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Formel 1: Analyse der Testzeiten von Jerez

Mercedes GP muss noch Gas geben

Jerez F1-Test 2010: Shumacher & De la Rosa Foto: xpb 32 Bilder

Was sind die Testzeiten von Jerez wert? auto-motor-und-sport.de hat den letzten Testtag analysiert und ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: Ferrari liegt vor McLaren, Sauber und Renault. Mercedes GP muss noch Gas geben. Aber Vorsicht: Alle Ergebnisse ohne Gewähr.

23.02.2010 Michael Schmidt

Am Donnerstag beginnt in Barcelona der letzte der vier Testtermine. Dann decken die Teams endlich die Aerodynamikentwicklungen auf, mit denen sie auch beim Saisonstart in Bahrain an den Start gehen werden. Erst dann wird man ungefähr ein Bild von dem wirklichen Kräfteverhältnis bekommen.

Der frühere Formel 1-Pilot Martin Brundle ist sich sicher: "Irgendwann wird jeder mal abtanken, nur um für sich selbst zu wissen, wo man steht." Beim abgelaufenen Jerez-Test lohnt es sich eigentlich nur den letzten Testtag zu analysieren. Er war durchgehend trocken. Die Strecke hatte vom Vortag bereits eine Gummiauflage. Somit haben einigermaßen vergleichbare Bedingungen geherrscht. Trotzdem bleiben immer noch einige Unbekannte, wie der Versuch einer Deutung der Rundenzeiten zeigt.

Buttons Bestzeit mit 15 Kilogramm Sprit

Fangen wir mit Jenson Button im McLaren-Mercedes an. Der Weltmeister drehte mit 1.18,871 Minuten die schnellste Zeit der acht Testtage in Jerez. Es war die erste fliegende Runde eines Vierrundenturns. Das legt den Verdacht nahe, dass der Engländer mit wenig Sprit gefahren ist. Zumal er drei Stunden später für 22 Runden am Stück auf die Reise ging mit durchschnittlichen Rundenzeiten im hohen 1.24er und tiefen 1.25er Bereich. Sechs Sekunden Unterschied, das spricht bei vier Zehnteln pro zehn Kilogramm für einen Unterschied von 150 Kilogramm Kraftstoff. Wenn man davon ausgeht, dass der Tank im McLaren höchstens 165 Kilogramm Sprit fasst, müsste Button bei seiner Rekordfahrt bestenfalls 15 Kilogramm Benzin an Bord gehabt haben.

Kubica schnell auf Acht-Runden-Turn

Nehmen wir nun Robert Kubica , der mit 1.19,114 Minuten die zweitschnellste Runde markierte. Der Pole drehte acht Runden am Stück, sechs davon unter 1.20 Minuten. Sein Bestwert kam in der zweiten fliegenden Runde. Für sieben Runden und die Rückfahrt an die Boxen braucht man in Jerez mindestens 18 Kilogramm Sprit im Tank. Stimmt die Rechnung, wäre der neue Renault R30 gar nicht so schlecht, wie es viele beim ersten Auftritt des eher bieder wirkenden Autos befürchtet haben. 0,243 Sekunden Abstand zum WM-Mitfavoriten Button sind aller Ehren wert.

Sauber ärgert die Top-Teams

Kommen wir zu Kamui Kobayashi, der mit 1.19,188 Rang drei in Jerez belegte. Der Sauber-Pilot beeindruckte noch mehr als Kubica. Kobayashi war zehn Runden am Stück auf der Bahn. Seine schnellste Runde war die erste. Danach folgte ein Ausreißer mit 1.21,407 Minuten, weitere fünf Umläufe in den 1.19er Zeiten und eine Runde mit 1.20,106 Minuten. Der Japaner musste beim Losfahren aus der Sauber-Box mindestens 22 Kilogramm Sprit im Tank gehabt haben, sonst wäre er bei der zurückgelegten Distanz ohne Sprit liegengeblieben.

Das Beispiel von Kubica und Kobayashi zeigt, dass die Papierform mit den Favoriten Ferrari, McLaren, Red Bull und Mercedes GP nicht fest zementiert ist. Da können auch ein paar so genannte Außenseiter die Spitzenteams ärgern.

Fragezeichen hinter Mercedes GP

Nico Rosberg war bei seinem schnellsten Turn wie Button nur vier Runden am Stück unterwegs. Hätte er das gleiche Startgewicht und den gleichen Reifentyp wie Button gehabt, wäre seine Zeit von 1.20,061 Minuten eine herbe Enttäuschung. Aber Rosberg kann genauso gut mit 40 Kilogramm Benzin Reserve losgefahren sein. Er kann zu dem Zeitpunkt die harten Reifen am Auto gehabt haben, während Button, Kubica und Kobayashi vielleicht mit weichen Sohlen unterwegs waren. Rosberg fuhr seine Bestzeit um 16.55 Uhr, Button bereits am Vormittag um 11.09 Uhr. Möglicherweise war die Strecke da schneller.

Bei Rosberg gibt es jedoch einen Vergleichswert mit Button. Am Nachmittag spulte der Mercedes-Pilot 14 Runden im 1.24er Bereich ab. Hätte er da vollgetankt wie Button in seinem 22-Runden Turn, wäre er unter Rennbedingungen schneller. Und er hätte bei seiner schnellsten Runde mindestens 40 Kilogramm Kraftstoff mit auf die Reise genommen. Wäre Rosberg seine Bestzeit mit ähnlich wenig Gewicht gefahren wie Button, wäre auch der Longrun enttäuschend gewesen. Es kommt also immer darauf an, welches Szenario das wahrscheinlichere ist.

Ferrari mit beeindruckenden Longruns

Fernando Alonso und Ferrari haben sich allen Vergleichsrechnungen dadurch entzogen, dass sie ausschließlich auf Dauerläufen unterwegs waren. Alonso fuhr am letzten Testtag in Jerez einen 36-Runden-Turn, bei dem der Spanier alle Zeiten im Bereich von 1.21 und 1.22 Minuten auf die Bahn zauberte. 36 Runden bedeuten selbst bei optimistischer Berechnung einen Mindest-Tankinhalt von 80 Kilogramm. Dafür war Alonsos erste Runde von 1.21,241 Minuten verdammt schnell. Herunter gerechnet auf 15 Kilogramm, also die angenommene Button-Spritmenge, wäre Alonso um 2,6 Sekunden schneller gewesen. Das ergäbe eine Zeit von 1.18,6 Minuten. Noch mal zwei Zehntel schneller als Button.

Ein Fünkchen Wahrheit ist bei den Vergleichen sicher dabei, doch am Ende bleibt alles Kaffeeesatzleserei. Die Wahrheit wird sich erst in Bahrain zeigen. Und das steigert die ohnehin schon große Spannung bei den Fans.

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