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Test-Bilanz von Jerez

Ferrari schnellster, Mercedes bester

Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 - Jerez - 2015 Foto: xpb 171 Bilder

Die ersten 2.313 Runden der Saison sind abgespult. Doch der Jerez-Test hat noch lange nicht alle Fragen beantwortet. So viel ist aber jetzt schon sicher: Die Formel 1 wird lauter, schneller und schöner. Und Mercedes bleibt das Team, das es zu schlagen gilt. Trotz der Bestzeiten von Ferrari.

05.02.2015 Michael Schmidt

Die Formel 1 hat den Probegalopp für die Saison 2015 hinter sich gebracht. Jerez brachte viele Erkenntnisse, ließ aber auch genauso viele Fragen offen. Das ist zu Beginn der Saison immer so. Jeder tarnt, täuscht und fährt der Zuverlässigkeit zuliebe mit angezogener Handbremse. Die Frage aller Fragen ist: Wer hat sie wie fest angezogen? Und wer hat noch wie viel im Köcher?

In der ersten Testwoche geht es hauptsächlich um Systemchecks und Daten sammeln. Läuft der Motor im gesunden Bereich? Stimmt die Kühlung? Macht das Auto das, was Windkanal und Simulationen versprechen? Gibt es fundamentale Fehler, die Reaktionen mit langen Vorlaufzeiten verlangen? Wie ist der erste Eindruck der Fahrer? Zur Sache geht es erst ab dem ersten Barcelona-Test. Und beim zweiten kommen die Technik-Upgrades, mit denen die Teams in Australien antreten.

Lauter, schneller, schöner

Kommen wir bei unserer ersten Standortbestimmung zum einfachen Teil. Die Formel 1 ist lauter, schneller und dank der neuen Nasen auch ein bisschen schöner geworden. Wir können es nicht in Dezibel ausdrücken. Aber das, was wir in Jerez gehört haben, klingt mehr nach echtem Rennmotor.

Die Vergleiche mit Rasenmähern und Haarföhns taugen nicht mehr. Das haben wir neuen Auspuffanlagen zu verdanken. Bernie Ecclestone wird es nicht gerne hören. Der Sound ist eines seiner Hauptargumente in seiner Mission gegen die aktuelle Hybrid-Formel.

Die Autos sind wie erwartet auch schneller geworden. Kimi Räikkönen unterbot die Vorjahresbestzeit um 2,435 Sekunden. Das ist noch nicht das letzte Wort. Die Prognosen von Pirelli, dass die Rundenzeiten gegenüber 2014 um zwei bis drei Sekunden fallen werden, könnten sich bewahrheiten. Der Grad an Perfektion ist jetzt schon erschreckend. Die 8 Teams spulten an vier Tagen 2.313 Runden oder 10.242 Kilometer ab. Im letzten Jahr kamen 10 Teams auf 1.465 Runden.

Mercedes hält sich absichtlich zurück

Das schnellste Auto in Jerez war der neue Ferrari SF15-T. Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen erzielten an 3 von 4 Tagen Bestzeit. Sebastian Vettel auf Medium-Reifen, Kimi Räikkönen mit der weichen Garnitur. Nur ein Mal hatte Sauber-Pilot Felipe Nasr die Nase vorn. Was zeigt, dass Ferrari vor allem beim Motor zugelegt hat. Er ist standfester, fahrbarer und stärker als das Vorjahresmodell. Und Ferrari hat sich noch ausreichend Entwicklungs-Token für den Rest der Saison aufgehoben.

Das beste Auto in Jerez war der neue Mercedes AMG W06. Nico Rosberg und Lewis Hamilton drehten Runden, als gelte es die 24 Stunden von Le Mans zu gewinnen. Mit den 2.285 Testkilometern von Mercedes konnte keiner auch nur annähernd konkurrieren. Sauber kam mit 1.691 Kilometern auf Platz 2. Die Titelverteidiger legten eine Sicherheit an den Tag, als wäre der neue Silberpfeil das Vorjahresmodell. Das Team übte sogar schon Boxenstopps.

Williams-Technikchef Pat Symonds spricht für alle. "Hoffentlich gibt es kein böses Erwachen, wenn Mercedes den Hammer auspackt."Mercedes hat in Jerez absichtlich Fahrt rausgenommen und lieber Distanz- als Zeitrekorde aufgestellt. Das hatte politische Gründe. Einen Tag bevor die Strippenzieher der Formel 1 über ein neues Reglement reden, wollte Mercedes den Reformern keine Munition in die Hand geben. Wenn wieder eine Dominanz der Silberpfeile droht, dann wird der Wunsch nach einem Neustart der Königsklasse noch größer.

