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Test-Analyse Barcelona 2

Mercedes in der Favoritenrolle

Lewis Hamilton Mercedes F1 Test Barcelona 2013 Foto: Mercedes 48 Bilder

Die Wintertestfahrten sind vorbei. Selten ist die Formel 1 mit so vielen Fragezeichen in eine neue Saison gestartet. Schuld waren die kurzlebigen Reifen, die die Aussagekraft der Rennsimulationen verwässerten. Einziger Anhaltspunkt sind die schnellsten Runden. Wir bringen Ordnung ins Wirrwarr.

05.03.2013 Michael Schmidt

So schnell kann sich das Blatt wenden. Vor einer Woche war Red Bull noch der große WM-Favorit. Jetzt bringt sich Mercedes ins Gespräch. Das kommt davon, wenn man zwei Mal hintereinander überlegene Bestzeit fährt. Auch Ferrari beteiligte sich an der Rekordjagd. Bei McLaren ist man sich da nicht ganz sicher: Können die nicht schneller oder wollen sie nicht? Red Bull kann sicher schneller als gezeigt, doch die Frage ist: Wie schnell? 2,4 Sekunden Rückstand auf Mercedes ist eine Menge Holz. Das kann man nicht nur mit der Benzinmenge im Tank erklären.

Mercedes macht sich zum Favoriten

Mercedes schüttelte an den letzten beiden Tagen die Bestzeiten geradezu aus dem Handgelenk. Lewis Hamilton drehte vier Runden unterhalb der 1.21er Marke, Nico Rosberg ebenfalls vier. Die Zeiten von 1.20,558 Minuten und 1.20,130 Minuten waren also kein Zufallsprodukt. Nur im ersten Streckensektor mit seinen drei flüssigen Kurven verliert der Mercedes Zeit auf Ferrari, Sauber und McLaren. Da bekommt Aldo Costas Forderung "Wir brauchen mehr Abtrieb", plötzlich einen Sinn. Kimi Räikkönen wirft ein: "Mercedes hat im letzten Jahr bei den Barcelona-Tests auch eine sehr gute Figur gemacht. Das könnte in Melbourne schon wieder anders aussehen."

Diese Sorge treibt auch Ross Brawn und Niki Lauda um. Was passiert mit den Reifen, wenn es wärmer wird? Brechen sie dann ein wie 2012? "Wir wissen es nicht, und können nur hoffen, dass wir das Problem im Griff haben", betet Brawn. Lauda schüttelt den Kopf: "Ich dreh durch, wenn wir wieder mit den Reifen Probleme kriegen. Der Grundspeed ist gut, aber die Punkte werden im Rennen gemacht. Für mich ist das Schlüsselrennen Malaysia. Da wird es sicher heiß. Und da müssen wir uns beweisen."

Ferrari steigert sich von Tag zu Tag

Fernando Alonso war der einzige Fahrer, der an die Zeiten von Mercedes heranreichen konnte. Mit 1.21,494 lag der Spanier um 0,364 Sekunden hinter Rosberg. Der Ferrari-Pilot drehte gleich eine Fünferserie unter 1.21 Minuten: 1.20,809 min, 1.20,900 min, 1.20,606 min, 1.20,494 min, 1.20,503 min. Und er blieb bei seiner Rekordrunde eine Runde länger auf der Bahn als Rosberg.

Interessant ist, dass Alonso im ersten und im dritten Sektor schneller gefahren ist als der Mercedes. Nur im Mittelsektor, mit einem Mix aus schnellen und langsamen Kurven konnte Rosberg gegen den Ferrari punkten. Da allerdings deutlich mit 0,347 Sekunden Vorsprung. Noch etwas: Der Ferrari war mit 316,7 km/h zusammen mit dem Sauber das schnellste Auto auf der Geraden. Der F138 scheint also keine Schwächen zu haben.

McLaren: Die große Unbekannte

Was kann dieser McLaren MP4-28? In der schnellsten Runde fehlten Jenson Button 1,314 Sekunden auf die Mercedes. Der Weltmeister von 2009 fuhr seine Bestzeit von 1.21,444 Minuten im Rahmen eines Fünfrunden-Stints. Keiner hat auf die Frage nach dem Leistungsstand des McLaren eine schlüssige Antwort. Nicht einmal die Fahrer selbst. "Wir haben alle zwölf Testtage damit verbracht, das Auto zu lernen", sagt Button.

Sportdirektor Sam Michael behauptet, dass man es jetzt verstanden hat. Deshalb beginnt auch erst jetzt eine sinnvolle Weiterentwicklung. Tatsächlich brachte McLaren weniger neue Teile an das Auto als die anderen Teams. Es hätte wenig Sinn gemacht, denn die Ingenieure hätten sich nur verwirrt. Sie brauchen einen Vergleichsmaßstab. Den haben sie jetzt. Die Frage ist, wie viel McLaren noch bis Melbourne korrigieren kann. Button deutete schon an: "Möglicherweise werden wir bei den ersten Rennen noch nicht das volle Potenzial ausschöpfen können."

