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Pinkel-Probleme im Cockpit

Manchmal muss man einfach laufen lassen

Timo Glock Foto: xpb 7 Bilder

Timo Glock erholt sich gerade von seiner Blinddarm-OP. Im Interview spricht der Odenwälder über sein Triathlon-Training, seine Ziele mit Virgin und die Absage des Rennens in Bahrain. Außerdem erzählt Glock noch eine schlüpfrige Anekdote aus seiner Champcar-Zeit.

08.03.2011

Auch Rennfahrer müssen mal. "In der Formel 1 ist es mir noch nie passiert, aber ich hatte mal ein ChampCar-Rennen, das ein bisschen länger als zwei Stunden dauerte", erzählt Timo Glock im Interview. Die Schmerzen seien beim Bremsen so groß gewesen, dass er sich irgendwann gesagt habe: okay. "Da musste ich es dann einfach laufen lassen", meinte der Wersauer, der bei den Formel-1-Testfahrten in Barcelona in dieser Woche nach einer Blinddarm-Operation passen muss. Bekannt für seinen Humor, fügte Marussia-Virgin-Pilot Glock hinzu, dass er damals "zum Glück sowieso einen gelben Anzug" getragen habe.

Wie sehr wirft Sie die Trainingspause durch Ihre Blinddarm-OP zurück?
Glock: Schon zwei bis drei Wochen, aber da ich vorher sehr gut trainiert habe, wird das kein Problem sein.

Andererseits müsste es die Vorfreude auf den Saisonauftakt doch noch mehr steigern, oder?
Glock: Ja, die Freude ist immer groß auf den Saisonauftakt! In der jetzigen Situation passt mir das natürlich umso besser.

Sie haben vor ihrer OP mit Lothar Leder, einem sehr bekannten deutschen Triathleten und Ironman trainiert. Wollen Sie demnächst ihre Formel-1-Kollegen Nico Rosberg und Jenson Button im Triathlon herausfordern?
Glock: Ich habe das einfach nur mal so gemacht, weil es mich interessiert hat. Ich habe angefangen zu schwimmen, weil es ein gutes Training ist. Ich bin dann aber irgendwann nicht mehr weitergekommen und habe gedacht: da muss jemand drauf schauen, der Ahnung hat. 

Was waren denn besondere Herausforderungen beim Training mit Leder?
Glock: Es ist interessant zu sehen, was für Trainingsumfänge die haben. Wenn einer wie Lothar 160 Kilometer mit dem Rennrad fährt, ist das für den gar nichts. Das ist schon Wahnsinn, was die leisten.

Warum entdecken denn so viele Formel-1-Fahrer den Triathlon für sich und wie sieht es mit Ihrem Wettkampf-Debüt aus?
Glock: Das reizt mich gar nicht. Ich bin kein guter Läufer. Ich könnte die Distanz zwar am Ende irgendwie laufen, aber ich hab keinen großen Spaß daran. Deshalb sehe ich auch keinen echten Sinn darin, einen Wettkampf zu machen.

Wofür dann dieser hohe Fitness- und Trainingsaufwand: Um bei eventuellen Unfällen viel durch Muskelkraft abfangen zu können oder um einfach ein Rennen durchzustehen?
Glock: Beides trifft zu. Wenn Du einen Unfall hast, ist es vorteilhaft, wenn die Muskulatur so stark ist, dass die Kräfte etwas abgefangen werden. Und wenn die körperliche Fitness nachlässt, lässt auch die Konzentration nach. Das darf nicht passieren. Für mich ist immer entscheidend, dass ich in der Lage wäre, noch mal eine Renndistanz zu fahren, wenn das Rennen vorbei ist.

Sie tun was Sie können für Ihre Fitness. Ihr Team hat Sie dafür auch schon in höchsten Tönen gelobt. Aber wie sieht es denn mit der Fitness Ihres Autos für die kommende Saison aus?
Glock: Auf der einen Seite muss man sagen: Das Team gibt mit den Möglichkeiten, die wir haben, alles. Die Mechaniker, die Ingenieure geben genauso viel wie wir Fahrer. Es ist unser zweites Jahr. Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen von anderen Teams. Wir müssen uns Schritt für Schritt verbessern und nach vorne arbeiten.

Im ersten Jahr bei Ihrem jetzigen Team hatten Sie das Ziel: Best of the rest. Wie sieht es nun aus?
Glock: Das Ziel ist für mich ganz klar, dass wir den Schritt Richtung Mittelfeld schaffen und ein gutes Ergebnis in den ersten Rennen einfahren. Da wird die WM für die kleinen Teams entschieden.

Es fiel auf, dass kaum ein Fahrer sich konkret zu den Geschehnissen in Bahrain äußerte. Warum eigentlich?
Glock: Solche Sachen wie in Bahrain sind politische Entscheidungen, bei denen wir als Fahrer wiederum auch gar nicht so viel entscheiden können. Wenn es hart auf hart gekommen wäre und geheißen hätte, wir fahren da, dann wären natürlich alle Fahrer wieder zusammengerückt.

Hatten Sie konkrete Angst um Ihre Sicherheit?
Glock: Angst hatte ich nicht. Mir war von Anfang an klar, dass man da kein Rennen fahren konnte. Wenn es nicht abgesagt worden wäre, wäre ich geschockt gewesen. Es hätte für das Land ja auch gar keinen Sinn gemacht, jetzt dort ein Formel-1-Rennen zu fahren. Man kann es aber auch gegenüber Fahrern und Mechanikern nicht verantworten. Es ging einfach nicht.

Was überwiegt denn bei Ihnen: Freude und Stolz, Teil der kleinen Formel-1-Fahrerwelt zu sein oder ein bisschen Enttäuschung, autobedingt nicht die eigentlichen Ziele erfüllen zu können?
Glock: Von beidem etwas. Wenn Du Rennen fährst und siehst, dass Du kämpfst und kämpfst, es aber nicht so belohnt wird, ist natürlich auch eine kleine Enttäuschung da. Auf der anderen Seite sehe ich den Weg, den ich geschafft hab, den ich mir bis in die Formel 1 erkämpft hab. Ich bin einfach stolz, dass ich dabei bin. Natürlich will ich irgendwann um Siege mitfahren können. Man muss aber auch immer wieder auf den Boden zurückkommen und sich durch den Kopf gehen lassen, was man geschafft hat.

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