaler ist als das alte. Die in dieser Zone langsame fließende Strömung unterstützt Sauber durch zwei vertikale Öffnungen rund um die vorderen Querlenker der Hinterachse. Dort tritt die Abluft von den Kühlern unter hohem Druck aus und unterstützt die natürliche Strömung zum unteren Heckflügelelement.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen die Geheimnisse des Saubers noch einmal im Detail.

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