Red Bull mit Problemen

Das war nicht die souveräne Vorstellung der Titelverteidiger. Red Bull konnte sich als einziges Team im Vergleich zur ersten Testwoche von Barcelona nicht steigern. Trotz besserer Bedingungen. Der RB9 sträubte sich plötzlich gegen alle Abstimmungsversuche und legte eine unberechenbare Balance an den Tag. Was das mit der Auspuffkonfiguration und dem FIA-Bannstrahl für neue Motorkennfelder zu tun hat, wird sich zeigen.

Sebastian Vettel und Mark Webber verloren 2,4 Sekunden auf die Mercedes und 2,1 Sekunden auf Ferrari. Vettel weiß genau, dass Alonso in einem Auto, das jetzt schon so stark ist, ein brandgefährlicher Gegner für die Weltmeisterschaft wird. Und er darf weder Hamilton noch Rosberg unterschätzen.

Red Bull konnte auch bei den Longruns nicht überzeugen. Die haben zwar ihre Bedeutung verloren. Trotzdem sahen andere Autos in punkto Reifenabnutzung besser aus. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass der Grip schneller nachlässt, wenn das Auto schlecht ausbalanciert ist. Beunruhigend ist auch, dass der Red Bull auf der Geraden immer noch weit hinterherhinkt. Vettel verlor auf Alonso am Ende der Zielgeraden glatte 10 km/h.

Lotus mit Defektteufel

Lotus hat mit 3.578 Testkilometern klar die schlechteste Bilanz. Der Trend setzte sich auch in der letzten Testwoche von Barcelona fest. 252 Runden - keiner fuhr weniger. Kimi Räikkönens Unpässlichkeit half sicher nicht, aber es gab auch wieder Defekte. Zum dritten Mal trat ein Problem im Umfeld Getriebe auf. Räikkönens Bestzeit von 1.21,568 Minuten reißt keinen vom Hocker. Es sieht so aus, als habe Lotus dafür abgetankt. Räikkönen stand nach vier Runden wieder in der Box. Die Traktionsprobleme sind immer noch nicht behoben. Räikkönen verliert im letzten Sektor 0.658 Sekunden auf Alonso.

Sauber knapp vor Force India

Das Mittelfeld ist heiß umkämpft. Sauber machte auf eine Runde die beste Figur und schlug dabei sogar den Lotus. Nico Hülkenberg fuhr die Zeit von 1.21,541 Minuten im Rahmen eines Fünfrunden-Turns. Der Sauber ist vor allem im ersten Sektor und auf der Geraden schnell. Damit geht das Konzept der schmalen Seitenkästen genau auf. Es sollte mehr Abtrieb bei weniger Luftwiderstand bringen. Nur im dritten Sektor fehlt noch ein bisschen Zeit. Da bewegt sich Hülkenberg auf Räikkönen-Niveau. Im vorderen Mittelfeld also.

Bei der Rennsimulation am letzten Tag machte Force India die bessere Figur. Sauber darf die Truppe aus Silverstone nicht unterschätzen. Der VJM06 sieht relativ bieder aus, doch die Ingenieure und Fahrer holen offenbar das Maximum aus ihrem Auto heraus. Und sie verstehen es. Williams sah bis zum drittletzten Testtag noch so gut aus wie Sauber und Force India. Seit die neuen Seitenkästen und der Auspuff nach Red Bull-Vorbild am Auto sind, kämpfen die Fahrer mit einer veränderten Fahrcharakteristik. In den langsamen Kurven fehlte plötzlich Grip. Möglicherweise hat man sich mit dem späten Radikalumbau ein Eigentor geschossen. Aber Williams kann ja jederzeit auf das alte Auspuffpaket zurückgreifen.

Toro Rosso hat entweder geblufft oder man hat den Rückstand zum Mittelfeld immer noch nicht aufgeholt. Weder Daniel Ricciardo noch Jean-Eric Vergne knackten die 1.23er Marke. Von der Standfestigkeit her ist Sauber die Nummer eins. Keiner hat in den zwölf Tagen mehr Testkilometer zurückgelegt als die Eidgenossen. Mit 5.405 Kilometern liegt Sauber deutlich vor Mercedes (5.215 km) und Ferrari (4.950 km). Das sind pro Tag 450,4 Kilometer. Williams beunruhigt ein KERS-Problem. Zwei Mal gab es Batterie-Alarm. Die sind im neuen Auto kleiner als im alten. Möglicherweise hat es damit zu tun.

Kampf gegen die rote Laterne

Caterham und Marussia tragen ein ganz enges Duell aus. Nur 0,052 Sekunden trennten die beiden. Diesmal zugunsten von Caterham. Aber Jules Bianchi musste sich auf dem ungewohnten Auto erst einmal einschießen. Charles Pic war den Caterham schon sechs Tage gefahren. Die Zuverlässigkeit spricht im Moment noch mit 4.513 zu 3.622 Kilometern für Caterham. Was nicht weiter verwundert, denn Marussia muss sich erst einmal an das KERS-Zeitalter gewöhnen. Marussia bekommt übrigens das Vorjahres-KERS von Williams. Mit den größeren Batterien. Die sind aber offenbar standfest.

Wir haben an den beiden letzten Testtagen alle Rundenzeiten und Sektorwerte aufgezeichnet. Eine eingehende Analyse, wer wo stark ist, lesen Sie später in der dieser Woche.

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