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Formel 1-Techniktricks

Original und Kopie - wer hatte die Idee?

McLaren Leitbleche GP Belgien 2012 Foto: Grüner 24 Bilder

McLaren überraschte in Spa mit ungewöhnlichen Seitenkästen. Am vorderen Ende der Seitenteile thronte ein zehn Zentimeter langer Bügel. Quasi eine zweite Ebene. Was wie eine technische Neuheit aussieht, ist in Wahrheit schon alt. Sauber hatte die Idee schon früher. So ist es auch bei anderen Entwicklungen. Wir zählen für Sie ein paar auf.

31.08.2012 Michael Schmidt

Nicht alle Modifikationen sind sofort zu erkennen. Für manche braucht man schon das geübte Auge von auto motor und sport-Technikexperte Giorgio Piola. Der sieht beim ersten Hinschauen, ob eine Endflügelendplatte ein bisschen mehr oder weniger gebogen ist als vorher. Was McLaren mit seinen Seitenkästen gemacht hat, stach sofort ins Auge.

An der vorderen Kante über den Kühleinlässen war eine zehn Zentimeter breite Leiste angebracht, die der Kontur der Verkleidung folgt und am Rand in ein vertikales Leitblech übergeht. Der Spalt dazwischen beschleunigt die Strömung Richtung Heck.

Der erste Reflex würde die Neuheit den McLaren-Technikern zuschreiben. Das aber wäre ein Fehler. Sauber hatte die Idee schon vorher. Nur ist beim C31 die Leiste deutlich schmaler ausgelegt. Das McLaren-Teil ist auf den ersten Blick nicht als Plagiat erkennbar. Eher als eine Weiterentwicklung. So geht das oft in der Formel 1. Einer erfindet irgendetwas, und ein anderer sahnt den Lorbeer dafür ab. Beispiele gefällig? Wie haben ein paar für Sie gesammelt.

Doppel-DRS vom F-Schacht inspiriert

Das einfachste ist das doppelte DRS. Mercedes stört die Strömung unter dem Frontflügel, wenn das DRS geöffnet ist. "Die Grundidee stammt von uns", bekräftigt McLaren-Technikchef Paddy Lowe. "Wir haben mit unserem F-Schacht Mercedes dazu angeregt, in diese Richtung zu denken."

Mercedes kann für sich in Anspruch nehmen, dass die Aktivierung der Strömungsstörung über den DRS-Knopf und das Flachstellen des Heckflügel-Flaps aus Brackley kommt. Lotus hat diese Idee verfeinert. Bei Betätigung des DRS reißt die Strömung nicht am Frontflügel sondern am unteren Heckflügelelement ab.

Sauber übernimmt Heckdesign von Williams

Das flache Getriebe entstand zuerst bei Williams. Und es war der Sargnagel des letztjährigen Autos, weil die Hinterradaufhängung nicht steif genug befestigt war. Das hat Sauber nicht davon abgehalten, das Prinzip abzukupfern. Kein Wunder. Chefdesigner Matt Morris kannte das Projekt aus seinen Williams-Zeiten. Beide profitieren inzwischen von dem Mini-Getriebe, das eine bessere Anströmung des unteren Heckflügelelementes erlaubt. Mangelnde Steifigkeit ist kein Thema mehr.

McLaren montierte in Barcelona vertikale Finnen auf die Seitenkästen. Sie fungieren als Strömungausrichter. Heute haben sie viele: Red Bull, Force India, Toro Rosso, Mercedes und Caterham. Red Bull machte schon 2009 die Zugstreben-Technik (Pullrod) an der Hinterachse salonfähig. Weil man so das Heck niedriger bauen kann. Inzwischen sind alle gefolgt. Kein Auto fährt mehr mit Druckstreben (Pushrod).

Coanda-Auspuff hat drei Väter

Um die Erfindung des Coanda-Auspuffs streiten sich gleich drei Teams. Tatsächlich haben McLaren, Sauber und Red Bull das Prinzip praktisch zeitgleich entwickelt. McLaren legte die Auspuffendrohre in einen zehn Zentimeter tiefen und 25 Zentimeter langen Schacht. Der führt die Auspuffgase an seinen Bestimmungsort.

Bei Sauber liegen die Endrohre in einer Mulde auf den Seitenkästen, und zwar so trickreich, dass die umgebende Strömung den Auspuffstrahl in die gewünschte Richtung leitet. Red Bull startete die Testfahrten zwar mit einem konventionellen Auspuff, hatte parallel aber schon das Projekt "Coanda" laufen. Heute haben bis auf Mercedes, Lotus, Williams und HRT alle einen Coanda-Auspuff im Programm.

Red Bull war auch das erste Team, das unter den Frontflügel Kanäle montiert hat. Gut zu sehen von vorne durch eine Wellenform. Inzwischen haben viele diesen Ansatz kopiert. Am extremsten Williams. Kein Frontflügel ist auf der Unterseite so zerklüftet. Die Kanäle, die Red Bull am Einzug der Seitenkästen gelegt hat, um die Luft dort ins Fahrzeuginnere abzusaugen und so nicht die Auspuffgase zu stören, blieben bis jetzt ein Einzelstück. Wohl, weil sie schwer zu kopieren sind.

Williams-Bremshutzen von Ferrari und Sauber kopiert

Eine der genialsten Ideen kommt von Williams. Die Belüftungsschächte für die vorderen Bremsen haben nur eine vertikale Platte. Die Innenseite des Schachts ist die innere Reifenschulter. Ferrari und Sauber haben nachgezogen.

Renault montierte 2010 als erstes Team zwei ineinander verschachtelte Leitbleche unter der Nase. Red Bull, Force India, Sauber, Lotus und Force India gingen den gleichen Weg. Bei McLaren sind sie gerader geformt, bei Williams haben sie eine Hakenform. Ferrari bietet seinen Fahrern beide Versionen an. In Spa wählten erstmals beide Piloten die geschwungene Form.

Die Nase in Tropfenform kommt von Force India. Optisch eine Bankrotterklärung. Force India gab die Nasenform mit der Delle auf der Unterseite wieder auf. Marussia griff bei seinem großen Upgrade in Silverstone darauf zurück. Und Lotus änderte die Form seiner Nase in diese Richtung beim GP Ungarn.

Toyota führte 2009 die Fransen am unteren Ende der Heckflügelendplatten ein. Inzwischen haben sie fast alle. Andersherum geht Toro Rosso mit seinen extrem eingezogenen Seitenkästen bereits in sein zweites Jahr. Niemand hat diese Idee kopiert. Vermutlich, weil sie keinen Vorteil bringt.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen die erwähnten Beispiele für Originale und Kopien noch einmal im Detail.

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