Red Bull schaffte nur 166 Runden an vier Tagen

Red Bull hat sich in Jerez nicht nur hinter seiner Tarnfarbe versteckt. Das Team verbrachte viel Zeit an den Boxen und entzog sich so einer fairen Beurteilung. Der neue Renault V6-Turbo mag 30 bis 40 PS mehr als im Vorjahr haben, doch er ist noch lange nicht sattelfest. 4 Mal wurde der Testbetrieb wegen Problemen im Motorumfeld gestoppt.

Toro Rosso legte 828 Kilometer mehr zurück als das A-Team, was daran liegen mag, dass man konservativer unterwegs war. "Wir testen in dieser Woche mehr unsere jungen Fahrer als unser Auto. Sie brauchen dringend Fahrpraxis", resümierte Technikchef James Key.

Lotus ist froh, dass man den Renault-Motor gegen ein Mercedes-Aggregat eingetauscht hat. Das Team mit den meisten Defekten im Vorjahr brachte das Auto einen Tag zu spät nach Jerez und drehte trotzdem mehr Runden als Red Bull. Offenbar ist den Ingenieuren wieder ein gutes Auto gelungen, das an die Modelle von 2012 und 2013 erinnert. "Ich bin wieder ein glücklicher Rennfahrer", strahlte Romain Grosjean.

Zielankunft wäre für McLaren ein Erfolg

Sauber kam nach Mercedes auf die zweitgrößte Distanz. Das Auto ist solide, der Ferrari-Motor jetzt eine verlässliche Größe, und der C34 liegt unter dem Gewichtslimit. Die Fahrer bekamen viel Zeit zum Üben. Felipe Nasr und Marcus Ericsson spulten 382 Runden ab. Es könnte nach einem punktelosen Jahr wieder zählbare Resultate geben.

Für McLaren-Honda wäre es schon ein Erfolg, wenn ein Auto in Melbourne die Zielflagge sieht. Das Projekt ist schwer in Verzug. Mit 79 Runden ist McLaren-Honda das Schlusslicht im Formel 1-Konzert. Jenson Button fehlten 6,8 Sekunden auf Räikkönens Bestzeit. Zu mehr als 10 Runden am Stück reichte es nicht.

Teamleitung und Fahrer predigen, dass alle Probleme erkannt und im Griff sind. Doch Fernando Alonso und Jenson Button waren in Jerez so langsam und selten unterwegs, dass die Ingenieure von McLaren und Honda noch gar nicht wissen, welche Krankheiten noch auftreten, wenn einmal der Rennspeed erreicht ist. Immerhin ist das Team bekannt dafür, auch ganz große Baustellen in kurzer Zeit aufzuräumen. Das hat McLaren 2009 und 2011 vorexerziert.

Force India fehlte in Jerez. Das neue Auto wird auch beim ersten Test von Barcelona nicht antreten. Das sind keine guten Vorzeichen für Nico Hülkenberg und Sergio Perez. Finanzielle Turbulenzen, der Umzug in einen neuen Windkanal und der Umstieg auf einen neuen Chassis-Lieferanten haben den Zeitplan massiv in Verzug gebracht. Das kann sich rächen. Lotus hat im letzten Jahr leidvoll erfahren, wie lange man daran knabbert, wenn nur eine Testwoche ausgelassen wird.

In unserer Galerie haben wir noch einmal die Höhepunkte des letzten Testtags.

FahrerTeamZeit / RückstandRunden
1. Kimi RäikkönenFerrari1:20.841 Min.199
2. Sebastian VettelFerrari+ 0.143 Sek.149
3. Felipe NasrSauber+ 0.704197
4. Nico RosbergMercedes+ 1.141308
5. Marcus EricssonSauber+ 1.178185
6. Lewis HamiltonMercedes+ 1.331206
7. Felipe MassaWilliams+ 1.435144
8. Valtteri BottasWilliams+ 1.478134
9. Max VerstappenToro Rosso+ 1.712170
10. Pastor MaldonadoLotus+ 1.872137
11. Carlos Sainz Jr.Toro Rosso+ 2.346183
12. Daniel RicciardoRed Bull+ 2.49784
13. Romain GrosjeanLotus+ 2.96153
14. Daniil KvyatRed Bull+ 3.13474
15. Jenson ButtonMcLaren+ 6.81941
16. Fernando AlonsoMcLaren+ 14.71238
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